• Brand in Flüchtlingsheim in Berlin-Lichterfelde: Nachlöscharbeiten beendet - Scheeres bei den Opfern
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Brand in Flüchtlingsheim in Berlin-Lichterfelde : Nachlöscharbeiten beendet - Scheeres bei den Opfern

Am Mittwochmorgen musste die Feuerwehr mehrere Glutnester im Dachstuhl des ausgebrannten Flüchtlingsheime in der Wupperstraße löschen. Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD) besuchte die Opfer des Brandes.

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Feuerwehrleute ruhen sich Dienstagabend vom Einsatz am Flüchtlingsheim aus.
Feuerwehrleute ruhen sich Dienstagabend vom Einsatz am Flüchtlingsheim aus.Foto: Gregor Fischer/dpa

Der Großbrand in der Erstaufnahmestelle für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in der Wupperstraße in Lichterfelde beschäftigte die Feuerwehr bis in den späten Mittwochnachmittag. Nach Angaben einer Sprecherin wurden immer wieder Glutnester im ausgebrannten Dachstuhl des Gebäudes entdeckt. "Wir mussten gegen 6 Uhr und gegen 10 Uhr zu Nachlöscharbeiten ausrücken", so die Sprecherin.

Nach Angaben der Polizei musste die Wupperstraße zwischen 6 Uhr und 9.45 Uhr gesperrt werden. Gegen 13 Uhr wurde abermals geprüft, ob noch Glutnester vorhanden. Nach Angaben eines Feuerwehrsprechers wurden bei dieser Überprüfung keine Brandherde mehr entdeckt; eine weitere Kontrolle um 16 Uhr habe das gleiche Ergebnis gebracht. Damit war die Feuerwehr fast einen Tag mit den Lösch- und Nachlöscharbeiten (der sogenannten "Brandwache") beschäftigt.

Bereits seit Mittwochmittag sind die Ermittler eines Brandkommissariats in der Wupperstraße vor Ort. Ihre Aufgabe ist, die Ursache für das verheerende Feuer herauszufinden. Nach Angaben eines Sprechers könne dies einige Zeit in Anspruch nehmen. Nach wie vor gibt es keine Hinweise auf Brandstiftung.

Opfer verbrachten die Nacht in Notunterkünften

Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD) war nach Auskunft ihres Sprechers am Mittwochvormittag bei den betroffenen Flüchtlingen. Die 60 Kinder und Jugendlichen - 40 Teenager und zwanzig Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren aus Syrien, Somalia, Westafrika und dem russischen Raum - hätten die Nacht in einem Hostel verbracht. "Wir prüfen, ob sie mittelfristig dort bleiben können", so der Sprecher.

Neben den Flüchtlingen mussten auch 38 Obdachlose, die in der Wupperstraße untergebracht waren, aus der Einrichtung evakuiert werden. Sie werden vom Deutschen Roten Kreuz betreut. "Die Betroffenen haben die Nacht auf Feldbetten in einer Notunterkunft in der Berlepschstraße verbracht", sagte ein Sprecher, "momentan suchen wir nach einer anderen Unterkunft." Ein Arzt und ein Kriseninterventionsteam seien vor Ort gewesen, warmes Essen und neue Kleidung aus der DRK-eigenen Kleiderkammer sei ausgegeben worden.

Scheeres: "Wir stehen in der Verantwortung"

Laut Senatsjugendverwaltung werden die Opfer des Brandes psychologisch und pädagogisch betreut. "Viele sind durch Krieg und Flucht traumatisiert und haben nun schon wieder einen sicheren Ort verloren", sagte der Sprecher. Da viele in den Flammen sämtliche Besitztümer verloren hätten, müsse nun für neue Kleidung und andere Dinge des täglichen Bedarfs gesorgt werden.

Am Mittwochmittag fuhr die Senatorin persönlich in die Wupperstraße, um sich ein Bild der Lage zu machen. Scheeres sprach von einem "Totalschaden" am Gebäude, es sei nicht wieder herzurichten. "Wir müssen neue Räumlichkeiten für den Träger finden", so Scheeres. Die Erstaufnahmestelle betreut unbegleitete minderjährige Flüchtlinge für die ersten drei Monate nach ihrer Ankunft in Berlin, anschließend werden sie anderen Einrichtungen zugewiesen.

Zumindest den jüngsten Opfern blieb es nach Auskunft der Senatorin erspart, den Brand direkt mitzuerleben. "Sie waren auf einem Ausflug und wurden direkt ins Hostel gebracht", so Scheeres. Nun müsse eine "kontinuierliche Übergangslösung" gefunden werden. "Wir stehen in der Verantwortung und sind da dran. Wir können den Kindern nicht zumuten, alle paar Tage die Einrichtung zu wechseln", sagte die Senatorin.

Nicht nur Kleidung und persönliche Erinnerungsstücke, sondern auch amtliche Dokumente und Mobiltelefone mussten in dem brennenden Gebäude zurückgelassen werden. "Für viele waren die Geräte die einzige Möglichkeit, den Kontakt zur Verwandten zu halten", sagte Scheeres. Insgesamt, so die Senatorin, sei die Rettungsaktion aber gut gelaufen: "Keinem ist was passiert, alle Beteiligten haben professionell reagiert. Dafür möchte ich mich bedanken."

Dachstuhl brannte auf 700 Quadratmetern

In einem Zimmer im ersten Stock des auch von Flüchtlingen genutzten dreistöckigen Wohnheims war am Dienstagnachmittag gegen 17.15 Uhr ein Feuer ausgebrochen. "Durch Flammenüberschlag an der Fassade kam es zu einer Brandausbreitung auf das Dach des gesamten Gebäudeteils", hatte die Feuerwehr mitgeteilt. 700 Quadratmeter Dachstuhl hätten in Flammen gestanden, das Feuer griff auch auf das dritte Stockwerk über. Das Dach stürzte auf einer Fläche von 200 Quadratmetern ein.

Mehr als 100 Feuerwehrleute waren mit zwölf Löschfahrzeugen im Einsatz. Die Brandbekämpfung sei durch das eingestürzte Dach "schwierig" gewesen, wie die Feuerwehr mitteilte. Zwei Personen seien mit so genannten "Fluchthauben" aus dem brennenden Gebäude gerettet worden. Nach Angaben der Feuerwehr wurden vier Personen vor Ort ambulant behandelt, zwei von ihnen wurden später wegen des Verdachts auf Rauchgasvergiftung zur Beobachtung ins Krankenhaus gebracht.

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