Charité-Spitze gegen Verdi-Pflegekräfte : Vorstand will Streik verbieten lassen

Nach der Ankündigung, per Gericht gegen den ab Montag geplanten Streik vorzugehen, kommt Kritik: Die landeseigene Universitätsklinik solle eher den Senat in die Pflicht nehmen.

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Drinnen erklärt der Charité-Vorstand am Mittwoch seine Position der Presse, draußen protestieren die Pfleger. Kai-Uwe Heinrich
Drinnen erklärt der Charité-Vorstand am Mittwoch seine Position der Presse, draußen protestieren die Pfleger.Kai-Uwe Heinrich

Während sich an der Charité immer mehr Schwestern und Pfleger streikbereit melden, hat der Vorstand der landeseigenen Klinik massive Kritik ausgelöst: Charité-Chef Karl Max Einhäupl hatte Mittwochmittag angekündigt, einen Gerichtsbeschluss erwirken zu wollen, um den ab Montag geplanten Streik verbieten zu lassen. Der Pflegeausstand gefährde Patienten, auch weil nicht alle betroffenen Charité-Stationen durch andere Kliniken ersetzt werden könnten. Zudem bezweifele man die Tariffähigkeit der Forderungen – trotz jahrelanger Verhandlungen.

Gewerkschaft Verdi: Frechheit

Noch am Mittwochmorgen hatten Verhandler der Gewerkschaft und der Vorstand zusammen über die Rettungsstellen gesprochen, die trotz des Streiks die Notfälle versorgen werden. „Eine Frechheit, dass wir dann wenig später von der Presse erfahren“, sagte Verdi-Verhandler Kalle Kunkel, „dass der Vorstand gerichtlich gegen uns vorgehen will.“

Linke: Angriff auf das Streikrecht

Empört ist auch der Chef des Gesundheitsausschusses im Abgeordnetenhaus, Wolfgang Albers (Linke): Die Charité-Spitze demonstriere damit nicht nur „Unverständnis für die bittere Realität im Arbeitsalltag ihrer Beschäftigten, sondern auch ihre Hilflosigkeit“. Der Vorstand solle den Senat in die Pflicht nehmen, die Lage des Personals zu verbessern, statt das Streikrecht anzugreifen. Nicht der Streik gefährde die Patienten, sondern die chronische Unterbesetzung auf den Stationen.

Keine Nachtschicht mehr allein

Wie berichtet, wollen die Streikenden mehr Personal, um Stress, Überstunden und Behandlungsfehler zu vermeiden. Kern der Forderungen ist: Nachtschichten zu zweit, tagsüber eine Pflegekraft für nicht mehr als fünf Patienten. Charité-Chef Einhäupl sagte: „Wir haben Verständnis für die Sorgen der Pflegekräfte.“ Die Charité aber könne sich nicht so viel Personal leisten, wie von Verdi gefordert, die dafür zuständigen Krankenkassen zahlten ohnehin schon zu wenig. Einhäupl hofft nun auf eine baldige Entscheidung des Arbeitsgerichts. Wegen des Streiks sind für kommende Woche schon 1000 geplante Eingriffe abgesagt. Sowohl Verdi als auch Einhäupl gehen davon aus, dass fast 1000 der 3000 Charité-Betten mittelfristig nicht belegt werden können.
Die Charité hat ab 22. Juni eine Patienten-Hotline eingerichtet: Wochentags von 9 Uhr bis 17 Uhr können sich Patienten unter 030 - 450 550 500 informieren.

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