Café in Prenzlauer Berg : Kinderwagen unerwünscht

27.09.2012 08:40 UhrVon Marie-Lena Hutfils
Kein Spielzeug. Der Poller versperrt Kinderwagen den Weg. Foto: dpa
Kein Spielzeug. Der Poller versperrt Kinderwagen den Weg. - Foto: dpa

In einem neuen Café in Prenzlauer Berg müssen Kinderwagen draußen bleiben. Schon vier Tage nach der Eröffnung ist der Protest groß. Dabei wollte der Besitzer etwas ganz anderes bezwecken.

Kinderwagen sind in diesem Café nicht erwünscht. Das zeigt der graue Betonpoller im Eingang, auf dem ein Zeichen mit durchgestrichenem Kinderwagen zu sehen ist. Allen, die doch hinein wollen, versperrt er den Weg. Erst am Samstag hat das Café „The Barn Roastery“ an der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg aufgemacht – und wird schon auf Facebook und Twitter von einer Welle der Empörung überrollt. Der Inhaber Ralf Rüller wird als diskriminierend beschimpft. Ein Fernsehsender sei schon mit versteckter Kamera in den Laden gekommen.

„Die haben ein kleines Kind überall herumlaufen und Sachen von der Theke reißen lassen“, sagt Rüller. Dabei sei Diskriminierung überhaupt nicht in seinem Sinne.

Kinderwagen seien nur deshalb nicht erlaubt, weil sie ein Sicherheitsrisiko darstellen. Die frei zugängliche Röstmaschine im hinteren Teil des großräumigen Cafés könne bis zu 300 Grad heiß werden. Rauchbildung und Brand seien trotz zahlreicher Sicherheitsvorkehrungen jederzeit möglich. Sollte dann das Lokal geräumt werden müssen, könnten sie nicht schnell genug evakuieren, wenn lauter Kinderwagen herumstehen, sagt Rüller.

Kinder seien natürlich trotzdem willkommen, er sei ja kein Kinderhasser. Die Mütter und Väter müssten dann lediglich ihre Aufsichtspflicht wahrnehmen. Sein Café sei schließlich keine Erlebniswelt für Kinder, sondern ein Ort für Erwachsene.

Ralf Rüller sagt, er sei schwul und deswegen besonders dafür sensibilisiert, niemanden auszugrenzen oder zu diskriminieren. Rollstuhlfahrer können ohne Probleme durch die breite Eingangstür in den Laden gelangen. Der Abstand vom Poller zur Tür ist genauso breit wie die Tür selbst. „Jeder der durch die Tür passt, kann auch in den Laden“, sagt der Inhaber.

Auch um die von vielen ungeliebten Schwaben gibt es in Prenzlauer Berg immer wieder Ärger:

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Trotzdem will Rüller mit seinem Café einen Ort schaffen, der nicht für jedermann ist. Er und sein Team verstehen sich wie eine hochwertige Weinbar. Es läuft keine Musik, Laptops und laute Handygespräche sind unerwünscht. Es soll ein Ort der Begegnung sein – und des Genusses. Wer Zucker, Milch oder Sojaprodukte in seinen Kaffee möchte, wird hier enttäuscht. Der selbstgeröstete Filterkaffee wird ausschließlich schwarz serviert. „Wir nehmen ganz bewusst in Kauf, dass manche Leute sagen: ’Das ist nichts für mich’“, sagt Rüller. Er mache deshalb auch keine Werbung. Das Café soll von Liebhabern wie ihm gefunden werden.

Erste Fans hat er bereits, die am Mittwoch enttäuscht vor der verschlossenen Tür stehen. Der Besitzer will sich nach der schlechten Presse einen Tag nur dem Kaffee widmen. Eine Freundin, selbst zweifache Mutter, kommt ihn trotzdem besuchen. Sie kann die Empörung nicht verstehen: „Das ist ja hier kein Hort!“

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