Hundekita Steglitz-Zehlendorf: Ein Ortstermin : Erziehungslücken werden akzeptiert

Keine Zeit zum Gassi gehen? Spielstunden mit anderen Artgenossem gesucht? In der Hundekita "Jack Perro" ist jeder Vierbeiner immer herzlich willkommen. Unsere Bloggerin hat die Einrichtung zusammen mit ihrem Hund Dando getestet.

Eve-Catherine Trieba
Wuff! Dando in der Hundekita in Steglitz-Zehlendorf. Ein Selbstversuch und Besuch.
Wuff! Dando in der Hundekita in Steglitz-Zehlendorf. Ein Selbstversuch und Besuch.Foto: www.qiez.de

Als wir um zehn Uhr in der Schildhornstraße 70 ankommen, geht es dort bereits ziemlich trubelig zu. Kein Wunder: Viele Arbeitnehmer, die ihren Hund nicht ins Büro mitnehmen dürfen oder ihm ein bisschen Abwechslung vom Arbeitsalltag bieten wollen, steuern die Hundekita Jack Perro regelmäßig schon in den frühen Morgenstunden an. So wuseln nun also sechs kleine und große Vierbeiner durcheinander, freuen sich über den Neuankömmling oder kontrollieren kurz, ob der gerade hereingekommene Zweibeiner nicht doch das eigene Frauchen ist. "Die freuen sich schon auf die morgendliche Gassirunde", erklärt Mitarbeiter Bruno mit einem Schmunzeln die hektische Betriebsamkeit.

Bevor der nun auch schon ganz aufgeregte Dando zu den anderen stoßen darf, müssen wir im abgetrennten Empfangsbereich noch einige Formalitäten klären. "Gäste, die zum ersten Mal in der Hundekita vorbeikommen, legen uns zunächst Impfpass und Haftpflicht-Versicherung vor und lassen ihren Hund danach erstmal zu einer 30-minütigen Stippvisite bei uns", erläutert der ausgebildete biologisch-technische Assistent Bruno, der seit drei Monaten in der Schildhornstraße arbeitet und - wie man schnell feststellen kann - für Zwei- und Vierbeiner jetzt schon die "gute Seele" des Hauses geworden ist. Ob sensibler Neuzugang, dringende Gassirunde oder klemmendes Hundeabsperrgitter - in allen Fragen ist Bruno ein geduldiger Ansprechpartner.

Hormon-Chip für dominante Rüden

Zurück zum Prozedere: Im Anschluss an die erste halbe Stunde ohne Herrchen oder Frauchen nehmen sich die Mitarbeiter der Hundekita Zeit, um mit den Besitzern über eventuelle Eigenarten ihrer Hunde zu sprechen. Doch egal, ob der Vierbeiner seinem Halter nachtrauert, markiert oder sich nicht mit anderen Rüden versteht - "abgelehnt wird ein Hund bei uns so gut wie nie", verspricht Inhaberin Camea Brandt. "Nach Möglichkeit versuchen wir, auf die Bedürfnisse und 'Erziehungslücken' jedes einzelnen Hundes mit viel Verständnis und Geduld einzugehen. Notfalls empfehlen wir auch mal einen Hormon-Chip für besonders dominante Rüden. Aber nach einer gewissen Eingewöhnungszeit fühlt sich bei uns eigentlich jeder wohl", sagt die 28-jährige ausgebildete Tierarzthelferin.

Sie hat die Kita vor einigen Monaten zusammen mit Kollegin Sarah Kettenbaum ins Leben rief. Beispiel: Der junge Podenco-Rüde Max gehörte zu den ersten Gästen der Hundekita und war damals laut Camea "ziemlich wild und ungestüm". Heute schaut er noch immer gern vorbei und ist - auch dank der Hilfe der erfahrenen Mitarbeiter Camea, Sarah und Bruno - zu einem verlässlichen Begleiter im Alltag seiner Besitzer geworden. "Reinreden oder erziehen tun wir unsere Kunden dabei aber nie", betont die Chefin.

Hallo! Ich bin nicht Dando, nur sein bester Freund.
Hallo! Ich bin nicht Dando, nur sein bester Freund.Foto: www.qiez.de

Auch am Tag unseres Besuchs muss ein Rüde sich wegen unsozialen Verhaltens allein im hinteren Bereich der Kita vergnügen. Er scheint jedoch ganz froh darüber zu sein, hier über sein eigenes kleines "Revier" zu herrschen. Nachdem die ersten Fragen geklärt sind, darf nun auch unser Dando endlich zu seinen vierbeinigen Kollegen stoßen. Nach dem ersten Beschnüffeln steht auch gleich ein kleines Spielchen mit dem etwas älteren James auf dem Programm.

Frauchen ist da schon längst nicht mehr so wahnsinnig interessant ... Insgesamt stehen den Hunden in der Hundekita Jack Perro zwei große Räume mit hohen Decken, Sofas und Liegekissen, ein kleinerer Flur und eine Futterküche offen. In der hundegerechten Wanne im Badezimmer können außerdem stinkende oder schlammige Spuren des letzten Spaziergangs beseitigt werden. Für lange und kurze Spaziergänge geht es entweder mit dem ebenfalls hundegerecht ausgebauten Fahrzeug in den nur sieben Minuten Fahrzeit entfernten Grunewald oder zu Fuß in den gegenüberliegenden Harry-Bresslau-Park.

