Berlin : David, der Zweite

Wir schreiben das Jahr 2002. Zum ersten Konzert seit zwölf Jahren kommt Popstar Bowie nach Berlin. Radio Eins verlost Tickets für ein Treffen. Die Fans sollen sich bewerben. Da meldet sich bei Musikredakteur Peter Radszuhn ein Mann und behauptet, der uneheliche Sohn des Sängers zu sein.

Peter Radszuhn

Er hatte sich rar gemacht in der Stadt, mit der er doch eine so enge Beziehung zu haben schien und mit der er immer wieder in Verbindung gebracht wurde, allein schon, weil er hier neue Kreativität entwickelt und drei seiner stärksten Alben in weiten Teilen produzierte. Vielleicht war es aber auch eher die Stadt, die sich immer wieder gerne mit ihm schmückte – mit dem Weltstar, dem Chamäleon, dem Künstler.

Und als wäre er ein verlorener Sohn, der endlich den Weg nach Hause findet: die Aufregung war groß, als für den 22. September 2002 sein Konzert in der Max-Schmeling-Halle angekündigt wurde. Das erste seit 12 Jahren, seit seinem Auftritt in der Berliner Deutschlandhalle im April 1990.

David Bowie kehrte heim nach Berlin, wenigstens für ein Konzert.

Die Halle war schnell ausverkauft und umso schöner war es für uns bei Radio Eins, dass wir dieses Konzert präsentieren und obendrein noch fünf „Meet and Greet“-Tickets verlosen durften! Eine sehr seltene Gelegenheit für Fans, ihr Idol nach der Show zu treffen, ein paar Sätze zu wechseln, die eine oder andere Frage zu stellen, ein paar Minuten nur, aber immerhin! Ja, Bowie würde auch Autogramme geben: „…aber nur eines pro Person, bitte!“ und vielleicht würde er sogar Fotos gestatten, mal schauen.

Es wunderte mich also keineswegs, dass ich nach der Ankündigung der Verlosungen etliche Anrufe und E-Mails von entfernten Bekannten und Hörern erhielt, die sich als größte Bowie-Fans überhaupt bezeichneten und so gewissermaßen ein Anrecht für sich auf eines dieser fünf Tickets beanspruchten. Das brachte uns in der Musikredaktion auf die Idee, die Latte für den Gewinn sehr hoch zu legen: Das Fantum sollte bewiesen werden. Die Leidenschaft für Bowie und seine Musik müsste in Form von Schallplatten, CDs, Zeitungsausschnitten, Postern, Geschichten, Fotos und anderer Paraphernalia mess- und belegbar sein.

Also luden wir die Fans an einem Nachmittag im September 2002 ins Neue Ufer in der Hauptstraße 157 in Schöneberg ein. Sie sollten ihre Bewerbung in dem Café präsentieren, in dem Bowie, als es noch Anderes Ufer hieß, mehr als nur einen Espresso getrunken hat. Er war hier jahrelang Nachbar und wohnte, ebenso wie Iggy Pop, nur ein Haus weiter.

Die Anrufe der Fans ließen nach dieser Ankündigung nach, nur eine Hörerin blieb hartnäckig. Ihre Andeutungen und Bitten um ein Gespräch in Sachen Bowie waren eindringlich und überzeugend. Das war kein Groupie und auch kein Stalker – meine Neugier war geweckt und ich stimmte einem Treffen mit ihr zu.

Die Hörerin kam nicht allein, es war eine kleine, ausgesprochen freundliche und höfliche Clique von drei oder vier jungen Frauen und Männern. Das Gespräch ließ sich schwer an, irgendwie redeten sie vorsichtig und in Andeutungen um den heißen Brei herum.

Da gäbe es etwas – schwierig, schwierig, nicht leicht zu erklären, sie bitten um Diskretion – und niemand wolle Radio Eins oder mich benutzen, aber dieses „Meet and Greet“ wäre eine einmalige Gelegenheit… und dann ließen sie die Katze aus dem Sack: Bowie habe einen unehelichen Sohn in Berlin, ein guter Freund von ihnen. Ein feiner junger Mann ohne böse Absichten, der keine Ansprüche zu stellen gedenke, nur endlich einmal seinem vermeintlichen Vater gegenüberstehen wolle, um zu spüren, ob er etwas spürt.

