Naturprojekt am Schadow-Gymnasium Zehlendorf : Junges Gemüse: Schüler bauen auf dem neuen Schulacker Kartoffeln und Pastinaken selber an

300 Quadratmeter Acker - am Zehlendorfer Schadow-Gymnasium bauen Fünft- und Sechstklässler eigenes Gemüse an. Lerninhalte sollen begreifbar, Schule nahrhaft werden.

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Lenz, Viktor, Jonathan und Florian aus der 6a macht die Arbeit auf dem neuen Schulacker des Schadow-Gymnasiums Spaß.
Lenz, Viktor, Jonathan und Florian aus der 6a macht die Arbeit auf dem neuen Schulacker des Schadow-Gymnasiums Spaß.Foto: Boris Buchholz

Lenz, Viktor, Jonathan und Florian aus der 6a zeigen mit Stolz den frisch eingeweihten Schulacker des Schadow-Gymnasiums. Auf 300 Quadratmetern Fläche haben die vier Elf- und Zwölfjährigen und die anderen Fünft- und Sechstklässler der Schule Salat, Kartoffeln, Lauch, Zwiebeln, Knoblauch, Kresse, Pastinaken und weitere Gemüsesorten gepflanzt. „Hier waren überall Pflastersteine“, erzählt Lenz, die mit der Brechstange mühsam gelöst werden mussten. Seit letztem Sommer seien die Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrern dabei, den Schulacker herzurichten. Den vier Jungs gefällt die Schul-Ackerei: „Wenn man ein eigenes Beet hat, dann hat man auch die Verantwortung dafür“, erklärt Jonathan. Lenz ergänzt: „Kinder sollen lernen, wie es ist, wenn man selber etwas anbaut.“

Bei der anschließenden Einweihungszeremonie – die Luft war erfüllt vom Duft gegrillter Würstchen, eine neunte Klasse hatte die Verpflegung übernommen – dankte Schulleiter Andreas Krenz den beteiligten Lehrerinnen und Lehrern, den Geldgebern und Unterstützern sowie den sehr aktiven Schülern. Es sei ihr Schulacker, den die fünften und sechsten Klassen jetzt Woche um Woche bestellen und pflegen müssten. Für die Sommerferien ist schon organisiert, wer wann gießt.

Respekt vor der Natur vermitteln

Selbständiges Urteilen und Handeln sowie Respekt vor Mensch und Natur wolle das Schadow-Gymnasium vermitteln. „So wie das Gemüse werden auch diese Eigenschaften durch das ‚Ackern’ wachsen“, ist sich der Schulleiter sicher. Er selber freue sich schon sehr auf das Sommerfest der Schule, „denn dann kann ich alles probieren, was ihr angebaut habt“. Er fährt fort: „Das Gute ist, dass der Bezirk fast alles bezahlt hat.“

Schulacker am Schadow-Gymnasium eröffnet
Marie und Eva, beide 10 Jahre alt, zeigen "ihre" Pflanzen auf dem Schulacker des Schadow-Gymnasiums.Weitere Bilder anzeigen
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05.05.2017 08:25Marie und Eva, beide 10 Jahre alt, zeigen "ihre" Pflanzen auf dem Schulacker des Schadow-Gymnasiums.

Umweltstadträtin Maren Schellenberg (Grüne) steht neben ihm und lächelt leicht. Ihr Amt hat den Acker mit 25.000 Euro finanziert. Es sei wichtig, dass alle jungen Menschen einen „praktischen und emotionalen Bezug dazu bekommen, woher unsere Nahrung kommt“, sagt sie. Wenn man eigenes Gemüse ziehe, merke man auch, wie „grundlegend eine intakte Natur für unser Leben ist“. Als Gastgeschenk brachte sie der Schule Thymian- und Rosmarinpflanzen mit.

Auch violette Kartoffeln schmecken

Fachlich unterstützt wurde die Schule beim „Projekt Schulacker“ vom bundesweit aktiven Verein Ackerdemia, der in Berlin Projekte an 25 Schulen und 13 Kitas betreut. „Jetzt geht es erst richtig los“, erklärt Julian Siegmann von Ackerdemia und strahlt dabei. „90 Minuten pro Woche“ würde jede fünfte und sechste Klasse auf dem Feld verbringen – und lernen, dass auch violette Kartoffeln lecker schmecken und nicht an einem Baum wachsen. Auf dem Schulfeld wachse nichts beliebig, erklärt er, „die Fruchtfolgen sind relativ ausgetüftelt“. Insgesamt drei Pflanztermine gäbe es im Jahr, mehrere Ernten seien möglich. Aus seiner Erfahrung würde die Ackerarbeit den Schülern „Wertschätzung, Neugierde und Spaß“ vermitteln.

Zurück auf dem Acker glaubt man das gerne: Zwei Mädchen zeigen einer Mutter ihre Arbeit – die beiden sind voller Energie und Elan. Diese positive Stimmung spiegelt sich auch in der Anmutung des Feldes: Überall sprießen neben den jungen Pflanzen auch bunte Schilder in den unterschiedlichsten Formen aus dem Boden: „Frühkartoffeln, 2 Sorten“, „Möhre und Radis“, „Knoblauch“ und „Kopfsalat“ steht darauf. Die fünften Klassen hätten die Schilder hergestellt, erklären mir Lenz, Viktor, Jonathan und Florian. Noten dafür, wie gut sie die Möhren einpflanzen, würden sie nicht kriegen, sagen die vier. „Aber es gibt Mitarbeitsnoten.“ Ob sie eigentlich ein Lieblingsgemüse oder -obst hätten? Drei der vier Jung-Gärtner sagen als erstes „Salat“. Das Schulackerprojekt trägt hörbar Früchte.




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