DDR-Geschichte : Robert-Havemann-Archiv zieht nach Lichtenberg

Weil in Prenzlauer Berg der Platz für das stetig wachsende Archiv der DDR-Opposition nicht mehr reichte, zieht das Robert-Havemann-Archiv um.

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Der damalige Bundespräsident Joachim Gauck Besucht 2014 das Robert-Havemann-Archiv
Der damalige Bundespräsident Joachim Gauck Besucht 2014 das Robert-Havemann-ArchivFoto: Wolfgang Kumm/dpa

Nanu? Im hinteren Quergebäude eines Mietshauses in der Schliemannstraße in Prenzlauer Berg hängt am schwarzen Brett diese Aufforderung an die „lieben Mieter“: „Der Politik zum Wohle des Volkes geben wir unsere Zustimmung. Deshalb gehen wir am Sonntag um 9 Uhr gemeinsam zur Wahl. Die Hausgemeinschaftsleitung HGL“. Ach, die alten Zeiten mit dem Zettelfalten für die Kandidaten der Nationalen Front!

Damit sie nicht vergessen werden, gibt es Archive mit Schriftstücken, die der Nachwelt über das Leben in einem fernen Land berichten. Hier hat sich die Robert-Havemann-Gesellschaft als Archiv der DDR-Opposition einen Spaß gemacht und eine Kopie aus ihrem Bestand an die Wand gepinnt. Als Abschiedsgruß gewissermaßen. Denn die Gesellschaft ist, weil das Haus in der Schliemannstraße umgebaut wird, nach Lichtenberg gezogen, in die Ruschestraße 103.

Längst gab es in dem Hinterhaus in Prenzlauer Berg keinen Platz mehr – Geschäftsführer Olaf Weißbach erzählt, dass auch nach 25 Jahren immer wieder neue Dokumente das Archiv der Untergrundarbeit gegen die DDR bereichern. „Die Protagonisten von damals werden älter, trennen sich von diesem und jenem, vor allem das Fotoarchiv mit 23.000 Bildern wächst explosionsartig“.

Dokumente werden für Uni-Arbeiten und Monografien genutzt

Wer nutzt das? Leute für Promotionen und Abschlussarbeiten, Autoren für Monografien, Historiker. Die Hälfte aller Anfragen kommt aus dem Ausland. Und kaum eine Ausstellung über die DDR kommt ohne die Gesellschaft aus. 60.000 Besucher hatte das Archiv mit seiner Bibliothek anno 2016.

In der Ruschestraße ist man Nachbar der vor einem Jahr eröffneten erfolgreichen Ausstellung über die DDR-Bürgerrechtsbewegung im Hof des Stasi-Komplexes. Und ganz nah an der eigenen Thematik: Wohin die Havemanns jetzt gerade umziehen, da saß früher der Geheimnisschutz des Ministeriums für Staatssicherheit.

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