Berlin : Blaues Gold und Durst nach Geborgenheit Familiengottesdienst in der Philippuskirche

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Mit einem Text des Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch entließ Pfarrer Jungnickel gestern seine Gemeinde in den Sonntag. Dass der Herr uns zu den Brunnen des Erbarmens führen möge, hieß es darin unter anderen. Wasser war das Thema des Familiengottesdienstes in der Philippuskirche in Schöneberg. „Ich bin die klare Quelle“, sang dazu der Kinderchor voller Hingabe vor der weißen Altarwand in Form eines Zeltecks, hinter dem blaue und grüne Glasmosaiken je nach Sonneneinfall hell oder gedämpft ins Kirchenschiff strahlten. Dort mussten die Gottesdienstbesucher, deren jüngster gestern sechs Wochen jung war und alles verschlief, auch mal längere Zeit stehen zum Beten, Zuhören und Singen. Im Stehen singt es sich besser, erklärte Walter Jungnickel, bevor er wenig später die Kleinen nach draußen zu Wasserspielen schickte und vor den Großen seine Gedanken zum Wasser und zum Kapitel 4 des Johannes-Evangeliums entwickelte. Von Jesus erzählte er, der an Jakobs Brunnen die Frau aus Samarien durchschaute – sprach sie zu ihm doch von Wasser und meinte eigentlich ihren Lebensdurst nach Geborgenheit und Glauben. Diesen Durst konnte Jesus stillen, bot ihr sein lebendiges Wasser, dessen Quelle in das ewige Leben quillt. Menschen, die in ihrem Leben immer nur funktionieren und dabei selbst nie dazukommen, sich zu öffnen, kennen wir auch, sagte der Pfarrer. Es gelte, ihnen Mut zu machen, sich zu befreien, um auch daran glauben zu können, wie es im 23. Psalm heißt: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln, er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zu frischem Wasser.“ Dass es damit in der Realität schon 5 vor 12 ist, sagte der Pfarrer gestern auch und warb für „Blaues Gold“. So heißt das Buch über die bittere Wahrheit, dass alle Wasserquellen der Welt längst aufgeteilt sind. Süßwasserquellen sollten aber keine Ware, sondern ein Menschenrecht werden, sagte Jungnickel – dafür sollten Christen kämpfen. hema

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