Berlin : Bürger sollen die S-Bahn in Fahrt bringen

Initiative sammelt Unterschriften für ein Volksbegehren. Sie will die Qualität des Angebots verbessern

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Weichenstellung. Die Initiative S-Bahn-Tisch begann am Freitag, am S-Bahnhof Warschauer Straße Unterschriften zu sammeln. Sie will mit einem Volksbegehren erreichen, dass künftig mehr Züge fahren und wieder Personal für die Bahnhöfe eingestellt wird. Foto: Ecopix
Weichenstellung. Die Initiative S-Bahn-Tisch begann am Freitag, am S-Bahnhof Warschauer Straße Unterschriften zu sammeln. Sie will...Foto: ecopix Fotoagentur

Berlin - Die S-Bahn soll zuverlässiger, sicherer und kundenfreundlicher werden – und sie soll bezahlbar bleiben. Mit diesen Forderungen hat am Freitag der S-Bahn-Tisch Berlin die Unterschriftensammlung für das Volksbegehren „Rettet unsere S-Bahn“ gestartet. Dass ausgerechnet in der Nacht zu gestern der Betrieb auf der Linie S2 unterbrochen werden musste, weil das Stellwerk Lichtenrade nicht besetzt war, werteten die Initiatoren als Omen für die andauernden Probleme bei dem Verkehrsunternehmen.

Der Ausfall hatte persönliche Gründe. Nach Angaben einer Bahnsprecherin hatte sich der einzige Mitarbeiter im Stellwerk um 3.50 Uhr krank gemeldet, worauf der Zugverkehr zwischen Mahlow und Marienfelde eingestellt werden musste. Ab 4.25 Uhr standen Ersatzbusse zur Verfügung und dank vorgezogenem Dienstbeginn der Frühschicht lief der Betrieb ab 5.10 Uhr wieder normal.

Damit es künftig wieder besser läuft, fordern die Initiatoren ein Gesetz zur Beendigung des Chaos. Am S-Bahn-Tisch hat sich eine bunte Gemeinschaft zusammengefunden, deren Unterstützer von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG über den Fahrgastverband Pro Bahn und das Bündnis „Bahn für Alle“ bis hin zur IG Nahverkehr der Linkspartei, der Piratenpartei und der DKP reichen.

Im Gesetzesentwurf wird unter anderem verlangt, dass die Verkehrsverträge zwischen dem Land Berlin und der S-Bahn öffentlich gemacht werden. Zukünftig soll es wieder an allen Stationen Aufsichtspersonal und an jedem Umsteigebahnhof wieder einen Fahrkartenschalter geben. Die Zahl der im Einsatz befindlichen Wagen wollen die Betreiber des Volksbegehrens mindestens wieder auf das Niveau von 2005 erhöhen und eine 20-prozentige Reserve gewährleisten.

Auch nach dem Ende des jetzigen Verkehrsvertrags im Jahr 2017 müsse die S-Bahn in Berlin fahren, „doch keiner sagt wie“, kritisierte EVP-Sekretär Jörg Kronberg. Es handele sich um ein auf „das Gemeinwohl orientiertes Unternehmen, dessen Aufgabe es sei, Personen zu befördern und nicht Gewinne zu erwirtschaften“, sagte Rouzbeh Taheri, Sprecher des S-Bahn-Tischs. Diese dürften nicht abgeführt, sondern müssten reinvestiert werden. Eine Teilausschreibung von Linien lehnt man ebenso ab wie eine Privatisierung. Ein dauerhaftes Aufsichtsgremium soll die öffentliche Kontrolle der S-Bahn sicherstellen. Als Sofortmaßnahme wird ferner die Einführung eines Sozialtickets für 18 Euro im Monat gefordert.

Allein für die Bahnhofsaufsicht sollen 700 neue Mitarbeiter eingestellt werden, fordern die Initiatoren. Die gleiche Zahl sei in der Vergangenheit abgebaut worden. Rund 22 Millionen Euro aus Bundesmitteln setze der Senat seitdem für andere Zwecke ein, so Taheri. Wenn dieses Geld wieder der S-Bahn zufließen würden, sei rund die Hälfte der Kosten aus den Forderungen des Volksbegehrens gedeckt. Deren Umsetzung würde nach amtlicher Schätzung jährlich 46,9 Millionen Euro kosten, ab 2018 dann 40,1 Millionen.

Sechs Monate Zeit haben die Initiatoren, um die rund 20 000 Unterschriften für die Zulassung des Volksbegehrens zusammenzubekommen. Man ist zuversichtlich, das weit vor Ablauf der Frist zu erreichen. Im eigentlichen Volksbegehren müssten dann etwa 170 000 Berliner die Forderungen unterstützen.

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