Charlottenburg-Wilmersdorf : Spionagebasis am Teufelsberg weckt Begehrlichkeiten

06.10.2012 17:34 Uhrvon
Und oben thronen die weißen Kuppeln. Auf dem knapp 115 Meter hohen Teufelsberg verkommt die alte Abhörstation. Foto: dapd
Und oben thronen die weißen Kuppeln. Auf dem knapp 115 Meter hohen Teufelsberg verkommt die alte Abhörstation. - Foto: dapd

Umweltschützer und ein Museum interessieren sich für die Alliierten-Spionagebasis am Teufelsberg. Die Forderung, das Gelände an das Land Berlin rückzuübertragen, wird dabei laut. Unklar bleibt, wer die Hypothekenlast des Grundstückeigentümers in diesem Fall trägt.

Das von Umweltschützern gegründete „Aktionsbündnis Teufelsberg“ hat Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) aufgefordert, das Gelände der ehemaligen Abhörstation der Alliierten ans Land Berlin zurückzuübertragen. Berlin müsse die Hypotheken des Grundstückseigentümers dabei nicht übernehmen, betont Hartwig Berger, Leiter des Naturschutzzentrums Ökowerk am Teufelssee, in einem Brief an den Senator.

Dies widerspricht Darstellungen der Finanzverwaltung, die den Rückerwerb des aus Kriegstrümmern aufgeschütteten Bergs im Grunewald vor Jahren wegen der Hypothekenlast abgelehnt hatte.

Dem Aktionsbündnis gehören unter anderem auch die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) an. Das Ziel ist eine „denkmal- und naturgerechte Sanierung“ der Ruinen.

Dem Vernehmen nach betragen die Grundlasten möglicherweise bis zu 35 Millionen Euro. Deutlich niedriger lag der Kaufpreis, den eine Kölner Investorengruppe 1996 gezahlt hatte: 5,2 Millionen D-Mark für 4,7 Hektar Fläche. Der Bau einer Luxuswohnsiedlung und eines Hotels scheiterte dann ebenso wie spätere Projekte, darunter eine „Friedensuniversität“ der esoterischen Maharishi-Stiftung. Der Senat erklärte den Teufelsberg 2004 zum Waldgebiet, Neubauten sind damit nicht mehr zulässig.

Nach Tagesspiegel-Informationen hatte Berlin im Kaufvertrag eine „Investitionsverpflichtung“ sowie ein Rücktrittsrecht für den Fall verankert, dass nicht gebaut wird. Bei einer Rückübertragung müsse der Verkäufer das Grundstück „pfand- und lastenfrei“ übergeben, hieß es. Außerdem werde der Preis um 20 Prozent gemindert. Demnach könnte der Senat das Areal für etwas mehr als zwei Millionen Euro zurückkaufen. Was Müller davon hält, ist noch nicht klar. Vor einer Antwort des Senators an das Aktionsbündnis wollte sich eine Sprecherin seiner Verwaltung nicht äußern.

Unterdessen hat der Stadtplanungsausschuss des Abgeordnetenhauses die Zukunft des Teufelsbergs für den 25. Oktober auf seine Tagesordnung gesetzt.

Verschoben wurde das geplante zweite Gespräch zwischen dem Kölner Grundstückseigentümer Hartmut Gruhl, dem Charlottenburg-Wilmersdorfer Baustadtrat Marc Schulte (SPD) und Stadtentwicklungsstaatssekretär Ephraim Gothe. Laut Schulte gab es Terminprobleme, nun wolle man im November reden. Beim ersten Treffen im Frühjahr hatte er sich mit Gruhl und Gothe darauf geeinigt, Konzepte für einen öffentlichen Ausflugsort zu entwickeln.

Zuletzt gab es Ärger um große Szenepartys auf dem Berg. Große Veranstaltungen hat der Bezirk nun untersagt, die Führungen des Unternehmens „Berlin Sightout“ (www.berlinsightout.de) gehen aber weiter. Ab 7. Oktober bietet der Buchautor und Stadtführer Andreas Jüttemann zusätzlich Führungen durch das nahe Ostpreußenviertel in Westend an.

Der neueste Interessent für Teile der alten Abhörstation ist der Verein „Alliierte in Berlin“, der in seinem Museum am östlichen Ende der Flughafen-Landebahn in Tegel vor allem an die Berliner Luftbrücke erinnert; zum Bestand gehört viel Technik bis hin zu Flugzeugen und Panzern. Der Vereinsvorsitzende Matthias Hirnigel sagt, man habe trotz einer Vertragsverlängerung um fünf Jahre in Tegel „grundsätzlich Interesse“ an einem Umzug auf den Teufelsberg. Dieser Standort sei „wesentlich attraktiver und repräsentativer“.

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