Debatte um das Tempelhofer Feld : Bloß keine Bäume!

10.08.2012 21:56 UhrVon Volker Hassemer
  • Viel Beton, und trotzdem schön: Auf dem Tempelhofer Feld finden alle Freizeitsportler, Spaziergänger und Griller ihren Frieden. Foto: Kai-Uwe Heinrich
    Viel Beton, und trotzdem schön: Auf dem Tempelhofer Feld finden alle Freizeitsportler, Spaziergänger und Griller ihren Frieden. - Foto: Kai-Uwe Heinrich
  • 8.5.2011: Seit einem Jahr ist das Tempelhofer Feld eröffnet. Zum Jubiläum wurde über die zukünftige Gestaltung diskutiert, gefeiert - und gegärtnert und gesägt. Foto: Paul Zinken
    8.5.2011: Seit einem Jahr ist das Tempelhofer Feld eröffnet. Zum Jubiläum wurde über die zukünftige Gestaltung diskutiert, gefeiert - und gegärtnert und gesägt. - Foto: Paul Zinken
  • Lieb gewonnen. Viele Berliner möchten, dass das Feld bleibt, wie es ist. Foto: Kai-Uwe Heinrich
    Lieb gewonnen. Viele Berliner möchten, dass das Feld bleibt, wie es ist. - Foto: Kai-Uwe Heinrich

Vor drei Wochen forderte Anna Sauerbrey auf unseren "Mehr-Berlin-Seiten" Bäume für das Tempelhofer Feld. Dagegen findet der Chef der Stiftung Zukunft Berlin: Einer so einzigartigen Fläche wie dem Flugfeld darf man nicht mit Gestaltungen kommen. Hier antwortet er.

Liebe Frau Sauerbrey,

ja, ich liebe sie auch, die Berliner Bäume in den großen Wäldern der Stadt und vor allem die Straßenbäume, von denen Sie schreiben, fast eine halbe Million haben wir davon. In den achtziger Jahren habe ich als Umweltsenator Tausalz in den Straßen verboten, weil man damals ihre Gefährdung durch das Salz befürchten musste.

Und ich liebe das Wasser hier in Berlin in dieser Wasserstadt Nummer eins in Europa. Das Wasser der Seen, Flüsse und Kanäle, sogar das Grundwasser in Berlin und Brandenburg.

Das ist ein unterschätzter Reichtum. Und ich liebe das Grün überall, in den Parks, auf den Mittelstreifen, in den Gärten. Deswegen haben wir trotz der Euphorie von 1989 und unseren Träumen von neuen baulichen Entwicklungen in Berlin nach der Mauer die Zahl und Quadratmeter der Parks nicht verkleinert, sondern vergrößert.

Schön grün - die Gärten auf dem Tempelhofer Feld:

Aber ich liebe auch die Treppen da unten im Tal des Reichstags an der Spree und will da weder Baum noch Strauch haben. Ich liebe eben auch die steinerne Stadt mit ihren Pflastern und Wänden. Das Tempelhofer Feld mit seiner Geschichte und seiner innerstädtischen Grenzenlosigkeit hat noch mehr Aufgaben und Zukünfte als die grünen. Auch wieder typisch: Bei aller Pracht ist das Grün in Berlin ein städtisches. Es hilft mit, eine Stadt zu schaffen, die wie kaum eine andere vom Wert des Grünen in der Stadt Zeugnis ablegt.

Was ich nicht liebe, ist, wenn es in einer Stadt überall alles von etwas Schönem und vielleicht sogar in der immer gleichen Art geben soll. Ich liebe das Anderssein der Stadt von Abschnitt zu Abschnitt. Ich liebe Städte, in denen man sich vor Überraschungen nicht sicher sein kann. Ich liebe die Fülle des Unterschiedlichen, das die Stadt zu bieten hat. Wenn man immer wieder sagen kann: „Dass es auch so was hier gibt ...“

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Unser/e Leser/in blinder meint zum Artikel: Besuch im Reichstag bleibt umständlich:
Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
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