Ich weiß noch gut, was ich spürte: Ich fühlte mich gar nicht wohl. Investigativer Journalismus schön und gut, aber sich in zwei Leben einzumischen und eine solche Konfrontation Vater – Sohn, wenn es denn so wäre, zu befördern, das erschien mir mehr als gewagt. Und ich war mehr als skeptisch. Aber kennenlernen wollte ich den jungen Mann schon und herausfinden, was an der Geschichte dran war.

Doch bevor es zu diesem Zusammentreffen kam, tauchte ich in „meinen“ Bowie ab und legte jede Menge Scheiben auf. „Ziggy Stardust“, „Hunky Dory“, „Aladdin Sane“, natürlich „Low“ und „Station To Station“, meine Lieblingsalben. Aber auch das damals aktuelle „Heathen“, Anlass der Tournee und des Konzerts in der Max-Schmeling-Halle.

Ich schmökerte in der einen oder anderen Biografie und rief mir die wenigen „persönlichen Begegnungen“ ins Gedächtnis. Mein erstes Bowie-Konzert 1976 in der Deutschlandhalle. Bowie im Dschungel, zwei-, dreimal, oben auf der Empore. Bowie als Keyboarder bei einem Iggy-Pop-Konzert, ich glaube im Metropol. Bowie im Harlekin in der Wartburgstraße, im hinteren Raum – da wo Bernd Feuerhelms Jukebox-Sammlung stand – im Gespräch mit Dennis Hopper.

Bernd, der Chef dieser über einige Jahre besten (West-)Berliner Rock’n’Roll-Bar, legte an jenem Abend ein wenig zu oft Bowie-Songs auf, und Sylvie, die Chefin (R.I.P.), kommentierte das mit einem leicht süffisantem Lächeln. Bowie hörte souverän darüber hinweg.

1987 arbeitete ich, wie die meiste Zeit in den Achtzigern, im Hansa-Tonstudio, dem Ort, an dem „Low“, „Heroes“ und „Baal“ aufgenommen wurden, als es hieß: „Bowie kommt!“. Warum? Wofür? Ein neues Album? Nein, nur eine kleine Probe für das Konzert am 6. Juni 1987 vor dem Reichstag. Tatsächlich mussten, wie ich Jahre später herausfand, wohl nur die englischen Roadies beschäftigt werden, die zu der Zeit immer noch immens starke britische Musikergewerkschaft verlangte auch auf Tourneen einen bestimmten, minimalen Arbeitseinsatz, der sonst nicht eingehalten worden wäre.

Und so schraubten die drei besten Hansa-Toningenieure Garreth Jones, Matthias Härtel und Eduard Meyer (vom letzteren wird noch die Rede sein) zwei, drei Tage lang an einer Luftnummer herum, gewissermaßen einer Pseudoversion von „Time Will Crawl“, einem Song, der bereits im April auf dem Album „Never Let Me Down“ erschienen war…

Aber Bowie war mal wieder im Hansa!

Und ich stand knietief in Bowies Vita, seiner Musik, meinen spärlichen persönlichen Erlebnissen mit ihm, als es zum Treffen mit David kam. Ja, der mögliche Berliner Sohn von David Bowie hieß David, deutsch ausgesprochen. Soviel wusste ich also. Was ich nicht wusste, ist, dass es mir die Sprache verschlagen würde, als ich David traf: Vor mir stand David Bowie. Etwas größer vielleicht, natürlich jünger, etwa Anfang zwanzig, aber das war David Bowie. Eindeutig, ohne Zweifel. Der Sohn, der vom Himmel fiel.

Und so erzählte mir David seine Geschichte. Die Geschichte, mit der er groß geworden war, seine Legende. Ich denke, vieles von dem, was er mir erzählte, gehört nicht hierher. Nur so viel, dass seine Mutter früh starb und er bei seiner Großmutter aufwuchs, die ihm immer erzählte, dass David Bowie sein Vater sei. Und dass alle Versuche, eine Annäherung oder Klärung zu erzielen, ohne Erfolg geblieben seien.

