Bitte einer Holocaust-Überlebenden : Wer hat ein Bild von Ruth Nelly Abraham?

Inge Auerbacher überlebte den Holocaust und wanderte in die USA aus. Jetzt schreibt sie dem Tagesspiegel in der Hoffnung, ein Bild eines Mädchens zu finden, mit dem sie in Theresienstadt war und das in Auschwitz ermordet wurde: Ruth Nelly Abraham aus Berlin.

Inge Auerbacher
Inge Auerbacher, Überlebende des Holocaust. Foto: privat
Inge Auerbacher hat die schreckliche Zeit überstanden. Über das Erlebte hat sie mehrere Bücher geschrieben.Foto: privat

Seit Jahren suche ich nach einem Bild des Mädchens, mit dem ich in Theresienstadt in derselben Baracke war. Wir waren gleich alt und sie kam aus Berlin. Sie wurde 1944 nach Auschwitz deportiert kurz vor ihrem zehnten Geburtstag. Ihr Vater hatte eine christliche Mutter und einen jüdischen Vater, aber ihre Mutter war total jüdisch. Ruth wurde dennoch christlich erzogen. Beide unsere Väter waren hochdekorierte, kriegsversehrte Veteranen des Ersten Weltkriegs. Ihr Name war Ruth Nelly Abraham. Die Namen ihrer Eltern waren Herta Michaelis Abraham und Richard Abraham.

Ruth wurde am 4. Oktober 1942 mit ihren Eltern nach Theresienstadt deportiert. Ihre Nummer war I/71---9015. Am 9. Oktober 1944 wurde Ruth nach Auschwitz deportiert. Ihre Nummer war Ep--169. Ihre Adresse in Berlin war die Wallstraße 84 in Mitte.

Ich habe das Haus einige Male besucht. Als ich das letzte Mal da war, sollte das Haus abgerissen werden. Aber es gibt dort drei Stolpersteine für Ruth und ihre Eltern. Es muss jemand für diese Stolpersteine bezahlt haben, vielleicht ein Schulprojekt. Einige christliche Verwandte ihrer Großmutter müssten noch am Leben sein und etwas über die Familie wissen.

Die Stolpersteine für Ruth Nelly Abraham, Herta Abraham und Richard Abraham in der Wallstraße in Berlin-Mitte. Foto: Inge Auerbacher
Die Stolpersteine für Ruth Nelly Abraham, Herta Abraham und Richard Abraham in der Wallstraße in Berlin-Mitte.Foto: Inge Auerbacher

Ruth und ich hatten die gleichen Schildkröt-Puppen. Als sie nach Auschwitz deportiert wurde, gab sie mir Kleidungsstücke ihrer Puppe. Ich habe diese und meine eigene Puppe an das Holocaust-Museum in Washington DC weitergegeben. Sie hat auch ein wunderschönes kleines Buch für ein Kind gemalt. Das Kind hat überlebt. Ihr Vater schrieb Gedichte für das Buch. Dieses kleine Album ist heute im Besitz eines Professors, der in Deutschland lebt - ich kannte seinen Vater aus Theresienstadt sehr gut.

Ein Kleidungsstück ihrer Schildkröt-Puppe, das Ruth Nelly Abraham an Inge Auerbacher weitergegeben hat, als sie nach Auschwitz deportiert wurde. Heute ist es im Besitz des Holocaust-Museums in Washington DC. Foto: Inge Auerbacher
Ein Kleidungsstück ihrer Schildkröt-Puppe, das Ruth Nelly Abraham an Inge Auerbacher weitergegeben hat, als sie nach Auschwitz...Foto: Inge Auerbacher

Ich füge die Bilder der Stolpersteine in Berlin und der Puppenkleidung, die Ruth mir gab, als sie nach Auschwitz deportiert wurde, bei. Ich habe vieles versucht, um ein Bild von Ruth Nelly Abraham zu finden, aber bislang erfolglos. Vielleicht können Sie helfen. Vielen Dank!

Inge Auerbacher wurde als Siebenjährige 1942 nach Theresienstadt deportiert. Sie und ihre Eltern überlebten den Holocaust und wanderten 1946 in die USA aus. 1953 wurde Inge Auerbacher US-amerikanische Staatsbürgerin. 1986 veröffentlichte sie ihre Kindheitserinnerungen unter dem Titel "I Am a Star: Child of the Holocaust", 1990 erschienen sie in deutscher Übersetzung unter dem Titel "Ich bin ein Stern". In englischer Sprache publizierte sie weitere Erinnerungsbücher.

Inge Auerbacher mit ihrer geliebten Schildkröt-Puppe - der gleichen, wie sie Ruth Nelly Abraham besaß. "Ich gab meiner Puppe den Namen Marlene, nach der berühmten Schauspielerin", sagt Inge Auerbacher. Die Puppe befindet sich mittlerweile im Holocaust-Museum in Washington D.C. Foto: privat
Inge Auerbacher mit ihrer geliebten Schildkröt-Puppe - der gleichen, wie sie Ruth Nelly Abraham besaß. "Ich gab meiner Puppe den...Foto: privat
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