Cannabis-Debatte : Cem Özdemir: "Das Tabu wird fallen"

Die Cannabis-Ermittlungen gegen Cem Özdemir wurden wegen Geringfügigkeit eingestellt. Der Grünen-Chef freut sich, dass er "entkriminalisiert" wurde - und fordert die Freigabe von Cannabis für Schmerzpatienten.

Martin Niewendick
Cem Özdemir setzt sich für eine Lockerung des Cannabis-Verbots ein.
Cem Özdemir setzt sich für eine Lockerung des Cannabis-Verbots ein.Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

"Es freut mich, dass mich die Staatsanwaltschaft entkriminalisiert hat", sagte Özdemir dem Tagesspiegel. "Aber ich will auch, dass andere, die nicht Mitglied des Bundestages sind, entkriminalisiert werden." Im Rahmen der so genannten Ice-Bucket-Challenge, einer Spendenaktion für die Erforschung der Nervenkrankheit ALS, hatte der Politiker im Sommer ein Video von sich veröffentlicht. Darauf ist er mit zwei Hanfpflanzen zu sehen. Die Staatsanwaltschaft leitete daraufhin Ermittlungen ein.

"Das Cannabis-Tabu wird fallen"

Mit der Aktion habe er eine Debatte anstoßen wollen. Vor allem Menschen mit schweren Erkrankungen hätten sich bei ihm gemeldet und ihm erzählt, wie schwierig es sei, an Cannabis als Schmerzmittel heran zu kommen. "Die harten Sachen mit starken Nebenwirkungen für teures Geld bekommen sie direkt", sagt Özdemir. Cannabis sei hingegen nur auf dem Schwarzmarkt zu haben. „Das grenzt schon fast an unterlassene Hilfeleistung.“ Für die Zukunft ist Özdemir zuversichtlich. "Das Cannabis-Tabu wird fallen", ist er sich sicher. Solange werde ihn das Thema wohl begleiten.

Die beanstandeten Pflanzen gehörten Özdemir nach eigenen Angaben übrigens nicht. Abgesehen davon, dass er Nichtraucher sei, hätten es Pflanzen bei ihm zu Hause schon wegen seines hohen Arbeitspensums "nicht leicht". Unterdessen will die Bundesregierung den Cannabis-Konsums für Schmerzpatienten erleichtern. Das hatte Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, in einem Interview mit der Zeitung "Welt" angekündigt. Die CSU-Politikerin sagte, ihr Ziel sei es, "dass in Zukunft mehr Menschen als bisher Cannabis als Medizin bekommen können".

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