Debatte um Hitler-Box : Blechschaden mit Folgen

Das verbeulte Kunstwerk im Reichstag löst eine Debatte über Nazi-Abgeordnete aus. Der Künstler wehrt sich gegen den Vorwurf, er habe die Wahl von 1933 als frei und demokratisch dargestellt.

Das Kunstwerk im Reichstag mit der Hitler-Box.
Das Kunstwerk im Reichstag mit der Hitler-Box.Foto: dpa

In der Kontroverse um die Kunstinstallation im Reichstag, bei der auch an Adolf Hitler und weitere 286 NSDAP-Abgeordnete erinnert wird, möchte sich Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) nicht äußern. Offen lässt er auch, ob sich der Ältestenrat des Bundestags mit dem Werk des französischen Künstlers Christian Boltanski beschäftigen werde, wie es die SPD-Abgeordnete Eva Högl anregte.

Die Installation im Keller des Reichstags erinnert mit 4781 Metallboxen an alle „frei und demokratisch“ gewählten Abgeordneten des Reichstags und des Bundestages zwischen 1919 und 1999. Die Beschädigung von Hitlers Box durch Unbekannte hatte eine Kontroverse ausgelöst, ob die Wahl vom 5. März 1933 noch als frei und demokratisch gelten könnte. Bundestagspräsident Lammert hat dies in zwei Reden verneint. Handwerker des Bundestages haben, wie berichtet, zum Jahreswechsel Hitlers Metallkiste wieder reparieren lassen, ohne aber alle Beschädigungsspuren tilgen zu können.

Die Vorsitzende des Kulturausschusses des Bundestags, Monika Grütters (CDU), hält eine Reparatur „aus Respekt vor dem Kunstwerk“ für notwendig. Eine Entfernung Hitlers und der NSDAP-Abgeordneten hält sie für falsch. „Wegräumen, verstecken, verändern ist keine Option“, sagte Monika Grütters. Es gehe darum, „wie souverän wir mit unserer Erinnerungsarbeit sind“. „Dieses großartige, explizit politische Kunstwerk will eine Auseinandersetzung anregen – jetzt haben wir eine Debatte, die uns guttut“, sagte die Abgeordnete und stellvertretende Berliner CDU-Landesvorsitzende. Grütters will im Kunstbeirat des Bundestags aber darüber sprechen, ob es an der Installation zusätzliche Informationen geben soll, um auf die umstrittene Wahl 1933 einzugehen. „Der Bundestag wäre gut beraten, den Künstler Christian Boltanski dabei einzubeziehen“, sagte Grütters.

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Der weltberühmte Künstler, der im Sommer 2011 mit einer spektakulären Installation bei der „Biennale“ in Venedig vertreten war, hat gegenüber dem Tagesspiegel bereits seine Bereitschaft zu Gesprächen mit dem Bundestag bekundet. Zugleich wehrt er sich gegen den Vorwurf, er selbst habe die Wahl von 1933 als „frei und demokratisch“ eingestuft. Vielmehr habe der Bundestag ihm die Liste zusammengestellt. Gerd Nowakowski

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