Unterstützung für Flüchtlinge : Pankow hilft

Die Flüchtlingsunterkünfte in Pankow bekommen viel Unterstützung. Manche müssen Spenden sogar schon ablehnen. Ende Mai sind mehrere Nachbarschaftsfeste geplant.

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Der Protest von Nazis gegen Flüchtlinge hatte in Pankow keine Chance.
Der Protest von Nazis gegen Flüchtlinge hatte in Pankow keine Chance.Foto: imago

"Refugees welcome", Flüchtlinge willkommen, steht auf einem großen Transparent, das am Jugendzentrum Jup in der Florastraße hängt. Vor dem etwas heruntergekommenen Altbau stehen Männer und Frauen in kleinen Gruppen und unterhalten sich. Es wird viel gelacht, immer wieder wuseln Kinder durch die Menge. Das Jup veranstaltet regelmäßig ein "Café ohne Grenzen", zu dem Berliner und Flüchtlinge eingeladen sind. Vor allem Familien aus Syrien und vom Balkan sind gekommen. Die meisten wohnen nicht weit vom Jup in einer Flüchtlingsunterkunft in der Mühlenstraße. Das Jup hat auch eine Rechtsberatung für Flüchtlinge organisiert und eine Umsonst-Boutique für sie eingerichtet. Und es ist nicht allein. Rund um die "Mühle", wie die Unterkunft in der Mühlenstraße genannt wird, hat sich ein großer Unterstützerkreis etabliert. Heimleiterin Susan Hermenau kann sich vor Hilfsangeboten kaum retten. Ihre Mailbox sei voll mit Anfragen von Pankowern, die helfen wollten, sagte sie vor wenigen Monaten dem Tagesspiegel.

Spendenstopp im Prenzlauer Berg

Anderen Flüchtlingseinrichtungen in Pankow geht es ähnlich. Sechs gibt es insgesamt im Bezirk. Der Pankow-Blog hat nachfragt, welche Unterstützung sie aus ihrem Umfeld erhalten. Das Ergebnis: Es gibt in Pankow eine große Hilfsbereitschaft. "Manchmal kommen sogar Rentner mit Handwagen, um Spenden bei uns abzuliefern", sagt eine Mitarbeiterin der Prisod GmbH, die mehrere Unterkünfte in Pankow betreibt. In der Unterkunft in der Straßburger Straße im PrenzlauerBerg gilt sogar schon ein Annahmestopp für Sachespenden. Selbst im neuen Containerdorf in Buch, das in der Nachbarschaft zunächst nicht unbedingt auf Zustimmung stieß und lokale Nazis auf den Plan rief, ist seit der Eröffnung Ende April viel passiert. Die Kleiderkammer sei mit Spenden bereits gut gefüllt, sagte Einrichtungsleiterin Juliane Willuhn dem Tagesspiegel. "Was wir gut gebrauchen können, sind Möbel, denn unsere Aufenthaltsräume sind noch leer." Tische, Stühle, Sofas, Regale seien besonders willkommen. Aber auch Babybetten sind in Buch rar, und wie in anderen Einrichtungen fehlt Schulmaterial für Kinder. Für Kleidung gilt: Allenfalls Sportsachen für Männer und Kinderkleidung werden noch benötigt.

Nachbarschaftsfeste Ende Mai

Doch die Hilfe in Pankow geht über Sachspenden weit hinaus. In den betroffenen Ortsteilen haben sich Netzwerke gebildet, in den Kirchen, Sozialverbände, Behörden und Bürgerinitiativen zusammenarbeiten. Im Bucher Bürgerhaus findet am 29. Mai ein Fest der Nachbarn statt, bei dem sich Bucher Bürger und Flüchtlinge begegnen können. In der Falkenberger Straße in Weißensee, wo sich ebenfalls eine Flüchtlingsunterkunft befindet, ist am 29. Mai ein ähnliches Fest geplant.

Flüchtlinge sind dankbar für Kontakte

Im Jup in der Florastraße wurde am vergangenen Sonntag auch gefeiert. Der Berliner Musiker Alfred Mehnert und Mitglieder seines "Berlin Metropol Orchestra" traten dort gemeinsam mit Musikern aus dem Nahen Osten, Afrika und vom Balkan auf, die als Flüchtlinge in Berlin leben. Mehnert hatte außerdem rund 70 Instrumente für das Publikum mitgebracht. Das kam an. "Das war ein tolles Erlebnis für uns alle, eine fast symbiotische Stimmung", sagte Mehnert nach dem dem Konzert. Für viele der Flüchtlinge war es aber auch wichtig, mit ihren deutschen Nachbarn ins Gespräch zu kommen, ihnen zu erklären, warum sie nach Deutschland gekommen sind. Mohammed (26) aus Syrien beispielsweise, der ein Jahr auf der Flucht war und möglicherweise bald nach Litauen abgeschoben wird, weil er dort bereits einen Asylantrag gestellt hatte, bevor er sich weiter nach Berlin durchschlug. "Dort werden Asylbewerber eingesperrt und leben unter unwürdigen Bedingungen. Aber wir sind doch Menschen und keine Tiere", sagt er, "wir wollen doch nur wie menschliche Wesen behandelt werden." Ein anderer Syrer, Jassin, zeigt auf seinem Handy Fotos seiner Frau und seiner drei Kinder, die noch immer in Damaskus sind. Weil auch bei ihm nicht klar ist, ob er in Deutschland bleiben darf, kann er sie nicht nachholen. Zum Feiern ist ihm nicht zumute.

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Autor

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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