Dies alles klang durchaus glaubwürdig und logisch - mit der Ausnahme des Geburtsjahrs. 1982, wenn ich mich richtig erinnere. Das erschien mir zu spät, stimmte nicht so richtig mit Bowies „Berliner Jahren“ überein. Andererseits war Bowie ja auch nach seinem Wegzug 1979 häufig in Berlin. Ich musste allerdings auch an Ben Becker denken, dessen Stimme der von Otto Sander so enorm ähnelt, obwohl Otto Sander „nur“ der Zieh-, aber nicht der leibliche Vater ist.

So sehr mich das alles auch beschäftigte, meine Entscheidung, hier kein Treffen von David (englisch) und David (deutsch) bewusst zu arrangieren, blieb davon unberührt. Wer bin ich, was kann, will und darf ich mir anmaßen? Ich erklärte das David und seinem Freundeskreis, und ich hatte das Gefühl, dass meine Haltung akzeptiert wurde.

Es kam also zwei Wochen vor dem Konzert zu der Radio-Eins-Aktion im Neuen Ufer. Meine Kollegin Anja Caspary und ich konnten ein gutes Dutzend Bowie-Fans begrüßen, die ihre Devotionalien präsentierten. Mir verschlug es die Sprache: Was Hardcore-Fans nicht alles im Laufe der Jahre zusammentragen – es war unfassbar. Ordnerweise Zeitungsausschnitte, Schallplattensammlungen – zu groß, um sie mitzubringen und Fotos davon sollten und mussten als Beleg reichen, Plakate, Konzertkarten, Werbe-Aufsteller, Programmhefte, Fotos mit und ohne Signatur, Bowie-Look-a-Like-Prämierungen, Bowie-Garderobe und ein Bochumer Nummernschild „BO-WI“, das „E“ haben wir uns gerne dazu gedacht.

Den Clou aber lieferte Eduard Meyer, Bowies Tonmeister im Hansa-Tonstudio, der auch Cello-Parts auf „Low“ spielte, mit seinen persönlichen Erinnerungsstücken und natürlich den Geschichten, die er erzählen konnte. Ich kannte Edu aus meiner Zeit im Hansa und freute mich sehr, ihn wieder zu sehen, wenn ich mich auch ein wenig wunderte, dass selbst er diesen Weg suchen musste, um wieder mal Kontakt zu Bowie zu bekommen.

Letztlich aber zeigte es, dass wir uns hier in der Champions League der Popwelt bewegten.

So oder so, Edu war eindeutig der König des Tages und die anderen Bowie-Fans lagen ihm, der mehr als einmal mit dem Meister gearbeitet hatte, förmlich zu Füßen. Auch die weiteren Verlosungsgewinner wurden gekürt und wir wollten uns dann in der Max-Schmeling-Halle zum Konzert wiedersehen.

Es wurde ein denkwürdiger Abend. Schröder blieb Bundeskanzler (ja, es wurde an diesem Tag in Deutschland gewählt) und Bowie spielte, inklusive zweier langer Zugaben, 31 Songs. Hits wie „Ashes To Ashes“, „Let’s Dance“ oder „Ziggy Stardust“ aber auch Titel aus seiner Berlin-Phase, „Heroes“ natürlich, „Warszawa“ oder „Be My Wife“ mit diesen simplen Zeilen schierer Verzweiflung: „Sometimes you get so lonely, sometimes you get nowhere“.

Nach der Show traf ich mich mit den fünf aufgeregten Gewinnern vor der Garderobe. Neben Eduard Meyer kam mir eine junge Frau irgendwie bekannt vor.

Kurz bevor wir zu Bowie vorgelassen wurden, outete sie sich als eine der Freundinnen des deutschen David. Die Freunde des mutmaßlichen Sohns hatten es also doch tatsächlich geschafft, in einer konzertierten Aktion jemanden in dieses Treffen mit Bowie zu schmuggeln! Einerseits nötigte mir so viel Engagement und Solidarität mit dessen Anliegen jede Menge Respekt ab, andererseits fragte ich mich schon, was da jetzt gleich geschehen würde. Auf meine Nachfrage sagte sie mir, dass sie einen persönlichen Brief von David (deutsch) an David (englisch) übergeben würde, mehr nicht. Aber auch nicht weniger. Ich sollte ihr das nur nicht auszureden versuchen. Tat ich auch nicht, warum auch?

