Berlin : Der Aufsteiger hinterm Flughafenzaun

Studie: Kreis Dahme-Spreewald machte bundesweit die größten Fortschritte seit 2004

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Potsdam - Kein anderer Kreis Deutschlands hat sich seit 2004 so rasant entwickelt wie Dahme-Spreewald aus dem Land Brandenburg. Das geht aus dem jüngsten „Zukunftsatlas“ der Schweizer Prognos AG hervor, die die zwischen BBI-Flughafen in Schönefeld und der Lausitz gelegene Region jetzt sogar zum langfristigen „Aufsteiger“ unter allen 412 Landkreisen bundesweit kürte. Ein Spitzenplatz, der Landrat Stephan Loge (SPD) „mit Genugtuung“ erfüllt, wie er dem Tagesspiegel sagte. „Unser Kreis steht oft nicht so im Rampenlicht, wir arbeiten ruhig, stetig und verlässlich – das zahlt sich aus.“ Die Prognos AG vergleicht mit dem „Zukunftsatlas“ regelmäßig Regionen anhand harter Daten zur Wirtschaft, Arbeitslosigkeit, Bevölkerungsentwicklung. Bundesweit habe sich Dahme-Spreewald am stärksten nach vorn geschoben, erklärt Olaf Arndt, bei Prognos für Berlin und Brandenburg zuständig. 2004 lag Dahme-Spree noch auf Platz 347, konnte sich jetzt auf Platz 190 verbessern. Da spiele der BBI eine große Rolle, aber auch Gewerbeansiedlungen entlang der Autobahnen oder im Umfeld der Hochschule Wildau.

Landrat Loge führt die Dynamik außerdem auf eine Balance von Wirtschafts- und Familienfreundlichkeit in der Kreispolitik zurück, in dem eine SPD/CDU-Koalition regiert. „Es lohnt sich, hier zu leben. Wir wollen die Leute halten.“ So ist Dahme-Spree der einzige Kreis im Land, in dem dank sprudelnder Steuereinnahmen das letzte Kitajahr gebührenfrei ist. Anders als anderswo brauchen Eltern auch für Schulbusse keine Gebühren zahlen. Und den Betreuungsschlüssel in den Krippen habe man „schon vor einigen Jahren“ verbessert, so Loge. „Wir sind froh, dass das Land jetzt nachzieht.“ Gleichzeitig lege man großen Wert darauf, „Entwicklungsimpulse für den strukturschwachen Süden des Kreises zu setzen.“

Denn selbst innerhalb des Gewinnerkreises gibt es ein Gefälle wie im ganzen Land, das auch im aktuellen „Zukunftsatlas 2010“ deutlich wird: Märkischer Spitzenreiter ist dort Potsdam (Platz 87), es folgen mit Dahme-Spreewald (190) und Potsdam-Mittelmark (244) und Teltow-Fläming (278) sämtlich Speckgürtelregionen. Im Kontrast dazu gehören zu den Regionen der Bundesrepublik mit „sehr hohen Zukunftsrisiken“ drei Brandenburger Kreise, Prignitz (Platz 404), Uckermark (406) und Elbe-Elster auf Platz 409 unter 412 Kreisen. „Dort gibt es einen selbstverstärkenden Abwärtstrend, der nur schwer durchbrochen werden kann“, erklärt Arndt. Gemeint sind etwa Folgen der Abwanderung, weshalb nun für Ansiedlungen Fachkräfte fehlen. Doch gebe es auch in Elbe-Elster Lichtblicke, Wachstumskerne, „aber sie haben nicht die Kraft, eine ganze Region zu stabilisieren.“ Dass sich das ändern kann, zeigt der Lausitzer Kreis Spree-Neiße, der einst Schlusslicht war und sich jetzt aber auf Platz 392 verbesserte.

Überraschend ist auch, dass die boomende Landeshauptstadt Potsdam deutlich hinter die Ost-Gewinner Jena (deutschlandweit Platz 15) und Dresden (Platz 32) zurückfiel. Unter den ostdeutschen Regionen schneidet Potsdam (insgesamt Platz 87) immerhin am drittbesten ab. Thorsten Metzner

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