Civil March von Berlin nach Aleppo : Friedensmarsch läuft wohl doch nicht bis Syrien

Vom Friedensmarsch ist nur noch eine kleine Truppe übrig. Ursprünglich wollte sie von Berlin bis nach Aleppo laufen - dieses Ziel Aleppo visiert sie nicht mehr an.

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Von ursprünglich 3.500 Demonstranten sind nur noch drei übriggeblieben.
Von ursprünglich 3.500 Demonstranten sind nur noch drei übriggeblieben.Foto: Promo/Janusz Ratecki

Berlin - Viel ist vom Friedensmarsch nicht übrig geblieben. Von mehr als 3500 Menschen, die im vergangenen halben Jahr unterwegs waren, sind es noch drei, die sich übers Mittelmeer in Richtung Libanon aufgemacht haben. Anna, eine Architekturstudentin aus Polen, Malika, eine Juraprofessorin aus Frankreich, und Alexander Stotkiewitz aus Stuttgart, der seinen Job aufgegeben hat und von Anfang an mitläuft. „Man sieht, wie schwierig es ist, eine Gruppe zusammenzuhalten, wenn alle unterschiedlichen Vorstellungen haben“, sagt er. „Der Marsch an sich war immer eine Achterbahnfahrt. Aber in letzter Zeit war es besonders krass.“ In letzter Zeit haben viele die Gruppe auf ihrem Weg nach Aleppo verlassen.

Die vergangenen zwei Monate haben die Läufer des Civil March auf den griechischen Inseln verbracht. Notgedrungen. Auf Chios, Samos und Lesbos haben sie auf die Demonstrationsgenehmigung der türkischen Behörden gewartet, um das Land auf ihrer Route passieren zu können. Die Hoffnung, dass die Erlaubnis noch kommt, haben viele mit der Zeit aufgegeben. Einige sind auf eigene Faust weiter, andere zurück in ihre Heimat. Die Verblieben entschieden sich, ihren Weg durch den Libanon fortzusetzen. Nach Deutschland, der Tschechischen Republik, Österreich, Slowenien, Kroatien, Bosnien, Serbien, Mazedonien und Griechenland wollen sie das Land als nächstes passieren. „Wir hoffen, dass sich unsere Gruppe in Beirut dann wieder etwas vergrößert“, sagt Stotkiewitz. „Dass einige zurückkommen.“

Zurück kommt dann auch Anna Alboth. Die Initiatorin des Civil March hat die Gruppe für einige Tage verlassen und ihre Familie in Berlin besucht. Von dort fliegt sie in die libanesische Hauptstadt, um die anderen zu treffen. Den vergangen Monat bezeichnet Alboth als Notstand. Sie alle seien müde und gestresst gewesen, hatten viel diskutiert. „Die größte Lektion, die ich gelernt habe, ist, dass, selbst wenn alle das gleiche Ziel haben, es unglaublich schwer ist, einen gemeinsamen Weg zu finden“, sagt Alboth und fügt hinzu: „Es wurde schwerer, als ich es jemals erwartet hätte. Viel schwerer.“ Sie sei traurig gewesen, dass so viele Menschen den Marsch verlassen hätten. Enttäuscht, dass irgendwann keine neuen dazu kamen. Mittlerweile aber versuche sie das Ganze positiv zu sehen. „Selbst wenn wir den Weg nur mit einer kleinen Gruppe weitergehen, repräsentieren wir doch all diejenigen, die in den vergangenen Monaten Teil des Marsches waren. Wir laufen die letzten Kilometer jetzt für sie mit.“

Die Demonstrationsgenehmigung für den Libanon hat die Gruppe bereits. Bis zum Wochenende wollen sie sich in Beirut versammeln. Dann soll es weitergehen: Irgendwo in Richtung Grenze, irgendwohin, wo sie nicht in Gefahr sind. In Camps und Dörfern wollen sie dann Geflüchtete treffen. Mehr als eine Million leben in dem kleinen Land, das selbst nur 1,5 Millionen Einwohner zählt. Insgesamt acht bis zehn Tage soll die Etappe durch den Libanon dauern. Wahrscheinlich wird es die letzte sein.

„Am Anfang hatte ich das große idealistische Ziel, einen konkreten Beitrag zum Frieden zu leisten. Aber vielleicht waren unsere alltäglichen Begegnungen das eigentliche Ziel“, sagt Stotkiewitz. Aleppo, so sagt er, sei mit der Zeit zu einem Symbol geworden. Ein Antrieb, um weiterzumachen, aber kein Ort, den er wirklich erreichen wolle. „Die Stadt ist heute eine andere als damals, als wir gestartet sind“, sagt Alboth. „Wir könnten unsere Fahne nehmen, hinlaufen und sie in ein leeres, zerstörtes Gebäude stecken. Aber wir machen das nicht für leere Gebäude, wir machen das für die Menschen.“ Die Initiatorin des Civil March, die stets nach Aleppo wollte, hat sich entschieden, die syrische Grenze nicht zu passieren. Auch wegen ihrer Familie. Auch, weil sie weiß, dass in Deutschland jemand auf sie wartet. „Ich habe mit dem Civil March ein politisches Spiel gestartet und war dabei manchmal zu dumm und naiv“, sagt sie rückblickend. Jetzt wolle sie nicht der dumme Held sein, der auf Teufel komm raus die Grenze passiert. Es würde keinen Sinn machen.Ann-Kathrin Hipp

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