Bezirksverordnete beauftragten Bezirksamt mit Prüfung : Keramiksäule soll rekonstruiert werden

Heute vor 80 Jahren wurde im Grimnitzseepark die „Keramische Verkehrssäule Spandau“ feierlich ihrer Bestimmung übergeben. Jetzt gibt es eine Initiative für den Wiederaufbau.

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Um die Säule herum waren Bänke aufgestellt. Foto: Archiv
Um die Säule herum waren Bänke aufgestellt.Foto: Archiv

Die Idee zu der Säule an der Heer- Ecke Pichelsdorfer Straße in der Wilhelmstadt, die Touristen werben und zugleich die Leistungsfähigkeit des Keramikhandwerks verdeutlichen sollte, hatte Otto Schmidt, damaliger Direktor der Veltener Ofenfabrik und Keramikwerkstätte A. Schmidt-Lehmann. Im dortigen Museumsleiter Peter und dem Spandauer Verkehrsvereins-Leiter Tieck stieß er auf offene Ohren und finanzierte das Projekt mangels Sponsoren schließlich alleine. Der Finkenkruger Kunstbildhauer Gottfried Kappen schuf daraufhin eine vier Meter hohe, sechseckige, vollständig mit Kacheln verkleidete Säule. 18 farbenprächtige Bildplattenkacheln zeigten Motive aus Spandau und dem Havelland, so war unter anderen je eine Kachel der Havel, dem Stadtwald, dem Juliusturm und der Schützengilde gewidmet. Auf einem der beiden umlaufenden Spruchbänder stand zu lesen: „Besucht Spandau – Auskunft Verkehrsverein Spandau Rathaus“. Den Abschluss der Säule bildete eine gelbe Keramik-Weltkugel von 70 Zentimetern Durchmesser, die auf einem umlaufenden blauen Band von den zwölf Sternzeichen geziert wurde.

Die Säule stand bis 1958 an der Pichelsdorfer- Ecke Heerstraße. Foto: Archiv
Die Säule stand bis 1958 an der Pichelsdorfer- Ecke Heerstraße.Foto: Archiv

Die feierliche Enthüllung fand am 1. Juni 1937 statt. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Säule beschädigt und es entspann sich eine Diskussion um deren Zukunft. 1957 wurde in der Bezirksverordnetenversammlung der Abriss beantragt, so eine Dokumentation, die Rolf Zimmermann von der Forschungsgruppe Meilensteine erstellte. Obwohl ein Gutachten einen guten baulichen Zustand und Reparaturkosten in Höhe von rund 5000 Euro ergab, wurde der Abriss 1958 vom Bezirksamt beschlossen. Fünf Originalplatten und zwei Verkleidungskacheln hat Zimmermann, der sich seit Jahren für den Wiederaufbau der Säule einsetzt, im Archiv des Stadtgeschichtlichen Museums Spandau ausmachen können, ein Original und drei Abgüsse befinden sich im Veltener Ofen- und Keramikmuseum. Die Friedrichshagener Künstlergruppe „Collage“ hat nach alten Fotos 15 Bilder gemalt, die als Vorlage für neue Kacheln dienen könnten

Jetzt setzen sich auch Spandaus Sozialdemokraten für den Wiederaufbau der Säule ein. Mit der Wiederherstellung würde Spandau ein Stück Geschichte und ein optisches Highlight zurückgewinnen, heiß es in einem entsprechenden Prüfantrag an das Bezirksamt, den die SPD-Fraktion am Mittwochabend in der BVV einbrachte.

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