Wir wurden in einen Backstage-Raum geführt und kurz darauf erschien ein sichtlich aufgeräumter und zufriedener Bowie. Der Tourmanager stellte mich vor, ich sagte Bowie, das hier sind seine größten Berliner Fans, die haben das „Meet and Greet“ von Radio Eins gewonnen und den hier, Eduard Meyer, würde er vielleicht noch kennen? Bowie zieht kurz die Augenbrauen hoch, und dann, tatsächlich, große Freude. „Edu!“

Wunderbar, der Teil der Übung wäre gelungen. Bowie nimmt sich Zeit für die Fans, redet, signiert, lässt Fotos zu – und nimmt schließlich irgendwann mit fragender Miene den Brief der jungen Frau in Empfang.

Ich bin mir sehr sicher, dass ich erfahren hätte, wenn Bowie auf den Brief reagiert hätte. Hat er wohl nicht. Und mehr als einmal ging mir diese Geschichte durch den Kopf, in all ihren Aspekten, mit allem für und wider.

War Bowie der Vater? Und, wenn ja, war es eine Liebe, eine Liebelei, eine Affäre, ein One-Night-Stand? Wie kann ein Mann Vater eines Sohns sein, von dem er vielleicht nie wusste, den er nie gekannt und erlebt hat? Wie viele kleine Bowies mag es weltweit geben? Vielleicht gar keine? Wie hatte sich die Mutter gefühlt, wenn, ja wenn Bowie der einzig mögliche Vater war? Und, immer wieder, wie muss sich David fühlen, Sohn oder nicht Sohn?

Der Kontakt zum Berliner David und seinen Freunden ließ nach und schlief schließlich ein. Doch die Geschichte war noch nicht zu Ende, denn nicht einmal ein Jahr nach „Heathen“ und dem Konzert samt „Meet and Greet“ hieß es wieder: „Bowie kommt!“

Und dieses Mal kam nicht nur ein neues Album „Reality“, ein weltweit via Satellit übertragenes Live-Event aus London am 8. September 2003, eine neue Tour und ein weiteres Konzert in der Berliner Max-Schmeling-Halle am 3. November 2003 – nein, dieses Mal kam Bowie auch zu uns ins Studio, live nach Potsdam Babelsberg! Montag, der 1. September 2003 um 19 Uhr. Au Mann. Wir reden hier nicht von irgendwem, wir reden von David Bowie!

Es war schnell klar, dass dieses Live-Interview mein Job werden würde. Glauben Sie jetzt nicht, dass man sich automatisch um solche Interviews reißt, so nach dem Motto „Ein Skalp mehr am Gürtel“ oder „Ich hatte sie alle!“ Weit gefehlt. Jedenfalls, wenn man halbwegs selbstkritisch durchs Leben geht und seinen Job ernst nimmt. Künstler wie Bowie sind Respekt einflößend. Sie dürfen ein vernünftiges Interview erwarten, serious business. Der Hörer wiederum darf eine unterhaltsame Stunde erwarten, that’s entertainment. Künstler wie Bowie sind Profis, sie erwarten eine ebensolche Behandlung. Das bedeutet, dass der Interviewer das künstlerische Werk kennt. Vor allem das aktuelle Album, deswegen kommen sie schließlich, selbst Bowie. Der Hörer möchte vielleicht ein wenig Buntes aus dem Leben des Stars serviert bekommen. Und der Star hat vielleicht einen Sohn in Berlin.

Da war er also wieder: „Der Sohn, der vom Himmel fiel“.

Nein, diesmal haben mich David oder seine Freunde nicht kontaktiert. Vielleicht waren sie enttäuscht von mir, vielleicht hatten sie Verständnis und wollten mich nicht nochmals in Gewissenskonflikte bringen. Aber der Film lief in mir ab. Kopfkino.

Am 1. September 2003 kam also die Superstar-Patrouille über Radio Eins!

Das Management schickte erst einmal interne Sicherheitsleute durch die Redaktion. Wo führt jene Tür hin? Wer kann über diese Treppe kommen? Wie viele Mitarbeiter werden um diese Uhrzeit noch in der Redaktion sein? Für sie business as usual – für uns aufregend.

