Demo-Sonnabend in Berlin : In den Park statt zum Protest

Bei schönem Wetter kamen 10 000 Teilnehmer zur Demo gegen Überwachung - weniger als von den Veranstaltern erhofft. Bei anderen Protestzügen war die Beteiligung noch viel geringer.

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Was guckst Du? Das Demo-Thema inspirierte viele Teilnehmer zu eigenen Plakat- Basteleien.
Was guckst Du? Das Demo-Thema inspirierte viele Teilnehmer zu eigenen Plakat- Basteleien.Foto: dpa

Der größte Feind war wohl die Sonne. „Sonnencreme und Wasser nicht vergessen!“, hatten die Organisatoren der Demo gegen den „Überwachungswahn“ im Internet gemahnt. Gerade das schöne Wetter am Sonnabend hielt offenbar viele potenzielle Teilnehmer vom Protest ab, so dass die Teilnehmerzahl geringer ausfiel als erwartet. Die vielleicht letzten schönen Sonnenstunden des Spätsommers waren zu verlockend – worunter auch die anderen Demonstrationen des Tages zu leiden hatten. Allerdings stimmte die Sonne auch friedlich: Zwischenfälle gab es keine zu beklagen. Die Polizei war mit 1800 Beamten im Einsatz, darunter Hundertschaften aus anderen Bundesländern.

Knapp 10 000 Teilnehmer dürften es bei der Demo gegen den „Überwachungswahn“ gewesen sein, die Veranstalter hatten mit dem Dreifachen gerechnet. Der schwarze Block der Autonomen war diesmal ein überschaubarer Haufen, dahinter liefen die Mitglieder der Parteien: Man wollte die Demo wahlkampffrei halten.

Die Teilnehmer hatten sich  ab 13 Uhr am Alexanderplatz versammelt. Ein breites Bündnis hatte zur diesjährigen Auflage von „Freiheit statt Angst“ aufgerufen. Mehr als 80 Organisationen, Verbände und Parteien forderten „ein Ende der Überwachung und klare Worte von der Regierung zum Geheimdienstskandal“. Auch in den Vorjahren hatten an der Demo bis zu 10 000 Menschen teilgenommen, in diesem Jahr aber hatten die Organisatoren wegen der NSA-Affäre bis zu 30 000 Menschen erwartet. Nach Angaben des Arbeitskreises Vorratsdatenspeicherung waren zur Mobilisierung bundesweit 150 000 Flugblätter und Aufkleber verteilt worden. Redner forderten am Alexanderplatz ein Ende der geheimdienstlichen und polizeilichen Überwachung und einen starken Datenschutz in Europa.

Die Straße des 17. Juni war schon um 6 Uhr früh gesperrt worden, damit die Busse der IG-Metaller parken konnen. Direkt am Brandenburger Tor trafen sich ab 12 Uhr etwa 2000 Gewerkschafter der IG Metall. Sie forderten „sichere und faire Arbeit für alle Beschäftigten“.

Gegen Mittag wurden auch die Straßen zwischen Brandenburger Tor und Hauptbahnhof gesperrt. Dort demonstrierten ab 14 Uhr rund 300 Fluglärmgegner am Kanzleramt gegen das „Milliardengrab BER“. Erwartet hatten die Veranstalter 6000 Menschen. Redner forderten eine bundesweite Gesetzgebung für ein Nachtflugverbot in Deutschland.

Am Nachmittag startete in der Reinhardtstraße in Mitte die 16. Auflage der Fuckparade. Ursprünglich war sie als Gegenbewegung zur kommerziellen Loveparade entstanden. In diesem Jahr wurden aber nur noch etwa sechs Lastwagen und 500 Teilnehmer erwartet. In Kreuzberg und Neukölln gab es am Mittag und am späten Nachmittag zwei weitere Demonstrationen. Einige hundert Kurden forderten, dass ihr Anführer Öcalan zur Lösung des Syrien-Konfliktes freigelassen werden soll. Die Demo zog am Nachmittag vom Hermannplatz zum Oranienplatz. Am späten Nachmittag startete am Kottbusser Tor die 21. „Lärmdemo gegen hohe Mieten und Verdrängung“. Gegen zu hohe Mieten wurde ab 14 Uhr auch am Mauerpark demonstriert. Ohne Störung  verlief in Köpenick ein „Kinderfest“ der NPD vor der Parteizentrale am Mandrellaplatz.

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