Berlin : Blumenbeete statt Hosennähte

Kompromiss gesucht: Die für 2017 auf dem Flughafen Tempelhof geplante Gartenschau überschneidet sich mit der Bread & Butter.

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Jedem seine Nische.
Jedem seine Nische.

Die Hangars leerten sich am frühen Nachmittag, Rollkoffer ratterten Richtung Ausgang, am Taxistand bildeten sich Schlangen. Am Freitag endete die Bread & Butter auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof. Drei Tage lang hatten 600 Aussteller auf 75 000 Quadratmetern ihre neuen Kollektionen vorgestellt. Knapp 100 000 Fachbesucher kamen und informierten sich über die Trends der kommenden Herbst-/Wintersaison – Mode ist ihrer Zeit halt stets einen Tick voraus.

Karl-Heinz Müller, Chef der weltweit größten Messe für Sport- und Streetwear, muss jedoch schon weiter planen als nur bis zum Jahresende. Der Grund: 2017 soll auf dem ehemaligen Flughafengelände zeitgleich mit der Bread & Butter die Internationale Gartenbauausstellung (IGA) stattfinden.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung begründet die Terminüberschneidung von einem Monat mit dem zehnjährigen Mietvertrag, den Karl-Heinz Müller 2009 mit der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) abgeschlossen hat und der ihm zweimal jährlich die Nutzung des Hauptgebäudes und der Hangars gewährt. „Zur Zeit des Vertragsabschlusses war noch nicht klar, dass die IGA 2017 in Berlin stattfindet“, sagt Behördensprecherin Petra Rohland. Die IGA wolle auch Teile des Gebäudes nutzen, allerdings hauptsächlich außerhalb der Zeiten, in denen die Bread & Butter stattfinde. Derzeit werde geprüft, ob dies möglich sei. Die Behörde gehe aber davon aus, „dass es zu einer einvernehmlichen Lösung kommt“.

Karl-Heinz Müller nimmt das Ganze vorerst gelassen. „Wir freuen uns, dass die IGA kommt. Es ist allerdings in der Tat so, dass die Pläne der IGA mit unseren kollidieren.“ Die Haupthalle und die Hangars hat er von Mitte Juni bis Mitte Juli gemietet. Drei Wochen dauert der Aufbau der Messe, eine Woche der Abbau. Während dieser Zeit stünde den IGA-Besuchern die Haupthalle nicht zur Verfügung, sie müssten einen anderen Zugang nehmen. Auch der Rest des Gebäudes wäre für sie unzugänglich: „Jeder Hangar ist belegt, wir sind komplett ausgebucht.“ Man könne dort während der Messe keine Blumenbeete einbeziehen.

Vielleicht überdenkt Müller seine Meinung diesbezüglich noch. Ein paar Pflanzen in den Hallen schaden nicht – schon jetzt schmückte ein Aussteller seinen Stand mit Dutzenden Osterglocken, andere setzten auf kniehohe Kübel mit dekorativen Gräsern oder Trockenblumen. Christoph Schmidt, Geschäftsführer der IGA, kann sich einen Themenhangar in Zusammenarbeit mit der Bread & Butter jedenfalls gut vorstellen – zumal der IGA die Nutzung eines Hangars zugesichert worden ist. Schmidt denkt daher an einen Wettbewerb, bei dem man herausfinden könne, „ob über eine gemeinsame Handschrift etwas Gemeinsames entstehen könnte“.

Was die Doppelnutzung der Haupthalle betrifft, führt die IGA derzeit eine Machbarkeitsstudie durch. Die Idee: Die linke Hälfte der Eingangshalle wird für die betreffenden vier Wochen durch eine Glaswand abgetrennt, die Fensterfront zum Eingangsbereich umfunktioniert. Somit hätte man zwei Haupteingänge und das Geschehen wäre entkoppelt, sagt Christoph Schmidt. Der Umbau sei ohne großen Aufwand möglich. „Dadurch würden wir den Betrieb der Bread & Butter nicht stören.“

Nach Berlin vergeben wurde die IGA im November 2009 von der Deutschen Bundesgartenschau GmbH (DBG), die Hauptstadt stach Mitbewerber Aachen aus. Die DBG verantwortet auch die Bundesgartenschau (Buga). Diese findet im Zweijahresrhythmus in wechselnden deutschen Städten statt – in Berlin gastierte die Buga zum ersten und bislang einzigen Mal 1985 im Britzer Garten. Alle zehn Jahre wird die Buga durch die IGA ersetzt. Zuletzt fand sie 2003 in Rostock statt, die nächste IGA ist für 2013 in Hamburg angesetzt, der Termin in Berlin vier Jahre später ist vorgezogen.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sieht in der Gartenschau 2017 einen Motor zur Entwicklung des Tempelhofer Feldes. Bereits im kommenden Jahr fangen auf dem Rollfeld die Vorbereitungen für die IGA an. Es wird den ersten Spatenstich für den Bau der Parklandschaft geben, in den Randbereichen werden 1800 Bäume gepflanzt. Das Konzept, das im Detail voraussichtlich im März öffentlich präsentiert werden soll, sieht zudem eine Nutzung des Gebäudedaches vor – über Wendeltreppen oder Aufzüge sollen die Besucher nach oben gelangen, dort wird es Cafés und Restaurants geben, auch die Einbeziehung der Türme ist denkbar. „Von vornherein war es Bestandteil des Konzepts, diesen Ort und dieses Gebäude zu transformieren“, sagt IGA-Geschäftsführer Christoph Schmidt.

Erste Annäherungsversuche zwischen der IGA und der Bread & Butter gab es bereits vor kurzem. Im Gespräch habe Karl-Heinz Müller Flexibilität zugesichert, sagt Schmidt. Derzeit prüfe man, ob sich die temporäre Infrastruktur gemeinsam nutzen ließe. Eine Lösung, die beide Seiten zufriedenstellt, ist unumgänglich – für die IGA gibt es zum Standort Tempelhof keine Alternative. Und auch Karl-Heinz Müller gibt sich zuversichtlich, was einen Kompromiss betrifft: „Ich bin mir sicher, dass wir mit dem Senat eine vernünftige Lösung finden.“ Fünf Jahre sind dafür noch Zeit.

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