Dauerärgernis Hundekot : Haufenweise gute Tipps

Täglich bleiben 55 Tonnen Hundekot auf Berlins Straßen liegen. Auf einer Fachtagung will Berlins Verwaltung jetzt von anderen Städten lernen.

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"Haufen sucht Frauchen" - mit Slogans wie diesem wirbt die Aktion "Shit Happens" in Prenzlauer Berg für weniger Hundekot auf den Straßen Berlins.Alle Bilder anzeigen
Foto: Tina Zimmermann
12.09.2011 15:37"Haufen sucht Frauchen" - mit Slogans wie diesem wirbt die Aktion "Shit Happens" in Prenzlauer Berg für weniger Hundekot auf den...

„Nimm ein Sackerl für mein Gackerl“ – mit diesem Slogan warb Wien 2007 auf Hundeplakaten dafür, dass „Hundstrümmerl“, wie die tierischen Hinterlassenschaften dort auch heißen, nicht auf den Gehwegen liegen bleiben, sondern weggeräumt werden. Im Jahr zuvor hatte es bereits eine erfolgreiche Online-Petition der Initiative „Eltern gegen Hundekot“ gegeben – 157 631 Menschen hatten sich daran beteiligt. Von den Wiener Erfahrungen im Kampf gegen den Hundekot, der auch in der österreichischen Hauptstadt ein jahrzentelanges Problem war, wird Martina Ableidinger vom Wiener Umweltamt am heutigen Mittwoch bei der Fachtagung „Berlin wird häufchenfrei“ berichten. Organisatoren sind das Bezirksamt Mitte und die Initiative „Stadt und Hund“, die für Mitte und andere Bezirke Tütenspender für Hundekot aufstellt.

100 000 Hunde sind in Berlin registriert, dazu geht man noch einmal von 50 000 nicht gemeldeten Tieren aus. Sie hinterlassen täglich laut Senatsumweltverwaltung 55 Tonnen Hundekot, der zum größten Teil auf den Gehwegen, in Parks oder auf Spielplätzen liegen bleibt. Er ist nach wie vor im öffentlichen Stadtbild ein Dauerärgernis, auch wenn sich nach Auffassung von Fachleuten allmählich etwas tut.

Christof Wüllner von „Stadt und Hund“ geht davon aus, dass inzwischen rund 15 Prozent der Hundehalter den Dreck ihres Tieres wegräumen. Vor acht Jahren, als die gemeinnützige Gesellschaft ihre Arbeit begann, seien es nur zwischen drei und fünf Prozent gewesen. In Gebieten, in denen verstärkt Tütenspender stehen, würden bis zu 70 Prozent der Haufen beseitigt – nach Wüllners Beobachtungen übrigens am häufigsten von älteren und weiblichen Hundehaltern. In neun Bezirken ist „Stadt und Hund“ aktiv und hat über die Stadt verteilt rund 250 Tütenspender aufgestellt – oft auch im Auftrag von Wohnungsbaugesellschaften, die auf ein sauberes Umfeld achten. Explizit mit dem Thema beschäftigt sich der Hauseigentümerverband „Haus und Grund“ nicht, dennoch sagt Sprecher Dieter Blümmel: „Eine verwahrloste Umgebung, zu der auch viele Hundehaufen zählen, ist sicherlich nicht hilfreich bei der Vermarktung einer Immobilie.“

In Mitte gibt es 75 Tütenspender. Stadtentwicklungsstadtrat Ephraim Gothe (SPD) würde gerne noch mehr aufstellen, verweist aber auf finanzielle Grenzen. Wie in anderen Bezirken habe man sich in Mitte darauf geeinigt, die Hundekotbeseitigung mit den Einnahmen durch die Standgebühr für Altglascontainer zu finanzieren. In diesem Monat will der Bezirk zudem laut Wirtschaftsstadtrat Carsten Spallek (CDU) in einer Sonderaktion überprüfen, ob die Regelungen des Hundesgesetzes eingehalten werden. Außendienstmitarbeiter des Ordnungsamtes werden vermehrt unterwegs sein, um den Leinenzwang in Grünanlagen oder die Beseitigung von Hundehaufen zu kontrollieren. Allerdings sei Letzteres sehr zeitaufwendig. „Man muss Tier und Halter in flagranti erwischen“, sagt Spallek.

Gerade in angelsächsischen Ländern kann man oft nicht verstehen, wieso eine Stadt die Nachlässigkeit vieler Hundebesitzer einfach duldet. Auf der Seite von Toytown, einem Internetforum von englischsprachigen Menschen in Deutschland, zeigt sich ein User regelrecht bestürzt darüber, dass hier viele Menschen nicht hinter ihrem Hund herräumen. „Hier sind einfach überall große, dampfende Hundehaufen auf den Straßen. Hundebesitzer scheinen sich einfach nicht darum zu scheren.“ Beschwerden internationaler Touristen wegen des Hundedrecks sind allerdings den Tourismuswerbern von „Visit Berlin“ nach Angaben einer Sprecherin bisher nicht bekannt geworden.

Auf der heutigen Tagung wollen Berliner Verwaltungsmitarbeiter von anderen Städten erfahren, wie diese das Problem lösen und was Berlin daraus lernen kann. In Wien etwa ist man das Problem nicht nur mit einer Öffentlichkeitskampagne angegangen. Laut Martina Ableidinger wurden zudem sogenannte „Waste Watchers“ eingesetzt, die sich im Rahmen der „Aktion Saubere Stadt“ um die Dreckecken der Stadt im Allgemeinen und den Kot der rund 75 000 Wiener Hunde im Besonderen kümmerten. Für nicht beseitigten Hundedreck wurden 36 Euro Geldbuße fällig, die nach Ableidingers Angaben auch immer wieder eingetrieben wurden. Zudem wurden flächendeckend Tütenspender aufgestellt. Inzwischen landen täglich rund 50 000 davon in den Abfallkörben. Noch weiter ist man in der Schweiz. Dort wurde das Problem bereits vor 30 Jahren angegangen. Mehr als eine Generation kennt es nicht anders, als dass der Hundekot aufgesammelt werden muss.

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