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Demos am Wochenende : "Zombieparade": 1200 Demonstranten, 1200 Polizisten

Am Nachmittag zog die "Zombieparade" in Erinnerung an die "Liebig 14" durch Friedrichshain. Die Demonstration verlief kurz und schmerzlos - auch wegen der starken Polizeipräsenz. Zuvor wurde gegen die NPD demonstriert.

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Friedliche Proteste bei eisiger Kälte: Begleitet von einem Großaufgebot der Polizei haben am Samstag in Friedrichshain Polizeiangaben zufolge 1.200 Menschen gegen hohe Mieten und Verdrängung sozial Schwacher aus der Innenstadt demonstriert.Weitere Bilder anzeigen
Foto: dpa
04.02.2012 19:40Friedliche Proteste bei eisiger Kälte: Begleitet von einem Großaufgebot der Polizei haben am Samstag in Friedrichshain...

Eiseskälte ist kein Demonstrationswetter. An einem warmen Frühlingstag wären vermutlich weit mehr Menschen nach Köpenick gekommen, um die NPD auszupfeifen. Und auch die „Zombieparade“ am Samstagnachmittag durch Friedrichshain hätte mehr Menschen angezogen. Schließlich ging es an beiden Orten um Selbstläufer, die NPD zieht immer Protestpublikum an. Und die Liebigstraße ist seit Jahren eines der wichtigsten Symbole der Szene, erst recht nach der Räumung vor genau einem Jahr.

Doch auch Linke frieren. Bei Temperaturen von zehn Grad minus verloren sich am Vormittag nur etwa 60 bis 70 Demonstranten auf dem Mandrellaplatz, einen Steinwurf von der NPD-Zentrale entfernt. „Da klebt ja die Trillerpfeife an den Lippen fest“, beklagte sich ein junger Mann. Die wenigen NPD-Mitglieder, die zu ihrem Landesparteitag in das eigene Haus an der Seelenbinderstraße kamen, wurden einzeln mit Sprechchören begrüßt. Am beliebtesten, wie immer: „Ihr habt den Krieg verloren“ oder „Stalingrad“. Gegen 12.30 Uhr schnarrte aus dem Polizeifunk „27 Personen im Gebäude“, die Beamten zählten genau mit. Wie in vergangenen Jahren kamen letztlich etwa 50 Rechte zu ihrem Parteitag, darunter auch der stellvertretende Bundesvorsitzende Udo Pastörs von der NPD Mecklenburg-Vorpommern.

"Liebig 14" - 1. Jahrestag der Räumung
02.02.2012: Ein Jahr ist es her, dass die "Liebig 14" von der Polizei geräumt wurde. Heute, am 2. Februar 2012, erinnert die linke Szene an die Hausräumung in Berlin-Friedrichshain mit einem friedlichen Protest.Weitere Bilder anzeigen
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02.02.2012 19:5402.02.2012: Ein Jahr ist es her, dass die "Liebig 14" von der Polizei geräumt wurde. Heute, am 2. Februar 2012, erinnert die linke...

Auf dem Parteitag wurde dann der bekannteste Kopf der rechtsextremistischen „Autonomen Nationalisten“, Sebastian Schmidtke, zum neuen NPD-Landesvorsitzenden gewählt, Stellvertreter wurden Uwe Meenen und Udo Voigt. Wie berichtet, hatte der Verfassungsschutz bei Bekanntwerden der Kandidatur Schmidtkes mitgeteilt, dass diese „das seit Jahren bestehende enge Verhältnis der Berliner NPD mit den aktionsorientierten gewaltbereiten Autonomen Nationalisten unterstreicht“. Ohne diese Unterstützung sei „die NPD in Berlin praktisch nicht lebensfähig“, hieß es beim Verfassungsschutz. Schmidtke war bislang stellvertretender Landesvorsitzender. In den Tagen zuvor hatte es viele Spekulationen um den Tagungsort gegeben. Erst am Freitagabend sagte dann ein Reinickendorfer Gastwirt der NPD ab, die Rechten mussten deshalb ihr eigenes – kleines – Haus nutzen.

So friedlich wie der Protest gegen den NPD-Parteitag blieb auch die „Zombieparade“ aus Anlass der Räumung des linken Hausprojekts „Liebig 14“ vor einem Jahr. Die Polizei hatte sich intensiv auf das Wochenende vorbereitet. Im Vergleich zur linken Demo am Sonnabend der vorigen Woche hatte sie diesmal ihre Kräfte mehr als verdoppelt, die Rede war von über 1200 Beamten in Friedrichshain. Um 15 Uhr, als sich die aus ebenfalls 1200 Demonstranten bestehende „Zombieparade“ auf dem Bersarinplatz sammelte, war es minus 6 Grad kalt. Angeführt vom Parolen skandierenden Schwarzen Block, zog die Parade, begleitet von Hundertschaften der Bereitschaftspolizei, fünf Kilometer weit durch den Friedrichshainer Kiez zur Rigaer Straße. Einige der Demonstranten hatten sich tatsächlich als Gespenster und Untote aller Art kostümiert. Auch das schon vor ein paar Tagen in der Liebigstraße zum Einsatz gekommene „Krachmobil“ war dabei. Gegen 17 Uhr endete der Marsch.

Parteizentralen der NPD in Köpenick.
Parteizentralen der NPD in Köpenick.Foto: dapd

Im Vorfeld erschien auch ein anderer Verlauf möglich. Die Linksautonomen hatten schon am Freitagabend ein Zeichen gesetzt, das Polizeipräsidium sprach von „unfriedlichen Aktionen“. Die 100 bis 150 überwiegend Vermummten sammelten sich gegen 20 Uhr auf dem Oranienplatz und zogen in die Oranienstraße. Kurz darauf bewarfen sie die ersten eintreffenden Beamten mit Steinen, Flaschen und Farbbeuteln; zudem flogen zahlreiche Böller und Raketen. Verletzt wurde kein Polizist. Als weitere Beamte eintrafen, flüchteten die Personen in verschiedene Richtungen, so dass sich die Lage gegen 20.30 Uhr beruhigte. Festnahmen gab es keine – das zeigt, dass die Demo für die Polizei wirklich spontan kam.  In linken Internetforen wurde dagegen behauptet, dass die Polizei Kenntnis von der Aktion hatte, weil sie „so schnell da war“.

In der Nacht zu Sonnabend versuchten Linksextremisten mit einer hasserfüllten Stellungnahme auf der linken Internetseite „indymedia“ die Stimmung anzuheizen: „Den Bullenangriff auf die Kadterschmiede und das Wohnprojekt R94 werten wir als offene Kriegserklärung seitens der konservativen Dreckschleuder Henkel“. Wie berichtet, hatte die Polizei vergangenes Wochenende die linke Kneipe „Kadterschmiede“ in einem Nachbarhaus der Liebigstraße 14 gestürmt, nachdem zuvor Randalierer das Haus mit Zwillen und Steinen attackiert hatten.

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