David Garretts kleine Schwester macht Popmusik : Mit Ukulele statt Geige

David Garretts kleine Schwester Elena veröffentlicht ihr Debütalbum. Statt Geige spielt sie Klavier, Schlagzeug und Ukulele - und singt auf Deutsch.

von
Elena hat ein bisschen gebraucht, um sich von ihrem berühmten Bruder zu emanzipieren. Jetzt macht sie ihr eigenes Ding: Pop.
Elena hat ein bisschen gebraucht, um sich von ihrem berühmten Bruder zu emanzipieren. Jetzt macht sie ihr eigenes Ding: Pop.Foto: promo

Helge Schneider!“ Die Antwort nach dem Wunschduettpartner kommt ziemlich prompt. Dass Elena, Wahlhamburgerin, ausgebildete Jazzmusikerin und neuerdings auch Popsängerin, nicht ihren großen Bruder als Wunschkandidat angibt, ist allerdings auch kein Wunder: Als kleine Schwester von Stargeiger David Garrett hat die 28-Jährige eine Weile gebraucht, um ihren eigenen Weg zu finden. Inzwischen – drei Studienabschlüsse, eine mittelgroße Identitätskrise und ihr erstes Studioalbum später – scheint ihr das ganz gut gelungen zu sein. „Ich gehöre zu dieser Generation, die drei Sachen in sechs Jahren studiert und trotzdem das Gefühl hat, nichts richtig zu wissen“, sagt sie beim Kräutertee im Charlottenburger Hotel Q. Vor etwa drei Jahren sei dann klar gewesen, dass sie weder klassische Jazzsängerin noch Kulturmanagerin sein, sondern einfach ihr Ding machen wolle: singen. Und zwar auf Deutsch, Popmusik, mal Richtung Schlager, mal ein bisschen angejazzt, mal mit Hiphop-Einlagen. Für letzteres hat sie für ihr am 29. April erscheinendes Album „Elena“ zwei Songs mit Curlyman und Flo Mega aufgenommen.

Ihr Debütalbum hat Elena in Kreuzberg aufgenommen

Elena heißt mit vollem Namen Elena Bongartz; wie auch ihr großer Bruder nicht als David Garrett, sondern als David Christian Bongartz auf die Welt kam. Geschrieben hat Elena alle Songs selbst. Das Album entstand mit dem Produzenten Kraans de Lutin, der auch mit Seeed und Tim Bendzko zusammengearbeitet hat. Und, aufgenommen in Kreuzberg, ist es ein Berliner Werk geworden: „Ohne den täglichen Weg zum Studio über die Oberbaumbrücke und die Warschauer Straße, vorbei an den Straßenmusikern und an Universal, wäre es eine andere Platte geworden.“

Die Gegensätze der Köpenicker Straße
Am U-Bahnhof Heinrich-Heine-Straße liegen zersplitterte Bierflaschen und Kronkorken auf dem Radstreifen. Junge Leute in Sonnenbrillen stehen am frühen Morgen zerstreut am Dönerstand. Nur: Wie lange noch kann das so weitergehen, wenn nebenan gebaut wird?Weitere Bilder anzeigen
1 von 37Foto: Henning Onken
01.04.2016 10:57Am U-Bahnhof Heinrich-Heine-Straße liegen zersplitterte Bierflaschen und Kronkorken auf dem Radstreifen. Junge Leute in...

Die Stadt, groß, unfertig, mit dem Mut zur Dreckigkeit, sei eine Inspiration gewesen. Die gebürtige Aachenerin, die schon in Maastricht und San Diego gelebt hat, hat zwar ihre Wohnung in Hamburg, „aber in Berlin auch eine Zahnbürste“. Und eigentlich sei sie eh dauernd unterwegs, sagt sie und lacht.

Klavierunterricht, Jazzstudium und Girlie-Pop

Wie sie da so sitzt, die braunen Haare zur Palme hoch auf den Kopf gebunden, mit großen Glitzerohrringen, in Fransenminirock und Turnschuhen, und gar nicht dazu kommt, ihren Tee zu trinken, hat man unweigerlich den Neunziger-Jahre-Begriff Girlie im Kopf – und ein bisschen klingt auch ihre Platte danach. Den Begriff findet sie selbst zwar eher „okay“ als richtig passend, „aber mir war schon wichtig, dass meine Texte und Melodien leicht und fluffig rüberkommen.“ Fluffig, noch so ein Neunziger-Wort, das scheint sie tatsächlich ernst zu meinen. „Traurige, getragene deutschsprachige Popsongs gibt es schon so viele!“ Außerdem: nur zu verständlich, dass für sie der Spaß bei der Musik jetzt endlich im Vordergrund stehen soll – nachdem sie ab dem sechsten Lebensjahr Klavierunterricht bekam, während sie den großen Bruder täglich acht Stunden Violine üben hörte und sich später durch das „ziemlich kopflastige“ Jazzstudium quälte. Klavier spielt sie immer noch, Schlagzeug und Ukulele sind dazugekommen. Welche Instrumente sie während ihrer Mini-Tour Ende Mai noch auspacken wird, will sie noch nicht verraten. Bei den Auftritten in kleineren Clubs in Hamburg, Frankfurt, Köln und Berlin wird sie außerdem von einer Band begleitet.

"Mein Bruder ist ein ziemlich guter Geschäftsmann"

Dass sie so ziemlich alles anders macht als der berühmte Bruder, das wird im Gespräch mit Elena deutlich. Aber gibt es irgendwas, das sie sich doch von ihm abgeguckt hat? „David ist ein ziemlich guter Geschäftsmann, in der Hinsicht habe ich ihn schon öfter um Rat gefragt.“ Musikalisch hätten sie sich irgendwann drauf geeinigt, dass jeder sein eigenes Ding macht. Klingt so, als sei es durchaus wahrscheinlicher, dass sie mal mit Helge Schneider auf der Bühne steht als mit ihrem großen Bruder.

Das Album „Elena“ erscheint am 29. April, am 22. Mai spielt sie im Auster Club, Pücklerstraße 34, 10997 Berlin. Mehr Infos auf www.elena-singt.de

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben