Damhirsche in Berlin-Tempelhof : Das Tempelhofer Feld als Jagdgrund?

In einem Gehege in Berlin-Tempelhof gibt es zu viele Damhirsche. Ein Politiker schlug vor, ein paar von ihnen aufs Tempelhofer Feld zu treiben zum Abschuss freizugeben. Autor Bernd Matthies gibt das zu denken.

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Abschießen? Damhirsche sind eigentlich ziemlich friedliche Zeitgenossen.
Abschießen? Damhirsche sind eigentlich ziemlich friedliche Zeitgenossen.Foto: dpa

Das Tiergehege im Tempelhofer Franke-Park ist was für Ortskundige – kein Außertempelhofer hat davon schon mal gehört, weder vom Park noch von den Tieren. Doch davon lässt sich der einzige Bock der dort ansässigen Damhirschherde nicht schrecken. Obwohl das einschlägige Normenwerk an dieser Stelle nur zwölf Tiere zulässt, leben dort seinetwegen 15. Das bedeutet, dass mindestens drei für teuer Geld entwurzelt und ihrem kommoden Habitat entrissen werden müssten. Außer...

Außer, man lässt einfach mal seinen Gedanken freien Lauf. Der Piraten-Bezirksverordnete Michael Ickes hat sich vermutlich auf den kategorischen, aber weitgehend vergessenen Imperativ seiner Partei besonnen, ganz unkonventionell an die Probleme heranzugehen. Sein Plan: Die überzähligen Hirsche sollten aufs Tempelhofer Feld getrieben und dort von zahlenden  Freizeitjägern piffpaff über den Haufen geschossen werden.

Die CDU nannte die Idee eine Eselei

Eine Win-Win-Win-Idee: Der Bezirk kriegt die Jagdpacht rein, Bedürftige einen leckeren Braten – und im Gehege wird Platz frei für den schauwertmäßig attraktiveren Nachwuchs. Aber was tut die BVV? Lehnt den Plan kategorisch ab. Zugegeben: Das zwar artgerechte, aber brutale Tieretotschießen eignet sich letztlich wirklich besser für den dunklen Wald in der Morgendämmerung als fürs Tempelhofer Feld, wo jederzeit die Gefahr besteht, dass Griller, Skater oder Hobbyfußballer kollateralgeschädigt werden. Dennoch ist es irgendwie schade, dass der piratische Impetus hier so drastisch abgeblockt wurde – sogar eine „Eselei“ nannte die CDU die Idee.

Die Grünen haben nun immerhin einen weniger gefährlichen und finanziell attraktiven Gegenvorschlag: einfach den Bock kastrieren. Das klingt vernünftig, läuft aber darauf hinaus, dass die kleine Herde langfristig ausstirbt. Dieses Schicksal allerdings droht ja auch der Piratenpartei. Und damit ist auszuschließen, dass sie sich noch einmal fürs muntere Jagen auf dem Flugfeld stark macht.

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