Hochschule für Business und Integration : Eine Universität für Spandau

Spandaus erste Hochschule befindet sich in der Gründung. Im Wintersemester 2018/19 sollen die ersten Studenten einziehen.

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Gabriele Fliegel (links) und Britta Marschke treiben die Gründung der ersten Spandauer Hochschule voran.
Gabriele Fliegel (links) und Britta Marschke treiben die Gründung der ersten Spandauer Hochschule voran.Foto: During

Binnen nur eines halben Jahres hat die Idee einer Spandauer Universität konkrete Formen angenommen. Erst im vergangenen Herbst hatte sich auf Anregung der Vorsitzenden der Geschäftsleute-Vereinigung Wirtschaftshof, Gabriele Fliegel, eine entsprechende Initiative gegründet. Die neue Hochschule soll mit einer innovativen und einzigartigen pädagogischen Ausrichtung neue Ansätze und Konzepte für das Management von Integrationsprozessen sowie für die Integration von Migranten entwickeln, heißt es in der Konzeptskizze. „Ergänzend und kooperierend zu den anerkanntermaßen hochprofessionellen Angeboten der bestehenden Hochschulen in Berlin ist ein weiteres, diversifizierendes und komplementäres Studienangebot sinnvoll und notwendig. Wir vertreten eher Inhalte, die (noch) jenseits vom Mainstream liegen, aber Vorbild-Charakter haben.“

Verknüpfung von Hochschule und Wirtschaft wird angestrebt

Entwickelt wurde das Konzept von Professor Jürgen Zimmer, dem Präsidenten der Internationalen Akademie Berlin für innovative Pädagogik, Psychologie und Ökonomie (INA) und Gründer der Schools for Life inThailand. Mit im Boot sitzt zwischenzeitlich auch der Gründer der Hochschule der Wirtschaft für Management in Mannheim, Professor Franz Egle. Angestrebt wird eine enge Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, um den Studenten neben den an einer Universität gelehrten Theorien auch Praxiserfahrung zu ermöglichen, so Britta Marschke, Geschäftsführerin der Gesellschaft für Interkulturelles Zusammenleben (GIZ), die in Spandau bereits erfolgreich Integrationsarbeit betreibt. Geplant ist ein Mix aus je einem Drittel deutscher und internationaler Studenten sowie von Migranten mit externem Stipendium. Für die Verwaltung sollen Integrationsfachleute und für die Wirtschaft Fachkräfte ausgebildet werden. Flüchtlinge sollen qualifiziert werden, um nach einem Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen in ihre Heimatländer zurückzukehren und dort Führungspositionen übernehmen zu können.

Das alte Kant-Gymnasium wird Sitz der Spandauer Universität.
Das alte Kant-Gymnasium wird Sitz der Spandauer Universität.Foto: During

Der Start soll mit drei von vier Bachelor-Studiengängen (Intercultural Entrepreneurship, Integrationsmanagement/Social and Educational Competences, Business and Sales Management und International Transport & Logistics Management) sowie einem Studium generale (Menschenrechte, Kinderrechte, Vielfalt der Religionen und Weltanschauungen) erfolgen. Der Hochschulbetrieb soll im Wintersemester 2018/19 mit rund 30 Studenten beginnen und im Laufe der Zeit auf vielleicht 200 hochgefahren werden. „Wir wissen dass das sehr sportlich ist aber wir brauchen auch irgendwie den Druck“, so Gabriele Fliegel.

Gemeinnützige Trägergesellschaft vor der Gründung

„Wir brauchen in Spandau frisches Blut, junge Leute“, sagt die Wirtschaftshof-Chefin. Wichtig sei, dass im Bezirk auch Studentenwohnungen entstehen. So hat sie bereits im Gespräch mit den Investoren des neuen Stadtquartiers auf dem ehemaligen Postgelände an der Klosterstraße auf die Realisierung des dort angedachten Boardinghouse gedrängt. „Wichtig ist, die Wirtschaft in Spandau und Berlin mitzunehmen“, so Fliegel. „Spandau ist immer noch Berlins größter Industriebezirk, wir haben so tolle, internationale Unternehmen.“ Als nächster Schritt soll in den kommenden Wochen die Trägergesellschaft in Form einer gemeinnützigen GmbH gegründet werden. Als Gründungsmitglied ist neben dem Wirtschaftshof, INA und GIZ u.a. auch die Berliner Jobnet AG vorgesehen.

„Die geplante Hochschule ist eine große Chance für Spandau“, sagt Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD).“Daher wird der Bezirk die Gründung nach Kräften unterstützen. Wenn die Senatsverwaltung für Wissenschaft und Integration dem zustimmt, kann der Bezirk einige Räumlichkeiten sowie eine Anschubfinanzierung beisteuern.“ Konkret geht es um zwei Räume im alten Kant-Gymnasium an der Carl-Schurz-Straße, das als Filiale der Freiherr-vom-Stein-Oberschule aufgegeben wurde, und 70 000 Euro aus den Mitteln des Berliner Masterplans für Integration. Für den weiteren Aufbau ist man auf die Unterstützung durch die Wirtschaft angewiesen. Erste Gespräche mit BMW und Siemens hat Fliegel bereits geführt. „Jeder ist willkommen, uns zu unterstützen, auch der ganz normale Mittelstand“, sagt sie. Schließlich sei eine gelungene Integration auch eine Chance für den Wirtschaftsstandort Berlin.

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