Bürgerinitiative : Kein „Designerpark“ für Tempelhofer Flugfeld

Hermann Barges, Chef einer Tempelhofer Bürgerinitiative, sträubt sich gegen die Entwicklungspläne für das Tempelhofer Feld. Er will die bestehende Natur erhalten und fürchtet einen „Designerpark“ – sowie Folgen für das angrenzende Schillerkiez.

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Feldherr. Hermann Barges ist Anhänger freier Flugbahnen und Sichtachsen. Einen Park anzulegen, hält der Landschaftsplaner für reine Geldverschwendung.
Feldherr. Hermann Barges ist Anhänger freier Flugbahnen und Sichtachsen. Einen Park anzulegen, hält der Landschaftsplaner für...Foto: Mike Wolff

Rund 80 000 Menschen kamen am Sonntag auf das Tempelhofer Feld, um zu surfen, zu grillen oder spazieren zu gehen. Hermann Barges ist eher kontemplativer Gemütsmensch als Freizeitaktiver, deshalb schaut er gerne zu, wenn die Menschen das Weite suchen. „Ich beobachte die Leute, wenn sie mit versteinerten Gesichtern ankommen und sich dann langsam ihre Züge entspannen.“ Das ist wohl die beste Erklärung, warum ein Landschaftsplaner die Landschaft mal ausnahmsweise nicht verplanen will.

Barges, 62, ist Vorsitzender des Vereins „100 Prozent Tempelhofer Feld“, freier Landschaftsplaner und Neuköllner. In den 90er Jahren habe er ein Gutachten über den Flugplatz als Kaltluftentstehungsgebiet verfasst, erzählt er. Mit dem Flughafengelände beschäftige er sich schon seit Jahrzehnten. Für Barges sind die Flughafenwiesen „Deutschlands letzte große Allmende“, seit 800 Jahren ohne Bebauung. Dieser ökologische Schatz dürfe nicht einfach aufgegeben werden. Die Weite des Feldes sei zugleich sein „unique selling point“, also ein weiterer Grund für Touristen und Kreative, nach Berlin zu kommen. Außerdem müsse verhindert werden, dass „150 Millionen Euro für einen Designerpark und seine Erschließung“ ausgegeben werden, Geld, das für die Sanierung des Flughafengebäudes gebraucht werde. Die Hauptforderung des Vereins ist, das Gelände unter Landschaftsschutz zu stellen. Von seinen Kollegen, die von der Grünflächenplanung leben, werde er wegen seiner Position nicht angefeindet. Vielleicht liegt es daran, dass Barges schon lange im Geschäft ist und als anerkannter Ökologe gilt. 1967 fing er mit einer Gärtnerlehre an, arbeitete in verschiedenen Berliner Bezirksämtern und begann zu studieren. In den 80er Jahren war er Berater der Internationalen Bauausstellung (IBA), zuständig für Hof-, Fassaden- und Dachbegrünung.

Der Verein „100 Prozent Tempelhofer Feld“ versteht sich vor allem als Umweltinitiative. Die rund 15 Mitstreiter wollen ein Volksbegehren anschieben, um die Senatspläne zu stoppen. Zweimal im Monat tagt das Vereinsplenum, streng nach Tagesordnung. Barges schart gestandene Bürger um sich, Juristen, Geografen, Verwaltungsleute und Ingenieure, die sich um ihre Stadt sorgen. Mit linksautonomen Farbbeutelwerfern haben sie nichts gemein.

Einer der Aktiven ist Michael Schneidewind von den Neuköllner Grünen. Der Stadtplaner interessiert sich für das Thema „Soziale Stadt im Klimawandel“. Unterstützer gebe es aber auch bei den Piraten, bei SPD und CDU, sagt Barges. Der Verein unterhält eine „intensive Zusammenarbeit“ mit linken Gruppen, die gegen Gentrifizierung und Mietsteigerungen kämpfen, wie die Neuköllner Stadtteilinitiative. Ihnen missfällt vor allem die geplante Bebauung im Ostteil des Flugfeldes. Die Neubauten würden ein zahlungskräftiges Publikum anlocken, das den angrenzenden Schillerkiez für Investoren ebenfalls interessanter machen würde. Traditionell leben dort viele Geringverdiener und Sozialhilfeempfänger.

Die Initiative „Tempelhof24“ kämpft auch gegen die Parkgestaltung, rekrutiert sich aber eher aus den westlich gelegenen Tempelhofer Kiezen. Viele Mitglieder haben bis 2008 gegen die Schließung des Flughafens Tempelhof opponiert und engagieren sich jetzt für die Unterschutzstellung von Flugfeld und Gebäude als Weltkulturerbe. Das Fernziel ist die Wiederaufnahme des Flugbetriebs, als City-Airport für Geschäftsleute.

Am 23. September plant die 100-Prozent-Tempelhof-Initiative eine „Auftaktdemo“ zum Start der Unterschriftensammlung für ein Volksbegehren. Bei der Demo soll auch die Senatspolitik im Bereich Bauen und Wohnen zur Diskussion gestellt werden.

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