Und dann: Wenn sich 20 Menschen die Nasen an der Studioscheibe platt drücken, bekommen Sie ein schlechtes Interview! Und außerdem: Nein, keine speziellen Wünsche, Wasser, Saft, Kaffee. Und: „Reden Sie mit ihm über das neue Album, ,Reality‘, bitte nicht über Berlin!“ Nun ja.

Normalerweise arbeiten an einem Montagabend gegen 19 Uhr sieben, acht Menschen in unserer Redaktion. An diesem Tag hatten wenigstens 25 Kolleginnen und Kollegen noch Dringendes zu erledigen. Bowie nahm es gelassen. Ein entspannter Studiogast, sich seiner charismatischen Wirkung durchaus bewusst. Pünktlich, locker, höflich…

Nachrichten, Wetter, Verkehr – und los. Die wichtigen Momente eines Live-Interviews im Radio sind nicht so sehr die, die der Hörer mitbekommt, die Fragen und Antworten. Entscheidend sind die drei, vier Minuten, in denen Musik läuft, in denen Moderator und Gast allein miteinander sind. Gelingt es, in diesen Minuten etwas wie Interesse, Neugier, Akzeptanz aufzubauen, bekommen Sie ein vernünftiges, vielleicht ein gutes Interview. Wenn nicht, gibt es eben nur Routine.

Beim ersten Song, ich glaube, es war „New Killer Star“, verschwindet Bowie nahezu unter den Kopfhörern, kein Blickkontakt ist möglich. Erste Gesprächsrunde, alles o.k., aber eben nur o.k. Zweiter Song, wieder taucht Bowie ab, ich traue mich und gebe ihm ein Zeichen, die Kopfhörer abzusetzen, die Musik wird er ja wohl kennen. Und frage ihn, ob es sein kann, dass ich ihn so um 1977, morgens gegen fünf oder sechs Uhr, Pallas-/Ecke Potsdamer Straße auf einem Fahrrad gesehen habe? Und gleich hinter ihm Iggy Pop, kräftig strampelnd?

„Bitte nicht über Berlin reden“, fällt mir ein. Bowie lacht, ja, kann schon sein, „wir hatten prima Räder", und nach den Berliner Nächten seien er und Iggy mehr als einmal mit dem Fahrrad unterwegs gewesen, „oft bis raus zum Wannsee, früh am Morgen baden gehen, eine großartige Zeit“ – puh, das Eis ist gebrochen.

Wir reden, on air und off air, über Tony Visconti, Phillip Glass, 9 / 11, Islam und Christentum, Geld, älter werden, „Blade Runner“, „Matrix“, Paranoia, sein privates Leben mit Familie als Engländer in New York, Stromausfälle, „Ziggy Stardust“, „Major Tom“, Romy Haag, Kreativität, Vorbildfunktionen, „Tin Machine“, Downloads, Lou Reed, Menschen als Kunstobjekte – und darüber, ob Marc Bolan wirklich die Gitarre auf der 7. Version von „Prettiest Star“ spielte? Ja, spielte er.

Und am Ende dieser wundersamen Stunde, die natürlich wie im Flug vergangen ist, konnte ich nicht den Blick von der Flasche „Vittel“ lassen, aus der Bowie getrunken hatte. Das Mineralwasser, für das er damals Werbung machte, und das wir natürlich für ihn besorgt hatten. Und diese Flasche und das Glas, das er benutzt hatte, zwinkerten mir zu und riefen: „DNA-Probe! Der Sohn, der vom Himmel fiel! DNA-Probe!“

Mir war schlecht.

Bowie hatte das Studio verlassen, zog sich kurz in eine Art „Backstage-Raum“, den wir für ihn vorbereitet hatten, zurück. Danach würde er Autogramme geben und sich mit dem Team fotografieren lassen.

Und ich, ich würde eine Wasserflasche und ein Glas sehr sorgfältig spülen, die Flasche entsorgen, das Glas abtrocknen und es zurück in den Schrank stellen.

Peter Radszuhn, geboren 1954 in Berlin, ist seit den Siebzigern als Musiker, DJ und Produzent und Musikjournalist tätig. Seit 1997 ist er Musikchef des RBB-Hörfunksenders Radio Eins.

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