Finanzierung des mobilen Arbeitslosen-Beratungsteams gesichert : "Irren ist amtlich"

Regelmäßig parkt der Info-Bus des Arbeitslosenzentrums der Evangelischen Kirchenkreisen vor den Jobcentern. Ein Dauerproblem sind die Mietkosten.

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Das Beratungsteam mit Burgunde Grosse (Mitte) und Frank Steger (rechts) vor dem Spandauer Jobcenter.
Das Beratungsteam mit Burgunde Grosse (Mitte) und Frank Steger (rechts) vor dem Spandauer Jobcenter.Foto: During

„Irren ist amtlich – Beratung kann helfen“. Unter diesem Motto parkt der Info-Bus des Berliner Arbeitslosenzentrums der evangelischen Kirchenkreise (BALZ) regelmäßig vor den zwölf Berliner Jobcentern, um deren Klienten im Konfliktfall als erste Anlaufstelle zu dienen. In diesem Jahr drohte der seit 2007 gefragten Institution das Aus. Bisher aus Spenden und Kirchenmitteln finanziert, reichte das Geld nicht mehr aus. Auf Initiative der Spandauer Abgeordneten Burgunde Grosse (SPD) hat das Berliner Abgeordnetenhaus das von Wohlfahrtsverbänden und Gewerkschaften unterstützte Beratungsangebot im laufenden Doppelhaushalt einstimmig mit 60 000 Euro pro Jahr gesichert.

Vieles liegt noch immer im Argen

Vieles hat sich seit 2007 verbessert, sagt Frank Steger vom BALZ. So ist die Zahl der befristeten Arbeitskräfte bei den Jobcentern deutlich zurück gegangen. Doch vieles liegt noch immer im Argen. Gerade hat er mit einer Klientin im Spandauer Jobcenter an der Altonaer Straße um eine abgelehnte Weiterbildungsmaßnahme gestritten, leider vergebens. Viele Angebote gerade im Bereich der Förderung und Integration beruhen auf Kann-Vorschriften, bedauert der Experte.

Die Miete wird oft vom Munde abgespart

Ein Dauerproblem für Empfänger von Hartz IV oder Sozialhilfe sind die Kosten für Miete und Heizung. Sie müssen „angemessen“ sein, um übernommen zu werden, doch die Richtwerte der Berliner „AV Wohnen“ sind angesichts der steigenden Forderungen der Vermieter unrealistisch, beklagt Frank Steger. Das große Problem sind aus seiner Sicht nicht die Mieter, die gezwungen sind, umzuziehen sondern jene, die sich die Miete im wahrsten Sinne des Wortes vom Munde absparen. Sie investieren einen Teil der für den persönlichen Unterhalt bestimmten Zahlungen um die Mietdifferenz zu zahlen und so in der Wohnung bleiben zu können. Steger spricht von einer „sozialen Zeitbombe“. Empfänger von Hartz IV oder Sozialhilfe können zumindest, soweit sie in Sozialwohnungen leben, einen zusätzlichen Mietzuschuss des Landes erhalten, was vielen Betroffenen allerdings überhaupt nicht bekannt ist.

Skepsis der Jobcenter-Leiter ging zurück

Anfangs ist das Beratungsteam bei den Leitungen der Jobcenter eher auf Ablehnung gestoßen. Inzwischen betrachtet man sie auch dort meist als ergänzendes Angebot und trifft sich nach den meist zweitägigen Besuchen des Info-Busses zu einem Gespräch, um sich über erkannte Probleme auszutauschen. Und auch strittige Einzelfälle werden so auf dem kurzen Dienstweg geprüft. In Spandau ist das Beratungsteam wieder am 20. und 21. Juni sowie am 22. und 23. August jeweils von 8 bis 13 Uhr vor Ort. Weitere Infos unter www.beratung-kann-helfen.de.

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