Brandenburg : Rechte machen Stimmung gegen Flüchtlingsheim

Nicht nur in Berlin-Hellersdorf gibt es Proteste gegen Flüchtlingsheime. In Pätz bei Königs Wusterhausen machen die Rechtsextremen massiv Stimmung gegen eine geplante Unterkunft für 150 Asylbewerber und erhalten Zustimmung von großen Teilen der Bevölkerung..

Lukas Berg
In Pätz bei Königs Wusterhausen demonstrieren Rechte gegen ein geplantes Flüchtlingsheim.
In Pätz bei Königs Wusterhausen demonstrieren Rechte gegen ein geplantes Flüchtlingsheim.Foto: dpa

Auch in Brandenburg machen Rechtsextreme immer stärker Stimmung gegen Flüchtlinge und neue Asylbewerberheime – und in der Bevölkerung kommt das ähnlich wie jüngst in Hellersdorf teilweise durchaus an. So wie jetzt in Pätz, einem kleinen Dorf bei Königs Wusterhausen. Dort soll ein Heim für 150 Flüchtlinge eingerichtet werden. Die Stimmung ist dort eher feindlich, im Gegensatz etwa zur Landeshauptstadt Potsdam, wo Flüchtlinge gerade in Wohnungen mitten in der Stadt untergebracht werden, nach anfänglichen Bedenken akzeptiert von den Anwohnern.

In Pätz machen Bürger Stimmung gegen Asylbewerberheim

Bei einer Informationsversammlung in Pätz am Donnerstagabend herrschte dagegen gereizte Stimmung. Die Hälfte der rund 150 Bürger reagierte zustimmend auf fremdenfeindliche Rufe. Wie den eines jungen Mannes in einem T-Shirt mit der Aufschrift „Weltmeister 1945“. Er rief, dass das Asylbewerberheim besser in Hoyerswerda und Rostock aufgehoben wäre. Damit spielte er auf die Ausschreitungen gegen dortige Flüchtlingsheime in den 1990er-Jahren an.

Protest und Gegen-Demo in Hellersdorf
Bewohner des Hausprojektes "Liebig 34" stehen vermummt oder mit Affenmasken während einer Gegendemonstration zu einer Kundgebung der rechtspopulistischen Vereinigung "Pro Deutschland" in Berlin auf einem Balkon in der Liebigstraße.Weitere Bilder anzeigen
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21.08.2013 19:24Bewohner des Hausprojektes "Liebig 34" stehen vermummt oder mit Affenmasken während einer Gegendemonstration zu einer Kundgebung...

Als der Bürgermeister gefragt wurde, wie lange die Flüchtlinge bleiben, rief ein Rechter: „Bis es wieder brennt.“ Ein anderer setzte hinzu, man könne ja nach Berlin-Kreuzberg fahren, wenn man „Kanacken sehen will“. Eine Schulleiterin sagte, ihre Einrichtung sei gar nicht auf die Kinder der Flüchtlinge vorbereitet. Auch in Pätz gab es allerdings auch viele, vor allem ältere Einwohner, die zustimmend nickten, als der Bürgermeister sagte, man müsse den Flüchtlingen helfen.

Die Polizei sicherte die Veranstaltung weiträumig ab. Die NPD und andere rechte Gruppen hatten aufgerufen, nach Pätz zu kommen. Schon im Vorfeld hatte es Schmierereien gegeben, beim Netzwerk Facebook formierte sich eine Initiative „Nein zum Heim in Pätz“. „Die Heime werden noch brennen, und ich hoffe, das passiert noch bevor das nächste geöffnet wird“, hieß es in einem Kommentar.

Rechtsextreme Strukturen in Königs-Wusterhausen

Um Königs Wusterhausen gab es bereits in den 1990er-Jahren starke rechtsextremistische Strukturen. Im nur 15 Kilometer von Pätz entfernten Dolgenbrodt hatten rechte Täter 1992 ein Asylbewerberheim in Brand gesetzt – genau am Tag vor dem Einzug der Flüchtlinge. Besonders erschreckend war, dass die Brandstifter für ihre Tat bezahlt wurden – von Anwohnern aus Dolgenbrodt. Die Sicherheitsbehörden haben deshalb die Lage in Putz genau im Blick. Es gab strenge Einlasskontrollen, nur Einwohner erhielten Zutritt. Auf dem Parkplatz hielt parallel die Nachwuchsorganisation der NPD, die JN, eine Kundgebung mit 80 Leuten ab, an der Demo für die Flüchtlinge von der örtlichen SPD beteiligten sich 30 Menschen.

Pätz ist kein Einzelfall. In den letzten Monaten gab es in mehreren Orten Brandenburgs Proteste und Brandanschläge gegen Flüchtlingsheime, die aber scheiterten. (mit axf und thm)

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