Berlin : Das Tal der Liebe ausgegraben

Beiderseits der Oder sind nahe Schwedt zwei sehenswerte Parks entstanden

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Da geht’s lang. Das romantische „Tal der Liebe“ auf polnischer Seite ist gut ausgeschildert. Es liegen aber auch Flyer bereit. Foto: Claus-Dieter Steyer
Da geht’s lang. Das romantische „Tal der Liebe“ auf polnischer Seite ist gut ausgeschildert. Es liegen aber auch Flyer...

Schwedt/Oder – Der Name ist vielversprechend: „Tal der Liebe“. Wer sich aber von ihm bezaubern lassen will, braucht derzeit noch eine gute Wegbeschreibung. „Gleich hinter der Grenzbrücke in Schwedt halten Sie sich rechts und gelangen auf dem Uferweg zum Eingang zum Dolina Milosci“, sagt Jakub Szumin von der polnischen Umweltorganisation Gaja. „Diese Tour ist aber Wanderern und Radfahrern vorbehalten.“ Autofahrer müssten einen kleinen Umweg nehmen. Der junge Mann leitet das kurz vor dem Abschluss stehende Projekt zum Wiederaufbau der Parkanlage.

Durch den Zweiten Weltkrieg, die anschließende Grenzziehung an der Oder und einen großen Übungsplatz der Roten Armee war das einst auch bei Berlinern beliebte Ausflugsziel unter Geröll, Schutt und einer verwilderten Natur verschwunden. Dank eines deutsch-polnischen Gemeinschaftsprojektes und EU-Geldern gibt es nun wieder ein Netz aus 13 Kilometer langen Spazierwegen, mehrere Aussichtspunkte, Brücken über kleine Bachläufe und viele romantische Plätze.

Doch nicht nur auf der östlichen Oderseite freut man sich über eine von der EU finanzierte Parkanlage. „Bald öffnen wir den Hugenottenpark an unserem Theater“, verkündet Schwedts Bürgermeister Jürgen Polzehl. „Er erinnert mit Tafeln und Skulpturen an die französischen Glaubensflüchtlinge, die nach dem 1685 erlassenen Edikt von Potsdam auch in großer Zahl in die Uckermark gekommen waren.“ Auch die Konturen des einstigen Gartens des zerstörten Schwedter Schlosses seien wieder erkennbar. Die entscheidenden EU-Gremien hätten sich jedenfalls von der Idee, mit neuen Anziehungspunkten die deutsch-polnische Grenzregion attraktiver zu machen, von Beginn an aufgeschlossen gezeigt. Sie stellten insgesamt 2,6 Millionen Euro für Schwedt und das benachbarte Chojna (Königsberg in der Neumark) zur Verfügung, die sich beide Partner je zur Hälfte teilten.

„Es gibt sogar eine direkte Verbindung zwischen dem Hugenottenpark und dem Tal der Liebe“, erklärt der Bürgermeister. Anna von Humbert, die 1827 als Ehefrau eines Gutsbesitzers den Landschaftspark am Ostufer der Oder anlegen ließ, sei eine Nachfahrin der Hugenotten gewesen. Das Geld der Steuerzahler ist aus Schwedter Sicht jedenfalls lohnend angelegt, weil nun mehr Touristen angelockt werden. In Kürze soll es regelmäßige Führungen in deutscher Sprache durch das „Tal der Liebe“ geben. Der Tourismusverein Schwedt vermittelt die entsprechenden Fachleute und Flyer. Aber auch die Erkundung auf eigene Faust ist ohne Weiteres möglich. Tafeln weisen den Weg zum Lusthausberg, zur Bastei, zum Ruinenberg, zur Klothildenquelle, zu den Skulpturen Adam und Eva oder zum Hügel mit zahlreichen Gedenksteinen. Schon diese Aufzählung macht deutlich, dass es sich bei dem rund 80 Hektar großen Areal mit teilweise uralten Buchen und Eichen nicht um ein einziges Tal handelt. Die Hügel ermöglichen eine imposante Aussicht auf die Oder, die Silhouette der Industriestadt Schwedt und weite Teile des Nationalparks. Beim Wandern lässt es sich dann wunderbar in die ungewöhnliche Geschichte des Areals eintauchen. Anna von Humbert soll eine mehrmonatige Dienstreise ihres Mannes zur Parkgestaltung genutzt haben. Ein Transparent mit der Aufschrift „Willkommen im Tal, das die Liebe geschaffen hat“, begrüßte dann den Gutsherren bei dessen Rückkehr.

Nicht nur im Sommer zog es dann später viele Ausflügler auf das Gelände. Im Winter galt eine lange Rodelbahn als große Attraktion. Bis zum Abzug der russischen Garnison 1994, die den Park für ihre Übungen nutzte, war das Betreten verboten. Überliefert aus dieser Zeit ist die Festnahme von zwei Franzosen, die von hier aus den Militärflugplatz in Chojna ausgekundschaftet hatten. Vor rund einem Jahrzehnt entdeckten dann Mitglieder der nichtstaatlichen Umweltorganisation Gajek das Gebiet. Erst das EU-Geld machte aber das Gelände wieder erlebbar. Claus-Dieter Steyer

Weitere Informationen unter

www.gajanet.pl & www.schwedt.de

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