Berlin : Das gebrochene Versprechen

Viele durch den Mauerbau getrennte Bahnstrecken sind bis heute nicht wieder aufgebaut worden.

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Lange her. Der Mauerbau unterbrach den Verkehr zwischen Schönauser Allee und Gesundbrunnen. Erst 40 Jahre später fuhren hier wieder Züge. Foto: p-a/ZB/Wolfgang Kumm
Lange her. Der Mauerbau unterbrach den Verkehr zwischen Schönauser Allee und Gesundbrunnen. Erst 40 Jahre später fuhren hier...Foto: picture-alliance / ZB

Auf einen Schlag wurden heute vor 51 Jahren mit dem Bau der Mauer die Netze der U- und S-Bahn getrennt. Busse und Straßenbahnen fuhren schon zuvor auf getrennten Wegen. Doch während das Netz der U-Bahn nach dem Mauerfall schnell geflickt war, leidet die S-Bahn noch heute unter der Trennung. Das damals vom Bund schnell gegebene Versprechen, bis auf wenige Ausnahmen alle Strecken, die bis zum 13. August befahren worden waren, aufzubauen, ist nicht erfüllt worden – was auch am Desinteresse von Berlin und Brandenburg liegt.

Einzige Ausnahme ist derzeit die Verbindung von Spandau Richtung Falkensee. Der rot-schwarze Senat hat zwar die Verlängerung der Strecke in den Koalitionsvertrag aufgenommen, getan hat sich bisher aber nichts. In den Brandenburger Kommunen ist das Projekt heftig umstritten; Kritiker befürchten, dass sich das Angebot im Regionalverkehr verschlechtern würde, wenn auf den parallelen Gleisen die S-Bahn fahren würde. Die Landesregierung in Potsdam hat sich deshalb gegen die S-Bahn ausgesprochen, der Senat will die Züge wenigstens bis zu einem neuen Bahnhof an der Hackbuschstraße rollen lassen. Das Bezirksamt hatte dagegen einen Endbahnhof in Albrechtshof favorisiert. Die vielen Meinungen unter einen Hut zu bringen, ist nicht gelungen.

Laut ist der Ruf nach einem S-Bahn-Anschluss dagegen in Velten und auch in Rangsdorf. Bis 1961 waren die Züge in beide Kommunen gefahren. Heute sieht die Landesregierung in Potsdam dafür keinen Bedarf mehr.

Auf dem Abstellgleis steht auch die Verbindung von Zehlendorf nach Düppel-Kleinmachnow. 1948 war auf der sogenannten Stammbahn, auf der 1835 die erste Eisenbahn Preußens von Berlin nach Potsdam gedampft war, der elektrische S-Bahn-Betrieb auf nur noch einem Gleis aufgenommen worden. Pläne, die Stammbahn bis Griebnitzsee zu reaktivieren, sind aufgegeben worden. Die Idee, die S-Bahn wenigstens bis Dreilinden fahren zu lassen, wird derzeit nicht verfolgt.

Wie die Siemensbahn, die einst von Jungfernheide nach Gartenfeld führte, war die Strecke nach Düppel-Kleinmachnow allerdings nicht durch den Mauerbau abgetrennt worden. Da die Gleise auf West-Berliner Gebiet lagen, fuhren die Züge hier weiter bis 1980. Nach einem Streik nahm die Reichsbahn den Betrieb auf beiden Strecken nicht mehr auf.

Beerdigt ist dagegen die Friedhofsbahn von Wannsee nach Stahnsdorf, auf der bis 1961 Betrieb war. Die Forderung der evangelischen Kirche, die den Bau einst finanziert hatte, das Gleis wieder aufzubauen, ist vor Gericht gescheitert.

Planerisch am weitesten vorangekommen ist der Wiederaufbau der Heidekrautbahn, die aus Groß Schönebeck und Wensickendorf bis zum Mauerbau nach Wilhelmsruh gefahren war. Die DDR hatte den Endbahnhof nach Karow gelegt. Die Baugenehmigung gibt es seit 2011, im Koalitionsvertrag ist die Wiederinbetriebnahme vorgesehen. Doch obwohl sich die Niederbarnimer Eisenbahn an den Kosten des Wiederaufbaus, der auch von Brandenburg gefordert wird, beteiligen würde, ziert sich der Senat. Zum 50. Jahrestag der erzwungenen Betriebsaufgabe ist 2011 in Wilhelmsruh eine Gedenkstele aufgestellt worden. Dabei blieb es. Klaus Kurpjuweit

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