Black Box "Kalter Krieg" eröffnet : Ernstfall am Checkpoint Charlie
21.09.2012 00:00 UhrDie schauspielernden US-Soldaten, die Sowjetmenschen in Uniformen, die am Checkpoint Charlie Wache schieben und für ein Foto zwei Euro verlangen, und auch die fliegenden Händler mit Pelzmützen, Sowjetsternen und Gasmasken – sie alle bekommen ab heute eine ernsthafte und ernst zu nehmende Konkurrenz: die Black Box „Kalter Krieg“.
Das schwarze Gebäude wirkt wie ein Würfel, der in das vor 22 Jahren von DDR-Abfertigungsbaracken frei geräumte Gelände geworfen wurde. „Die Black Box ist beim Flugzeug jenes Gerät, das alles aufzeichnet, also ein Kasten, der die Wahrheit der Vorgänge speichert.
So ist das auch hier“, sagt Rainer Klemke von der Senatskulturverwaltung, der sich seit Jahren um die Gedenkstättenlandschaft bemüht. Es ist eine auf 220 Quadratmetern komprimierte kleine Schau für ein großes Thema, eine Art Vorläufer jener geplanten 3000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, die eines Tages in einen Neubau an diesem Ort integriert werden soll.
Gestern, bei der Eröffnung durch den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), war viel von der Authentizität des Ortes die Rede. Hier standen sich am 27. Oktober 1961, zwei Monate nach dem Mauerbau, sowjetische und amerikanische Panzer gefechtsbereit gegenüber, hier durften keine Bewohner der zerrissenen Stadt passieren, sondern ausschließlich Ausländer und Diplomaten. Hier spielten sich Dramen gescheiterter Fluchtversuche – wie der von Peter Fechter – ab, der Checkpoint ist bis heute ein Begriff, wiewohl mit dem Abbau der Kontrollbaracke am 22. Juni 1990 der Kalte Krieg an dieser Stelle geradezu feierlich beendet wurde.
Fotostrecke: Der Checkpoint Charlie in Bildern
Checkpoint Charlie(17 Bilder)
Die Ausstellung mit 500 Exponaten ruft die Zeit des Kalten Krieges von 1948 bis zum Zerreißen des Eisernen Vorhangs Ende der Achtziger in unser Gedächtnis zurück. Für die Älteren wird ein Teppich der Erinnerung ausgebreitet, die Jüngeren staunen, denn „zwei Jahrzehnte nach seinem Ende ist die Bedrohlichkeit des Kalten Krieges ein gerade für die Nicht-Erlebnis-Generation kaum mehr fassbares Phänomen geworden“, sagt Jürgen Reiche, der schon das Konzept für die zeitgerecht-historische Ausstattung des Bahnhofs Brandenburger Tor und der Abfertigungshalle am Bahnhof Friedrichstraße, dem „Tränenpalast“, entworfen hat. Seine Idee: Das Ringen um Demokratie und Freiheit in der Welt in der Kalten-Kriegs-Zeit sichtbar zu machen.







































