Berlin : Cinema Italiano

Aus Liebe zum italienischen Kino hat das Berliner Jazz-Trio …e la luna? Filmklassiker eingesungen. Beim CinemAperitivo im Babylon gibt es das heute erstmals zu hören – mit Filmbildern im Hintergrund.

Karoline Kuhla
Zwei Männer, eine Italienerin. Holger Schliestedt, Eva Spagna und Martin Klenk (von links) lernten sich durch eine Anzeige in der zitty kennen. Foto: promo
Zwei Männer, eine Italienerin. Holger Schliestedt, Eva Spagna und Martin Klenk (von links) lernten sich durch eine Anzeige in der...

Nie, niemals sollte Mann einer Frau widersprechen, die ins Kino will. Das ist Eva Spagnas Botschaft. Und weil die Botschaft für den italienischen Chansonsänger Paolo Conte gedacht ist, hat die Sängerin sie in ein Lied verpackt: „Cinema“ heißt der erste und namengebende Song auf dem neuen Album des Berliner Trios …e la luna?.

1979 sang Paolo Conte „Bartali“: Er, Radfan, sitzt am Straßenrand in der Sonne und wartet auf sein Idol, den italienischen Rennfahrer Gino Bartali, der jeden Augenblick vorbeisausen wird. Sie, von der Hitze ermattet, hat kein Verständnis, ist gelangweilt, will ins Kino. Oder vielleicht, so Contes freche Unterstellung, muss sie einfach nur mal auf die Toilette? Als Kinoliebhaberin konnte Sängerin Eva Spagna dieses Lied nicht auf sich sitzen lassen, identifiziert sich die 43-Jährige doch mit der Frau aus Contes Lied. Augenzwinkernd antwortet sie aus deren Sicht: Extra hat sie sich schön gemacht. Ihr ist heiß. Und langweilig. Sie hat sich aufs Kino gefreut und malt sich bereits aus, was sie im Kinosaal Aufregendes erwartet.

Ein Lied, angelehnt an den leidenschaftlichen, italienischen Jazz-Stil der 60er und 70er Jahre. Alle Titel des Albums „Cinema“ verbreiten die mal fröhliche, mal sentimentale Stimmung italienischer Filme. Es ist eine Hommage. Die 16 Lieder stammen unter anderem von Henri Mancini und Nino Rota, aus Filmen von Nanni Moretti oder Federico Fellini. Aber auch fünf Eigenkompositionen von Spagna und ihren Kollegen, dem Cellisten und Saxophonisten Martin Klenk und dem Gitarristen Holger Schliestedt sind darunter.

Es ist das sechste Album von …e la luna?. Der Bezug zum Film ist aus Spagnas Kinoleidenschaft entstanden. „Bis zu 30 Filme hat sich Eva schon auf der Berlinale angeguckt“, erzählt Schliestedt, 48, den die anderen beiden über eine Anzeige in der zitty kennenlernten. Er suchte damals eine Sängerin. Kurz darauf lernten sie den heute 56-jährigen Klenk im Kreuzberger Bergmannkiez kennen. Seit 18 Jahren wohnt die zierliche Florentinerin in Berlin. Fast genauso lange machen die drei gemeinsam Musik. Sie begannen mit „Estate“ von Bruno Martino – so habe sich der italienische Einschlag von Anfang an „organisch entwickelt“, sagt Spagna.

In Florenz hatte Eva Spagna selbst im Kino gearbeitet. Auch wegen des Charmes der vielen alten Kinosäle fühlt sie sich in Berlin so wohl, dass sie inzwischen von einer zweiten Heimat spricht. „In Italien gibt es immer weniger Kinos“, sagt sie, „alle Ausgaben in der Kultur werden reduziert.“ Daher ihre Sehnsucht in die 60er Jahre, in denen die Kinokultur in Italien noch florierte, die Filmproduktion des Landes noch ganz vorne mitspielte. „Schauspieler, Musik – der Lebensstil wurde mit den Filmen aus Italien exportiert“, sagt Spagna. „Wir können nur versuchen, diese Emotionen durch Musik wieder aufleben zu lassen.“ Das gelingt den drei Künstlern mit der Musik ebenso wie mit dem Cover der CD. Wie ein altes Kinoplakat ist auch das Titelbild gemalt: Vor azurblauem Grund ein Porträt Spagnas mit gigantischer Sonnenbrille. Ein italienisches Original ihrer Großtante aus den 50er Jahren, wie die Sängerin versichert. In den dunklen Gläsern der Brille spiegeln sich Klenk und Schliestedt, der eine rechts, der andere links. Zwei Männer, eine hübsche Frau – ein Drama nach italienischem Geschmack hat Illustratorin Maria Herzog angedeutet.

In Plakatform lädt das Bild bereits in den Kiezkneipen rund um die Bergmannstraße zum Release-Konzert im Kino Babylon ein. Sonntagnachmittags steht dort immer „CinemAperitivo“ auf dem Programm: Italienische Filme in der Originalversion mit Aperitiv. Welcher Ort würde sich besser eignen, um das neue Album vorzustellen? …e la luna? spielen alle Songs live, einmalig ergänzt durch Bass und Schlagzeug. Dazu laufen auf der Leinwand Standbilder der Filme, aus denen die Lieder stammen. Einen italienischen Streifen gibt es diesmal ausnahmsweise zwar nicht, aber Aperitivo gibt es wie gewohnt. Alla salute!

CD-Release-Konzert mit Aperitivo am heutigen Sonntag, 16 Uhr im im Babylon, Rosa-Luxemburg-Straße 30, Mitte. Eintritt: 15 Euro, ermäßigt 12 Euro inklusive Aperitivo.

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