BUND-Analyse : Berlin ist fahrradfreundlicher geworden

Bei der Präsentation eines neuen Radler-Stadtplans lobt der Umweltverband die Fortschritte in der Verkehrspolitik. Außerdem setzt er auf Anregungen von Bürgern.

Rad und Tat. Langsam, aber stetig wächst das Netz der fahrradfreundlichen Routen durch Berlin. Das Wetter legt allerdings die Nutzung anderer Verkehrsmittel nahe.
Rad und Tat. Langsam, aber stetig wächst das Netz der fahrradfreundlichen Routen durch Berlin. Das Wetter legt allerdings die...Foto: dpa

Berlin ist deutlich fahrradfreundlicher geworden. Nicht akut wettermäßig, aber im Zehnjahresvergleich. Diese Diagnose stellte am Dienstag Tilo Schütz, Fahrradexperte des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND). Der studierte Stadtplaner hat für die jetzt erschienene dritte Auflage des BUND-Fahrradstadtplans (7,90 Euro) praktisch das gesamte Berliner Straßennetz abgeradelt und festgestellt, „dass sich aus einem Flickenteppich ein Netz entwickelt“. Hauptbestandteil seien die zumeist auf größeren Straßen markierten Streifen.

„Aber die Verhältnisse sind von Stadtteil zu Stadtteil sehr unterschiedlich“, sagt Schütz. Nach seiner Beobachtung fehlen vor allem den Außenbezirken komfortabel erreichbare Stadtteilzentren und sichere Abstellplätze speziell an S-Bahnhöfen. Zwar habe die Bahn viel getan, aber ein Großteil der Plätze sei nicht überdacht, und ohne – in anderen Städten längst übliche – sichere Abstellboxen zum Mieten bleibe das Diebstahlrisiko hoch und befördere den Trend, teure Räder lieber in die S-Bahn zu quetschen, statt sie am Bahnhof zu lassen.

Abgefahren - Ihre unbeliebtesten Radstrecken
Elsenstraße in Treptow. Hier ist der Radweg benutzungspflichtig, doch am 13. Februar 2018 leider eine Eispiste.Weitere Bilder anzeigen
1 von 527Foto: Falk Bolde
16.02.2018 10:37Elsenstraße in Treptow. Hier ist der Radweg benutzungspflichtig, doch am 13. Februar 2018 leider eine Eispiste.

Als besonders schlechte Beispiele zeichnen sich nach Beobachtung des BUND die Bahnhöfe Warschauer Straße und Ostkreuz ab, bei deren Umbau die Bahn trotz mehrfacher Bemühungen des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg keine ausreichend dimensionierten Parkflächen für Fahrräder einplane.

„Radschnellwege“ auf separaten Trassen hält der Experte für utopisch. Machbar sei stattdessen ein Netz vorfahrtberechtigter Strecken, etwa entlang der schon beschilderten Radialrouten im Nebenstraßennetz. Diese seien auch besser als kombinierte Bus- und Fahrradspuren, deren ungleiche Nutzer sich „unentwegt gegenseitig“ überholen.

Ideen will der BUND auch bei Kiezkennern sammeln: Auf der Fahrradmesse Velo-Berlin an diesem Wochenende werde man Vorschläge sammeln und an die „Fahrräte“ in den Bezirken weiterreichen.

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