Demografie interaktiv : Wo Berlin am jüngsten ist - und wo am ältesten

Fernab der In-Bezirke liegt Berlins jüngster Kiez. Und im ältesten Kiez scheint die Zeit stillzustehen. Ein Besuch an zwei Orten, die für Extreme stehen - und alle Kieze im Überblick.

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Die Baukräne sind das Erste, das man sieht. Wie Stelzvögel ragen sie hinter einem langen Bauzaun in die Landschaft. Vom S-Bahnhof Adlershof führt eine breite Straße, die Rudower Chaussee, nach Süden. An der Wand der Gleisunterführung hängen Konzertplakate und Werbung für einen Sexspielzeugladen. Einen klassischen Stadtkern mit Cafés und Kneipen hat Adlershof West nicht, dafür einen Smoothie-Laden, einen Waschsalon, die Zentrale einer Krankenversicherung. Wohnhäuser sieht man hier erst mal keine. Willkommen in Adlershof West – laut Landesamt für Statistik der Kiez mit den meisten jungen Bewohnern und eben nicht im Zentrum gelegen, sondern weit im Südosten der Stadt. Knapp 50 Prozent der Bewohner sind jünger als 27 Jahre.

Etwas die Chaussee hinunter liegt der Campus der Humboldt-Universität. Weit verteilt stehen die Gebäude, dazwischen thront der alte Windkanal. 1998 hat die HU diesen Campus eröffnet, mehr als 6000 Studenten studieren jetzt hier. Um die Universität haben sich Firmen und Institute angesiedelt, laut der Webseite des Ortsteils ist der Kiez „Deutschlands modernster Technologiepark“. Und damit die, die dort arbeiten, auch dort wohnen können, werden jetzt Wohnungen gebaut, laut Webseite gibt es 15 Neubauprojekte.

Wie eine Marskolonie. Vor drei Jahren wurde das Studentendorf in Adlershof West eröffnet.
Wie eine Marskolonie. Vor drei Jahren wurde das Studentendorf in Adlershof West eröffnet.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Dass Adlershof West nicht hip ist, stört keinen Studenten

Hinter dem Campus liegt das Studentendorf Adlershof. Kubische Gebäude drängen sich auf kleiner Fläche aneinander wie eine Marskolonie. Mehr als dreihundert Studenten wohnen hier und hier findet man dann schließlich auch so etwas wie eine Bar. Das „Haus Elf“, ein großer Raum im Verwaltungsgebäude des Wohnheims, wird von einem Studentenverein betrieben und sieht aus wie ein etwas luxuriös geratenes Jugendzentrum. Kickertisch, Ledersitzgruppe, Pfeffiflaschen stehen als Dekoration in den Oberlichtern.

An einem Montagabend im Winter sind nur wenige Studenten in der Bar. Fast alle von ihnen studieren an der HU, viele leben schon seit der Eröffnung des Wohnheims vor drei Jahren hier. Damals sei hinter dem Studentendorf, dort wo heute gebaut wird, nur Wiese gewesen, erzählen sie. Dass Adlershof West kein hipper In-Kiez ist, stört keinen der Studenten. „Natürlich will man eigentlich gern im S-Bahn-Ring wohnen“, sagt einer von ihnen. Allein, der Wohnungsmangel in Berlin macht es schwierig und eine Geldfrage ist es auch.

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1 von 11Foto: Kitty Kleist-Heinrich
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Das Studentendorf als soziale Blase

Nicht so schlimm, die meisten hier an der Bar haben ihren Wohnsitz pragmatisch gewählt. „Ich muss zum Studieren nur einmal über die Straße gehen“, sagt ein anderer. Da kann man auch schon mal in Jogginghosen in die Bibliothek gehen. Dafür ist jeder Ausflug ins Stadtzentrum eine kleine Odyssee.

„Wenn Leute hierherziehen, kommen sie oft schockiert ins Büro des Wohnheims und sagen: hier ist ja nichts“, sagt eine. Aber man lerne schnell andere Bewohner kennen, außerdem muss nach drei Jahren sowieso ausziehen. Man könne es hier aushalten. Aber dann geben die jungen Menschen im „Haus Elf“ zu, dass sie in ihrem Studentendorf schon ein bisschen in einer sozialen Blase leben. Wo die anderen 900 der über 1200 Bewohner in Adlershof West leben, weiß keiner von ihnen.

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