CDU-Politiker in Berlin-Reinickendorf : Frank Steffel gibt Familienunternehmen ab

Der Bundestagsabgeordnete Frank Steffel gibt sein Familienunternehmen ab, für mehr Zeit mit seiner Familie – und für anstehende Wahlkämpfe.

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Bleibt in der Arena. Frank Steffel (rechts, mit Klaus Wowereit) will neue berufliche Perspektiven entdecken. CDU-Politiker und Füchse-Präsident ist er weiterhin. Foto: Imago
Bleibt in der Arena. Frank Steffel (rechts, mit Klaus Wowereit) will neue berufliche Perspektiven entdecken. CDU-Politiker und...Foto: Imago

Im kommenden März wird Frank Steffel 50. Wann der CDU-Politiker begann, über sein Leben grundsätzlich nachzudenken, kann er nicht genau sagen. Aber es waren Anlässe, private und berufliche, bei denen er sich nicht mehr richtig konzentrieren konnte. „Ich wollte wieder ein Stück weit mehr emotional teilhaben am Leben meiner Familie und Freunde“, sagt Steffel.

Und er traf eine Entscheidung: Der Inhaber und Gesellschafter eines Großhandelsunternehmens mit acht eigenständigen Handelsfirmen für Raumausstattung gibt seinen Betrieb ab, der 1964 vom Vater gegründet und vom Sohn 25 Jahre lang geführt wurde. Ende des Jahres ist der Verkauf seiner Unternehmensanteile an die Unternehmensgruppe Brüder Schlau mit Sitz in Porta Westfalica unter Dach und Fach.

Frank Steffel ist ein vielbeschäftigter Mensch: Er ist seit 2009 Bundestagsabgeordneter, seit 2001 CDU-Vorsitzender in Reinickendorf, stellvertretender Landesvorsitzender, ehrenamtlicher Präsident des Sportvereins und Handball-Bundesligisten Füchse Berlin Reinickendorf, Vater einer siebenjährigen Tochter und eines dreijährigen Sohns und Ehemann.

Mehr Zeit für Familie

Und da sei es sehr unwahrscheinlich, dass das Unternehmen irgendwann von den Kindern in dritter Generation weitergeführt werden würde. Wie lange die eigene Lebensuhr tickt, könne man nun auch nicht vorhersagen. „Es gibt ja kein Naturgesetz, dass du 90 wirst“, sagt Steffel. Und so sei der für ihn optimale Zeitpunkt gekommen, sich noch einmal neu zu orientieren. Er will mehr Zeit für die Familie haben. Beruflich lässt er Perspektiven auf sich zukommen. Unternehmerisch will er sich weiter engagieren, aber vielleicht „mehr im Projektbereich“.

Politisch strebt er 2017 ein weiteres Bundestagsmandat an und will sich im Berliner Wahlkampf 2016 für eine starke CDU in Berlin und in Reinickendorf engagieren. Früher hat man ihm noch Ambitionen nachgesagt, es noch einmal als Spitzenkandidat der Berliner CDU zu versuchen, doch seine politische Betätigung sieht der Diplom-Kaufmann und promovierte Wirtschaftswissenschaftler im Bundestag. Dort ist er im Sportausschuss Obmann der CDU-CSU-Fraktion und Mitglied im Finanzausschuss.

Steffel hat inzwischen seinen Frieden mit der CDU Berlin gemacht. „Dr. Frank Steffel“ wollte die Wahlkampfagentur 2001 vergeblich zum „Kennedy von der Spree“ hochstilisieren, in einer Zeit, in der man als CDU-Spitzenkandidat mit Eiern beworfen wurde und einige verunglückte Medienauftritte hatte. Steffel holte nach dem Parteispenden- und Bankenskandal für die CDU mit minus 17 Prozentpunkten ein bitteres Wahlergebnis: 23,8 Prozent – knapp vor der damaligen PDS. Den Kampf damals gegen Wowereit hatte Steffel verloren. Ganz unten aber war Steffel 2003, als er nach harten innerparteilichen Intrigen und Kämpfen den Fraktionsvorsitz abgab.

Für Steffel war immer Wahlkampfzeit

Steffel weiß, wie sich Verlierer fühlen, wie hart man mit ihnen umgeht. Er weiß jedoch auch, wie man Macht ausübt, er kann Strippen ziehen, kennt die Kunst der üblen politischen Nachrede, und er hat gelernt, wie schwer der CDU in Berlin ein Wahlkampf werden kann. Steffel ist Unternehmer, jemand, der Zahlen lesen und diese auch interpretieren kann. Weil er die Basis kennt, weiß er auch, wie man die CDU-Wähler ansprechen kann.

Für Steffel war immer Wahlkampfzeit, nicht nur von der Stimmlage und der Lautstärke her. Aber er gehörte in den Krisenzeiten der CDU, als 2008 die Fraktions- und Parteispitze ausgetauscht wurde, zu den drei, vier Nervenstarken, die der CDU ein neues Image als liberale Großstadtpartei geben wollten. Der Reinickendorfer war auch derjenige, der eine innerparteiliche Reform anschob. Die „Kungelrunden“ der Kreisvorsitzenden als Entscheidungsgremium wurden abgeschafft.

Steffel sieht seine heutige Position in der CDU als „Brücke zwischen Land und Bund“. Er will sich nicht mehr aktiv in die Landespolitik einmischen. Lieber kämpft er als Kreischef für die Neuauflage einer schwarz-grünen Zählgemeinschaft in Reinickendorf. Möglich, dass mit seiner Entscheidung eine neue Bescheidenheit in sein Leben tritt.

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