Denkmal für Sinti und Roma : Täglich eine frische Blume

26.10.2012 00:00 Uhrvon
  • Eine Rose liegt bei der Einweihungszeremonie auf dem Denkmal für die im Holocaust ermordeten Sinti und Roma. Künftig soll täglich eine frische Blume das Denkmal schmücken. Foto: dapd
    Eine Rose liegt bei der Einweihungszeremonie auf dem Denkmal für die im Holocaust ermordeten Sinti und Roma. Künftig soll täglich eine frische Blume das Denkmal schmücken. - Foto: dapd
  • Schätzungsweise eine halbe Million Sinti und Roma wurden von den Nazis ermordet - seit Mittwoch erinnert ein Mahnmal nahe des Reichstags in Berlin an ihr Schicksal. Foto: AFP
    Schätzungsweise eine halbe Million Sinti und Roma wurden von den Nazis ermordet - seit Mittwoch erinnert ein Mahnmal nahe des Reichstags in Berlin an ihr Schicksal. - Foto: AFP
  • Renate Künast (Grüne) legt eine Blume am Denkmal nieder. Sie erklärte zur Einweihung: „Das waren wir den Toten und den Überlebenden schuldig.“ Das Mahnmal mitten in der Hauptstadt werde zeigen, dass die Deutschen die Geschichte und die Opfer nicht vergessen. Foto: dpa
    Renate Künast (Grüne) legt eine Blume am Denkmal nieder. Sie erklärte zur Einweihung: „Das waren wir den Toten und den Überlebenden schuldig.“ Das Mahnmal mitten in der Hauptstadt... - Foto: dpa

Jeden Morgen steigt ein Techniker unter das Denkmal für Roma und Sinti und erneuert die Blüte in der Mitte der runden Granitplatte - so will es der Künstler. Er schreibt sogar vor, welche Blumen verwendet werden dürfen.

Vom Festakt mit der Staatsspitze steht noch der Bauzaun, fest verplombt. Wachschützer sichern am Donnerstagmittag das gerade eingeweihte Mahnmal für die ermordeten Sinti und Roma, viele Interessierte werden abgewiesen und sind enttäuscht. Am Freitag ab 12 Uhr soll das Denkmal frei zugänglich sein.

Es ist schlicht, aber nicht ganz: In die Mitte der runden Granitplatte ist ein dreieckiger Stein eingelassen, auf dem eine frische Blüte liegt. Beim Festakt war es Eisenhut – eine giftige, auch heilende Pflanze, die unter Naturschutz steht. Jeden Morgen versinkt die dreieckige Stele und taucht dann mit frischer Blüte wieder auf.

Wie das funktioniert? „Vorerst macht das unser Haustechniker“, sagt Felizitas Borzym von der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, die auch das Mahnmal für Sinti und Roma betreut. Das Denkmal befindet sich auf einer Lichtung des Wäldchens zwischen Brandenburger Tor und Reichstag. „Hinter den Bäumen ist ein Schacht mit einer Treppe, die unter das Mahnmal führt“, sagt Borzym. „Dort liegt die Technik.“ Das steinerne Dreieck kommt unten an, der Techniker tauscht die Blüte aus, dann fährt der Stein wieder hoch. Später soll eine Servicefirma das übernehmen.

Der israelische Künstler Dani Karavan, der das Mahnmal gestaltet hat, überlässt nichts dem Zufall. „Er hat uns eine Liste gegeben, welche Blumen verwendet werden dürfen“, sagt Borzym. Mutterkraut und Sonnenhut, Schneeball und Phlox stünden drauf, unter anderem. Der irritierende Geigenton, der am Denkmal zu hören ist, wird je nach Umgebungslärm automatisch lauter oder leiser.

2,8 Millionen Euro hat das Denkmal gekostet, finanziert vom Bund. Was Wartung und Betrieb kosten, wird laut Stiftung noch ermittelt.

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