Offener Brief zum Hundeverbot am Berliner Schlachtensee : Herr Bürgermeister, wollen Sie das Faustrecht?

Seit dem 15. Mai gilt das Hundeverbot am Schlachtensee in Berlin. Einige Anwohner werden durch diese Maßnahme offenbar doppelt bestraft. Sie halten sich an das Verbot und den Leinenzwang, doch sie werden auch dort beschimpft und angegriffen, wo sie eigentlich völlig legal laufen dürfen.

Anwohnern der Marinesiedlung
Leinenzwang. Doch auch die Anwohner, die sich daran halten, werden beschimpft, obwohl sie unterhalb der Marinesiedlung sogar im ausgewiesenen Hundeauslau
Leinenzwang. Doch auch die Anwohner, die sich daran halten, werden beschimpft, obwohl sie unterhalb der Marinesiedlung sogar im...Foto: Thilo Rückeis

Im Folgenden veröffentlichen wir einen Brief von aufgebrachten Anwohnern der Marinesiedlung in Schlachtensee. Direkt unterhalb der Siedlung am See ist das Laufen mit angeleinten Hunden weiterhin erlaubt, dieser Abschnitt gehört zum Hundeauslaufgebiet. Das aber wissen offenbar die anderen Nutzer des Sees nicht, so dass ständig Konflikte entstehen. Lesen Sie selbst.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

wir sind Bewohner der Marinesiedlung in direkter Nachbarschaft zum Schlachtensee. Es gibt hier zahlreiche Familien mit Kindern und nicht wenige darunter auch mit Hund. Zu Problemen hat das noch nie geführt. Es kommt regelmäßig vor, dass sich Kinder einen Hund aus der Nachbarsfamilie zum Spaziergang "ausleihen". Die friedliche Atmosphäre hier ist jedoch seit dem 15. Mai schlagartig beendet.

Der Uferweg direkt unterhalb unserer Siedlung ist ausweislich der neuen Beschilderung Teil des für angeleinte Hunde erlaubten Rundweges um den See. Daher begehen wir diesen Rundwegabschnitt mit unseren Hunden völlig legal. Trotzdem fühlen sich aggressive Hundehasser (nicht aus der Marinesiedlung) berechtigt, uns in massiver, teils brutaler Form zu attackieren. Wir schildern Ihnen einige Beispiele vom vergangenen Wochenende.

Am 29. Mai wurde eine Bewohnerin der Marinesiedlung, die sich mit ihrem angeleinten Hund auf den dafür zugelassenen Uferweg befand, von einem etwa 40-jährigen Mann ultimativ aufgefordert, den Weg zu verlassen. Er beschimpfte sie und drohte ihr an, sich das Gesicht gemerkt zu haben und für den Fall, dass er sie hier wieder antreffe, werde er sich überlegt haben, was ihr dann passiere.

Am 30. Mai wurde ein 12-jähriger Junge mit seinem kleinen, angeleinten Hund auf dem erlaubten Wegabschnitt von einem Mann und einer Frau (...) angeschrieen. Als er erwiderte, hier seien angeleinte Hunde doch erlaubt, wurde er geschubst und nach seinem Hund wurde getreten. Das Kind kam völlig verängstigt und weinend nach Hause.

"Hier geht es um Straftaten gegen Bürger"

Am 31. Mai wurde ein Familienvater aus der Siedlung mit zwei Kindern (8 und 11) auf dem erlaubten Wegabschnitt von einem Ehepaar von Anfang Sechzig fotografiert. Auf seinen Hinweis, das Fotografieren sei verboten, wurde er angepöbelt, er verstoße gegen das Hundeverbot und müsse sich nicht wundern, wenn er dafür zur Rechenschaft gezogen werde. Auf seinen Hinweis, auf diesem Abschnitt gelte das Hundeverbot nicht, wurde er als "Klugscheißer" beschimpft, der sich mit seinem "Köter" davon machen solle. Das illegale Foto wurde nicht gelöscht.

(...) Hier geht es um Straftaten gegen Bürger, die sich absolut rechtmäßig verhalten. Sie als zuständiger und verantwortlicher Politiker können das nicht ignorieren. Durch das rechtlich fragwürdige und für die wahren Probleme am Schlachtensee völlig ungeeignete Hundeverbot hat die Politik diese extreme Problemlage geschaffen.

Tierische Demonstranten
Vielen Hunden wurden Plakate angeheftet. Dieser hier demonstriert oberflächlich gegen "Ausgrenzung", scheint aber sich aber eher für anderes zu interessieren.Weitere Bilder anzeigen
1 von 13Foto: Gregor Fischer/ DPA
14.05.2015 20:14Vielen Hunden wurden Plakate angeheftet. Dieser hier demonstriert oberflächlich gegen "Ausgrenzung", scheint aber sich aber eher...

Sie sind verpflichtet, sofort für Abhilfe zu sorgen. Lassen Sie bitte Polizei und Ordnungsamt zum Schutz der Hundebesitzer auf dem erlaubten Uferabschnitt patroullieren. Außerdem müssen Sie für eine ausreichende Beschilderung sorgen, damit klar ist, wo das Hundeverbot gilt und wo nicht.

Im Übrigen erwarten wir, dass Sie eine gerichtliche Klärung der Rechtmäßigkeit des Verbots befördern und nicht, wie bisher, behindern. Das Beste wäre, Sie würden das unsinnige Hundeverbot aufheben und durch einen Leinenzwang ersetzen. Sie müssen handeln, oder wollen Sie das Faustrecht in Schlachtensee? Für diesen Fall kündigen wir allerdings an, uns zukünftig gegen Beleidigungen, Drohungen und körperliche Gewalt rechtmäßig zur Wehr zu setzen. (...)

Der Text ist von mehreren Anwohnern unterschrieben, er erscheint auf dem Tagesspiegel-Zehlendorf, dem digitalen Debatten- und Stadtteilportal aus dem Berliner Südwesten.




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