Kinder und Hunde sind vor allem ... laut

Lange mussten Camea und Sarah nach einem derart geeigneten Standort für ihr Projekt suchen. Viele Vermieter hätten eine Hundepension aus Angst vor der Lärmbelästigung von vorneherein abgeleht, berichtet die in Neukölln lebende Camea: "Es hat fast ein Jahr gedauert, bis wir endlich jemanden gefunden haben, der uns seine Räume gerne zur Verfügung stellte." Von Seiten der Nachbarn kamen bisher noch nie Beschwerden. Das dürfte zum einen an der ohnehin recht lauten Straße vor der eigenen Haustür, aber auch an der Funktion der Kita als "Paketannahmestelle" liegen. Dass der neue Vermieter eigentlich eine Hundephobie hat und als heilsame Maßnahme öfter mal "zum Streicheln" in der zwischen Autobahnabfahrt und Schlossstraße optimal gelegenen Hundekita vorbeischaut, ist nur eine weitere der lustigen Geschichten rund um die Hundepension, zu deren Service übrigens auch der Besuch von Hundefriseurin Anna gehört.

Und wer bist denn Du jetzt, kleine Maus?
Und wer bist denn Du jetzt, kleine Maus?Foto: www.qiez.de

Gegen 11 Uhr machen sich Camea und Praktikantin Jessica schließlich mit sechs Hunden auf den Weg in den Grunewald. Zwei- und Vierbeiner genießen den sonnigen Vorfrühlingstag und Dando und Co. toben vergnügt durchs Unterholz. Mops Watson und Yorkshire Terrier Benny müssen auf Wunsch ihrer Halter zwar an der Leine bleiben, "aber wenn wir sehr lauffreudige Hunde nicht ableinen dürfen, fahren wir mit denen im Anschluss an die Gassirunde auch gerne noch in den Freilauf auf dem Tempelhofer Feld", berichtet Camea. Ohnehin ist man in Sachen Gassirunde flexibel: "Wir versuchen, so oft wie möglich mit den Hunden draußen zu sein. Bei Bedarf gehen wir mit verschiedenen Gruppen, drehen noch eine Runde bevor Herrchen kommt oder warten auf Nachzülger, damit die auch noch mit in den Wald können", erzählt Camea.

Der Tierarzt kommt ins Haus

Zurück in der Hundekita steht der Besuch von Tierarzt Tobias Krause an. Regelmäßig schaut der sympathische Experte zum Impfen oder für einen Routine-Check in der Schildhornstraße vorbei. Auch bei eventuellen Notfällen kann Krause innerhalb weniger Minuten vor Ort sein. Eilig ist es diesmal nicht: Die ältere Dackeldame Paula muss eine kleine Spritze und das Krallenschneiden über sich ergehen lassen. Nachdem sie alles mit stoischer Geduld ertragen hat, steht noch eine kleine gemeinsame Spielrunde auf dem Programm. Angst vor dem Tierarzt hat in der Hundekita niemand!

Nach einem langen, ereignisreichen Tag kehrt gegen Nachmittag langsam Ruhe ein. Zwar gehört auch 24-Stunden- oder Urlaubsbetreuung zum Angebot der Hundekita, doch an diesem Tag werden alle vierbeinigen Gäste schon nach einigen Stunden wieder abgeholt (Preis für Stunde ohne Gassitour 4 Euro, bis sechs Stunden inkl. Gassitour 18 Euro). Wir verabschieden uns am Nachmittag mit einem müden aber glücklichen Dando und finden: Wer eine individuelle und liebevolle Betreuung für seinen Vierbeiner sucht, ist in der Hundekita in Steglitz genau richtig. Obwohl an diesem Tag viele neue Gäste, einige "Problemfälle" und viel Besuch auf dem Tagesplan standen, schließen alle Beteiligten den Tag mit einem Lächeln bzw. einem zufriedenen Gähnen auf den Lippen ab.

Klasse, wir spielen Fangen!
Klasse, wir spielen Fangen!Foto: www.qiez.de

Übrigens: Der Name Jack Perro leitet sich von der Leidenschaft von Inhaberin Camea für Schauspieler Johnny Depp ab. "Eigentlich fand ich den Namen "Hundekita" zwar eingängig aber unsinnig. Als Kompromiss wollte ich dann wenigstens den Namen "Johnny Depp" drangehängt haben", lacht Camea. Als rechtliche Fragen auftauchten, entschloss man sich, die Kita nach Jack Sparrow, der Hauptfigur aus "Fluch der Karibik", zu benennen. Statt Sparrow heißt es nun aber Perro - schließlich stammt Cameas eigene Hündin aus Spanien.

Die Autorin schreibt für QIEZ.de, das Berliner Stadtportal und ein Tochterunternehmen des Tagesspiegels. Der Text erscheint auf dem Zehlendorf Blog, dem Online-Magazin aus dem Südwesten.




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