BVG-Chefin im Interview : „Wir haben manchmal zu viele Fahrgäste“

Sigrid Nikutta ist die Chefin der BVG. Hier spricht sie über Schwarzfahrer, neue U-Bahnstrecken und überfüllte Linien. Und über ein Angebot an die 13.000 Mitarbeiter.

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Sie hat hier das Sagen. Sigrid Evelyn Nikutta, BVG-Chefin. Ihr Betrieb in Zahlen: 1340 U-Bahnwagen ...Alle Bilder anzeigen
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13.09.2013 08:26Sie hat hier das Sagen. Sigrid Evelyn Nikutta, BVG-Chefin. Ihr Betrieb in Zahlen: 1340 U-Bahnwagen ...

Frau Nikutta, sind Sie schon mal schwarz mit Bahnen oder Bussen gefahren?

Nein, noch nie. Nicht Mal als Studentin. Ich war auch damals schon der Meinung, dass es selbstverständlich ist, für eine Leistung, die man in Anspruch nimmt, auch zu zahlen. Alles andere ist nicht nur unmoralisch, sondern ist, wie bei Schwarzfahren eben auch, eine Straftat.

Wie hoch ist denn derzeit der Anteil der Schwarzfahrer?

Ach wissen Sie, detaillierte Angaben auf die Kommastelle genau zu machen, ist schwierig. Wer viel kontrolliert, erwischt auch viele Schwarzfahrer. Und wer nichts unternimmt, hat offiziell auch keine Schwarzfahrer. Wir nehmen an, dass es bei uns so um die vier Prozent sind. Und dagegen gehen wir vor. Wir erhöhen unsere Kontrolldichte ganz deutlich – auch zu Uhrzeiten, zu denen es eher nicht vermutet wird. Neben den Dienstleistern, die hier für die BVG tätig sind, haben wir gerade im Oktober nochmal 20 zusätzliche Kontrolleure intern eingestellt. Die nun auch wieder in Zivil kontrollieren.

Sie selbst hatten ja veranlasst, dass die Kontrolleure in Dienstkleidung erscheinen. War dies ein Fehler?

Das war der Versuch, den Fahrgästen zu zeigen, dass wir präsent sind. Das funktioniert auch sehr gut. Leider haben einige Schwarzfahrer das deutliche Erkennen der Kontrolleure aber auch genutzt, rechtzeitig das Weite zu suchen. Deshalb kontrollieren wir zum Teil wieder in Zivil.

Berlin, deine BVG - jetzt auch mit neuer U-Bahn
Fast 11.000 Mitarbeiter hat die BVG. Sie fahren uns ins Büro, nach Hause, zur Schule und oft auch zur Party. Wird mal Zeit, Danke zu sagen, oder?Weitere Bilder anzeigen
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20.02.2015 11:17Fast 11.000 Mitarbeiter hat die BVG. Sie fahren uns ins Büro, nach Hause, zur Schule und oft auch zur Party. Wird mal Zeit, Danke...

Das könnten Sie sich alles sparen, wenn die Fahrten gratis wären, wie es jetzt erneut die Grünen gefordert haben.

Bleibt die Frage, wer dann zahlt. Öffentlicher Nahverkehr ist eine Leistung, an der hier in Berlin viele tausend Menschen arbeiten. Er benötigt eine gut funktionierende Infrastruktur, die saniert, modernisiert und den Bedürfnissen der Stadt angepasst werden muss und er benötigt Fahrzeuge. Von all denen, die Gratisfahrten fordern, wurde noch kein dauerhaftes Konzept vorgelegt, wie dies finanziert werden soll und vor allem durch wen.

1989 gab es unter einem rot-grünen Senat den Versuch, durch eine drastische Preissenkung mehr Fahrgäste zu gewinnen. Dann kam ganz schnell der Mauerfall und das Experiment konnte nicht zu Ende gebracht werden. Würden Sie es heute wiederholen?

Auch hier läuft es wieder auf die Frage heraus: Wer zahlt dann? Der Weg zu einer umweltfreundlichen und sauberen Stadt geht nur über guten Nahverkehr. In Berlin sind wir zu Recht Stolz auf unseren guten Nahverkehr. Den Vorteil sollten wir beibehalten und ausbauen.

Dann bleibt es also bei regelmäßigen Tarifsteigerungen – auch im nächsten Jahr?

Ich bin ein Fan von Transparenz und Offenheit – daher halte ich die Kopplung der Preise an einen Index, wie zum Beispiel den Lebenshaltungsindex, für fair.

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