DB-Werkstätten in Grunewald : Die Bahn bereitet sich auf den Winter vor

Damit es im Winter kein Chaos gibt, werden in Grunewald bereits die Schneefahrzeuge der Bahn gewartet.

Felix Keßler
Schneeschleuder in Grunewald. Während der Sommermonate bereitet die Bahn ihren Maschinenpark auf den Wintereinsatz vor. Foto: Gregor Fischer/ dpa
Schneeschleuder in Grunewald. Während der Sommermonate bereitet die Bahn ihren Maschinenpark auf den Wintereinsatz vor.Foto: Gregor Fischer/ dpa

In den Werkstätten der Deutschen Bahn in Grunewald klettert das Thermometer auf 25 Grad. Doch während die Sommersonne auf die Dächer der Hallen brennt, schrauben die Mechaniker an Schneefräsen und Räumpflügen. Zur Erinnerung: Wir schreiben Anfang August. "Die frühen Vorbereitungen sind nötig, damit beim ersten Schnee alles einsatzbereit ist", sagt Bahn-Sprecherin Maja Weihgold.

In den schneefreien Monaten - für die Bahn ist das der Zeitraum von Mai bis Oktober - werden die Schneefahrzeuge fit gemacht. Sie sollen das mit den ersten Schneeflöckchen eintretende Winterchaos abwenden, das Berliner Pendler regelmäßig in den Wahnsinn treibt.

Fast 80 Jahre alte Fahrgestelle

"Dafür stehe ich mit meinem Namen", sagt Werkstattleiter Rocco Frommke zur Einhaltung der Frist. Aktuell sehe es gut aus mit dem Zeitplan. Die Deutsche Bahn kann deutschlandweit auf 70 große Räumfahrzeuge zurückgreifen, die Werkstatt BGD 1 in Grunewald ist für das Gebiet der neuen Bundesländer zuständig. Im Berliner S-Bahn-Netz sind zudem viele kleinere Fahrzeuge im Einsatz - und zur Not werden die Gleise von Hand freigeschaufelt. Den fast 55 Tonnen schweren Schneepflug, den einer der Mechaniker in die pralle Mittagssonne fährt, wird man auf der Ringbahn also nicht sehen.

Ein Blick auf das Baujahr des roten Monstrums offenbart dann möglicherweise auch einen Grund für die frühe Wartung: 1938, die Fahrgestelle kommen noch von der Reichsbahn. Die Struktur der ehemaligen Dampflok wurde beibehalten, die Wassertanks sind jetzt mit Betongewichten gefüllt. Wasser würde ja auch gefrieren. Dort, wo einst Kohlen und Kessel waren, befindet sich jetzt nur noch eine Heizung für den Pflugführer. Der museumsreife Räumpflug braucht für Fahrten durchs Schneegestöber dementsprechend zusätzlich eine Schiebelok mit Führer.

Anders sieht das bei der Schneeschleuder aus, deren zwei große Propeller den Schnee von den Gleisen saugen und im hohen Bogen zur Seite pusten sollen.

ICE-Strecken werden zuerst geräumt

Ab 40 Zentimeter Schneehöhe wird der Koloss eingesetzt, zuerst auf ICE-Strecken, später dann auf anderen Verbindungen. Möglichst ohne dabei benachbarte Gleise unter einer noch höheren Schneedecke zu begraben. In der Sommerhitze schwer vorstellbar. Die Schleuder wirkt eher wie ein aus dem nahen Halensee aufgetauchtes U-Boot. Von Wintereinbruch (zum Glück) noch keine Spur.

Von Problemen mit dem antiken Pfluggerät auch nicht. Einer von Frommkes Kollegen zieht an einem Hebel und das meterhohe „Räumblatt“ bewegt sich zischend zur Seite. „Da steckt ordentlich was an Druck hinter“, sagt Frommke über die Luftdrucksysteme der Maschine.

Deshalb müssen die Schlauchleitungen überall geprüft werden, Bremsen, Lichter und Motoren sowieso. Auch in den Sommermonaten werden die Wintergeräte bereits bewegt. Und zwar von ihren zukünftigen Fahrern. Das sind manchmal auch Schlosser aus Grunewald, die eine zusätzliche Ausbildung absolviert haben. Sie müssen die Strecken, die sie später räumen sollen, bereits im Vorhinein genau kennen. Hinzu kommen Tausende Kollegen, die im Notfall die bundesweit 70 000 Weichen auftauen oder an Bahnhöfen Salz streuen.

Dass Verspätungen und Zugausfälle bei Schnee und Eis trotzdem vorkommen können, weiß man auch bei der Bahn. Den Reisenden hilft dann nur noch der Gedanke an warme Sommertage.

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