Born to be wild in Brandenburg : Polizei gibt Suche nach Känguru auf

Seit sechs Wochen ist ein Känguru in der brandenburgischen Wildnis unterwegs, nachdem es aus einen Privatgehege in Derwitz entwischt war. Es wurde gesichtet, entfloh aber erneut. Nun ist es die Polizei leid, einem Känguru hinterher zu jagen.

Ich bin dann mal weg. Das aus einem kleinen Derwitzer Privatzoo entflohene Känguruweibchen „Zippe“ hatte erst unlängst ein Jungtier geworfen.
Ich bin dann mal weg. Das aus einem kleinen Derwitzer Privatzoo entflohene Känguruweibchen „Zippe“ hatte erst unlängst ein...Foto: Manfred Thomas

Das im November ausgebüxte Känguru findet anscheinend Gefallen an seiner Freiheit: Zum zweiten Mal ist es seinem Halter entwischt. Ein Erfolg der Polizei am Wochenende währte damit nur kurz. Womöglich wird es nun länger dauern, bis das Känguru in sein Zuhause in Derwitz bei einem Hobbyhalter zurückkehrt. Großangelegte Suchaktionen sind von Polizei und Ordnungsamt nicht mehr vorgesehen, wie es am Montag hieß.
Die Polizei begründet das damit, dass von dem Tier keine Gefahr ausgehe. Beim Ordnungsamt der Stadt Werder sieht man die Verpflichtung zur Suche in erster Linie bei dem Halter. Zwar hielten Streifen des Ordnungsamtes und die Jäger nach dem Känguru Ausschau, so die Leiterin des Ordnungsamtes, Ulrike Paniccia. Eine Verstärkung sei aber nicht vorgesehen.

Sechs Wochen lang fehlte jede Spur

Am Wochenende hatten Polizisten das ausgerissene Känguru aufgespürt: Es tauchte in der Nacht zum Samstag vor einem Streifenwagen bei Werder auf. Anschließend wurde es auf einem Firmengelände eingesperrt. Als die Besitzer das Tier am Sonntagmorgen mitnehmen wollten, entwischte es wieder. Davor hatte sechs Wochen lang jede Spur von ihm gefehlt.
Nach Ansicht von Michael Breuer von der Tierrettung Potsdam hat das Känguru auch im Winter gute Überlebenschancen. Gefahr drohe vom Straßenverkehr. Doch offenbar habe es einen sicheren Aufenthaltsplatz in der Nähe seiner früheren Heimat gefunden, meint Breuer. Er bot gestern beim Einfangen des Tiers erneut seine Hilfe an. Ohne Betäubungsgewehr und mehrere Helfer, glaubt er, werde es schwer, das flüchtige Tier zu bekommen.
Die Polizei hatte nach dem Fund auch die Potsdamer Tierrettung informiert, doch deren Hilfe wurde vom Halter ausgeschlagen. „Wir werden uns nicht aufdrängeln“, so Breuer.

Doch die Tierrettung habe Erfahrungen beim Einfangen von Tieren, auch von Exoten. Im September vorigen Jahres etwa wurde eine Boa Constrictor am Potsdamer Schlaatz eingefangen, im Juni eine Florida-Rotbauchschildkröte in Kleinmachnow. Immer wieder werde man gerufen, wenn verletzte Vögel oder Wildtiere gefunden werden oder eine überfahrene Wildsau ihre Frischlinge hinterlässt. „Wir haben ein Einsatzfahrzeug mit Keschern und Netzen und direkten Kontakt zu Tierpflegern, Tierärzten und Fachleuten“, sagt Breuer.

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Das Bennett-Känguru sei klein, aber robust und ernähre sich ähnlich wie ein Reh. Das Beuteltier lebt im südlichen Australien und Tasmanien, sein Lebensraum ist die Busch- und Baumsteppe. Es ernährt sich von Gräsern, Laub und Blättern, in Zoohaltung auch von Obst und Gemüse, wie es aus dem Rostocker Zoo heißt. Dort werden Bennett-Kängurus im Freiland gehalten. Bei Gefahr beschleunigen die eher nachtaktiven Tiere auf 50 Stundenkilometer und hüpfen Verfolgern mit zwölf Meter langen Sätzen davon.

Das Känguru ist klein aber robust

Die muskulösen Hinterbeine katapultieren den Körper vorwärts. Die kurzen Vorderbeine und der Schwanz dienen dem Vegetarier zum Greifen und Abstützen. Eine Anfrage der CDU-Abgeordneten Barbara Richstein im Landtag ergab, dass in Brandenburg 17 894 exotische Tiere bei 6620 Haltern und Züchtern leben. Allerdings müssen nur geschützte Arten gemeldet werden.

In Potsdam sind 569 solcher Exoten gemeldet, in Potsdam-Mittelmark 1686. Selbst gefährliche Arten wie Giftschlangen und Krokodile dürfen in der Mark artgerecht gehalten werden, ohne die Behörden zu informieren. In einigen Bundesländern wie Berlin und Hessen bestehen für solche Tiere Meldepflichten. Das Bennett-Känguru ist außen vor, es ist nicht geschützt und gilt auch nicht als gefährlich.

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