St. Marien in Berlin-Spandau : Der Mann, der sich in eine Kirche verliebte - und diese kaufte

Das vor 169 Jahren erbaute Gotteshaus ist ein kulturelles Highlight des Bezirks. Vor 15 Jahren hat es Helmut Kißner gekauft.

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Helmut Kißner vor dem Altar seiner Kirche.
Helmut Kißner vor dem Altar seiner Kirche.Foto: During

Ohne Helmut Kißner und seine Frau Hannelore wäre St. Marien nie zu einem kulturellen Kleinod geworden. Vor 15 Jahren ließ sich der damalige Verwaltungsangestellte von einem Bekannten chauffieren, der ihm während der Fahrt berichtete, dass die Kirche angesichts leerer Kassen vom Erzbistum verkauft werden sollte. Nach einem Ortstermin wusste das kinderlose Ehepaar, wo es sein Vermögen investieren würde. Für 250.000 Euro kaufte man das Gotteshaus und musste schnell feststellen, dass es mit der vorgesehen Reparatur des maroden Daches nicht getan war. Ein Jahr lang wurde St. Marien komplett saniert und erhielt obendrein noch eine neue Orgel. Wieviel Geld man letztendlich in die Kirche gesteckt hat, darüber will Helmut Kißner nicht sprechen. Ende 2003 jedenfalls wurden Altar und Orgel vom Erzbischof geweiht.

So präsentiert sich St. Marien heute den Besuchern.
So präsentiert sich St. Marien heute den Besuchern.Foto: During

Seitdem kann die Gemeinde hier wieder Gottesdienste abhalten. Damit nicht genug. Seit 2004 bitten die Kißners, die ein paar Schritte weiter auch das Restaurant „Spandower Zollhaus“ im 1709 erstmals erwähnten Torwärterhaus betreiben, auch zu kulturellen Events in die einzigartige Kulisse des Sakralbaus. Und wer denkt, dass es dabei nur um Orgelmusik und andere klassische Klänge geht, der irrt. Katja Ebstein war hier ebenso zu Gast wie Bill Ramsey und unter dem Motto „Die Kirche rockt“ haben sich für den 1. April Ulli und die Grauen Zellen angesagt. Zuvor gibt es am 11. März noch Lieder und Balladen aus Frankreich und von den britischen Inseln mit Stefanie Zill und Susannde Pahde sowie am 18. März Orgelmusik vom Barock bis zur Moderne, gespielt von Winfried Völkner. Mit jeweils zehn Euro hält sich der Eintritt in erschwinglicher Größenordnung.

Freier Eintritt zum "Behnitzer Abendlob"

Völlig frei ist der Eintritt an jedem ersten Freitag im Monat zum schon traditionellen „Behnitzer Abendlob“. Bei der „literarisch-musikalischen Reihe zur Ehre Gottes und der Menschen“ gibt es Vorträge, die von Harald Russ an der Orgel begleitet werden. Am 3. März um 20 Uhr spricht Diakon Berthold Schalk zum Thema „Vom Folterinstrument zum Schmuckstück – eine kleine Kulturgeschichte des Kreuzes“.

St. Marien hat eine bewegte Geschichte. 1848 fertiggestellt, wurde das Gotteshaus nach dem Bau der größeren Kirche Maria, Hilfe der Christen an der heutigen Flankenschanze 1910 als Garnisonskirche an den Militärfiskus verpachtet. Nach dem Ersten Weltkrieg ging sie zurück an die katholische Gemeinde, wurde ab 1937 von den Nazis wieder als Garnisonskirche genutzt und 1944 bei einem Bombenangriff ebenso wie die nahe St. Nikolai-Kirche schwer beschädigt. Wieder hergerichtet, diente sie bis 1952 erneut als Pfarrkirche, wurde 1964 unzulänglich restauriert und erst 1995 vom Bund als Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches an das Erzbistum verkauft.

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