Binnenschifffahrt : Neue Fähre am Tempelhofer Hafen geht in Betrieb

05.07.2012 15:30 Uhrvon
Auf dem Chefposten. Kapitän Andreas Engelland fährt künftig durch den Tempelhofer Hafen: zwischen Ost- und Westmole, montags bis sonnabends von 11 bis 19 Uhr. Die Fahrt ist kurz – und gratis. Foto: Mike Wolff
Auf dem Chefposten. Kapitän Andreas Engelland fährt künftig durch den Tempelhofer Hafen: zwischen Ost- und Westmole, montags bis sonnabends von 11 bis 19 Uhr. Die Fahrt ist kurz –... - Foto: Mike Wolff

Berlin hat eine neue Schiffsverbindung. Sie ist sehr kurz und kostenlos, aber keine Konkurrenz für die etablierten Linien.

Am Ufer steht ein Partyzelt, vor dessen Eingang ein Mann mit Schiffermütze und Halstuch Akkordeon spielt. Auf Stehtischen liegt das Fachmagazin „Binnenschifffahrt“ aus, es gibt Lachsschnittchen, und auf der Mole geht ein richtiger Kapitän mit vier goldenen Streifen auf den Schultern seines grellweißen Hemdes auf und ab. So viel maritimes Flair wie an diesem Mittwoch war selten am Tempelhofer Hafen im Schatten des mächtigen Ullsteinhauses.

Anlass ist die Eröffnung von Berlins neuester Fährverbindung: von der Ostmole zur Westmole mit einem eigens dafür gebauten Katamaranfloß. Das sollen die Manager des Einkaufszentrums Tempelhofer Hafen und die Bezirksstadträtin Sibyll Klotz (Grüne) auf den Namen „Neue Liebe“ taufen.

Weil die Proseccoflasche härter ist als das Alu-Floß, öffnet Klotz den Schraubverschluss und gießt das Ganze aus. Die Ideallösung aus Grünen-Sicht, weil die Flasche nun wieder dem Wertstoffkreislauf zugeführt werden kann und die Enten nicht durch Scherben gefährdet werden. Nun wird es Zeit für die Jungfernfahrt – und die Frage nach dem Ziel dieser Fährverbindung. Im direkten Sinn handelt es sich um die rund 60 Meter entfernte Ost-Mole, auf der die Beach Bar bald Gesellschaft bekommt: Auf beiden Molen sollen nach Auskunft von Hafengeschäftsführer Martin Merkel ab Herbst neue Gastronomiegebäude entstehen, außerdem eine Treppe zum Hafenbecken. Eine Beleuchtung für den Hafen mit seinen denkmalgeschützten Ladekränen von 1908, Infoschilder zur Historie und ein neuer Kleinpflasterweg sind schon fertig. Die kostenlose Fähre ist also Teil eines Gesamtpaketes, um den Standort zu stärken, wie man so sagt. Dem kann es guttun, denn im Vergleich zu anderen Einkaufszentren dümpelt das am Tempelhofer Hafen – trotz der stadtweit konkurrenzlosen Wasserlage.

Auf halber Strecke. So sieht man den Tempelhofer Hafen mit der neuen Fähre vom gegenüber stehenden Ullsteinhaus aus. Foto: promo
Auf halber Strecke. So sieht man den Tempelhofer Hafen mit der neuen Fähre vom gegenüber stehenden Ullsteinhaus aus. - Foto: promo

So ist Andreas Engelland zu seinem neuen Job gekommen. Der Mann mit den vier goldenen Streifen sitzt am Steuer des Floßes und holt zu einer großen Runde durchs Hafenbecken aus. Frischer Fahrtwind lässt die bunten Wimpel am Floßdach flattern, am Heck schnurrt der 8-PS-Außenbordmotor. Abgesehen von einem Fischbrötchenkutter und dem zum Restaurant umfunktionierten Lastkahn „Alte Liebe“ liegen rund zwei Dutzend private Motorboote im Hafen. „Herr Horst“ liegt neben „Insomnia“ und die wiederum neben „Phönix II“. Engelland zieht in großer Kurve achtern vorbei und veredelt die Minitour zu einer richtigen kleinen Dampferfahrt. Hinter ihm fragt die Stadträtin den Center-Geschäftsführer leise: „Ist das wirklich ein richtiger Kapitän?“ Merkel nickt. Na aber.

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