"Boulevard der Stars" am Potsdamer Platz : Der Schandfleck mitten in Berlin

Statt der erhofften Attraktion ist der „Boulevard der Stars“ heute ein beschmiertes Stück Mittelstreifen am Potsdamer Platz. Zeit, ihn platt zu machen – und sich von der Berliner Neigung zur Vermessenheit zu verabschieden.

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Walk of Shame?
Walk of Shame?Foto: Mike Wolff

Erstaunlich, wer hier alles geehrt wird: Hildegard Knef, Wim Wenders und Mario Adorf haben dem deutschen Film zweifellos große Dienste erwiesen, klar, dass sie vertreten sind auf dem „Boulevard der Stars“. Aber wer sind Brigitte, Verena und Patrick? Kennt einer Pomo, Mawa, Gilan und Bibi, Jessi, Olli oder Mops Nika Sie alle haben ihr eigenes Denkmal auf dem Mittelstreifen am Potsdamer Platz. Zugegeben, manche Sterne sind offensichtlich nicht aus Bronze, sondern wurden mit Edding auf den Boden geschmiert. Doch niemanden scheint das zu stören, und im Grunde fallen sie auch gar nicht auf zwischen den Kaugummiflecken, Fahrradbremsspuren, Zigarettenstummeln und dem übrigen Dreck.

Er sollte ein künstlerisch anspruchsvolles Monument werden, dieser „Boulevard der Stars“. Eine Touristen-Attraktion, quasi Berlins Pendant zum „Walk of Fame“, dem 18 Häuserblöcke langen Gehsteig in Hollywood, auf dem, von Marilyn Monroe bis Steven Spielberg, allen Größen der US-Filmindustrie gedacht wird. Der Berliner Boulevard sollte signalisieren: Ja, wir haben auch Glamour zu bieten, und den können wir auch herzeigen!

Drei Jahre nach Grundsteinlegung muss leider auch der wohlwollendste Flaneur zugeben: Der „Boulevard der Stars“ ist ein Panoptikum der Schäbigkeit. Ein unansehnliches, ungepflegtes Stück Mittelstreifen, das man freiwillig nur betritt, um schnell auf die andere Straßenseite zu gelangen. Wenn dieser Boulevard Werbung ist, dann bloß für konkurrierende Filmstandorte.

Boulevard der Stars am Potsdamer Platz
Am 1. August 2013 ist Regisseur Artur "Atze" Brauner 95 Jahre geworden. Hier steht er mit seiner Frau Maria auf dem Boulevard der Stars am Potsdamer Platz bei der Eröffnung von 2010.Weitere Bilder anzeigen
1 von 34Foto: dpa
08.08.2013 15:51Am 1. August 2013 ist Regisseur Artur "Atze" Brauner 95 Jahre geworden. Hier steht er mit seiner Frau Maria auf dem Boulevard der...

Auf der Erklärtafel am westlichen Ende klebt Vogelkot. Die Plakette des Sponsors Vattenfall hat Blasen und wirkt so schmuddelig wie die Wand einer wirklich übel zugerichteten Bahnhofstoilette. Viele Bronzesterne – und jetzt mal die echten – sind zerkratzt. Der von Til Schweiger sieht aus, als habe einer flüssigen Teer drübergeschüttet.

Der Stern für Klaus Kinski bleibt.
Der Stern für Klaus Kinski bleibt.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Wie so oft in dieser Stadt kann man sagen: Die Idee war gut. Oder jedenfalls nachvollziehbar. Berlin ist Metropole, und zwar eine, die sich am liebsten mit den ganz großen Weltstädten vergleicht. Da macht sich ein Walk of Fame prima – genau wie das jedes Jahr wiederkehrende Märchen, Berlin feiere die größte Silvester-Party der Welt.

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