• Das Lageso wehrt sich: Security soll wegen Aggressivität des Syrers eingeschritten sein

Das Lageso wehrt sich : Security soll wegen Aggressivität des Syrers eingeschritten sein

Die Homosexualität des Mannes spielte laut Lageso keine Rolle bei dem Vorfall.

von
Foto: dpa/Patrick Pleul

Das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) wehrt sich gegen den Vorwurf, ein Security-Mitarbeiter der Behörde habe einen Syrer aus homophoben Gründen zusammengeschlagen. Ein 32-Jähriger Syrer hatte, wie berichtet, erklärt, er sei am Donnerstag vor dem Eingang des Lageso geschlagen worden, nachdem arabische Sicherheitsleute sich zuvor über seine Homosexualität lustig gemacht hätten. Er habe geantwortet: „Vorsicht, ich verstehe euch.“ Monika Hebbinghaus, Sprecherin der Senats für Gesundheit und Soziales, dem das Lageso unterstellt ist, erklärte dazu: „Nach einer ersten Darstellung von Mitarbeitern des Deutsch-Arabischen-Zentrums (DAZ), die als Sprach- und Kulturmittler auf dem Lageso-Campus im Einsatz sind, wollte der Betreffende sich unbedingt Zugang zum Haus A verschaffen. Ein DAZ-Mitarbeiter erklärte ihm, dass er ohne konkreten Termin beim Sachbearbeiter nicht direkt ins Gebäude könne, sondern erst zum ICC müsse.“ Daraufhin sei der syrische Flüchtling „nach unseren Informationen ausfällig und so aggressiv“ geworden, dass der DAZ-Mitarbeiter Kollegen der Security zu Hilfe gerufen habe, „um den Mann ruhig zu stellen“. Sogar die Polizei habe hinzugezogen werden müssen. „Die sexuelle Orientierung des Flüchtlings spielte nach unserer Kenntnis bei dem Vorfall keine Rolle. Ungeachtet dessen werden wir der Sache aber weiter nachgehen und weitere Gespräche mit den beteiligten Mitarbeitern führen.“ Eine Diskriminierung von Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung werde ebenso wenig wie aggressives Verhalten gegenüber Flüchtlingen geduldet.
Jouanna Hassoun vom Lesben- und Schwulenverband Berlin (LSVD), die mit dem Flüchtling gesprochen hatte, war für eine Stellungnahme zu dieser Darstellung des Vorfalls nicht zu erreichen. Sie hatte allerdings am Donnerstag erklärt, der Syrer habe einen Termin beim Lageso gehabt. Der LSVD kümmert sich seit längerer Zeit um den Syrer. Jörg Steinert, Geschäftsführer des LSVD, erklärte auf Anfrage des Tagesspiegels: „„Die Einordnung der Gewalttat gegen unseren Klienten durch das Lageso halten wir für problematisch. Es gibt zu viele Berichte, die auf ein strukturelles Problem hinweisen. Seit Monaten berichten uns homosexuelle und transgeschlechtliche Geflüchtete sowie Ehrenamtliche von Beleidigungen durch arabischsprachiges Security-Personal und Sprachmittler.“ Der LSVD habe den Senat mehrfach auf das Problem hingewiesen, zuletzt im Fachgespräch zum Masterplan Integration und Sicherheit mit Senatorin Dilek Kolat.
Der Syrer hatte Strafanzeige wegen Körperverletzung gegen den Sicherheits-Mitarbeiter gestellt. Der 32-Jährige hatte ein blaues Auge und musste im Krankenhaus kurzzeitig behandelt werden. Gleichzeitig wurde aber von einem Security-Mitarbeiter Anzeige gegen den Syrer gestellt – wegen Beleidigung.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben