Berlin : Der Ermittler ist tot

Manfred Kittlaus klärte DDR-Verbrechen auf und jagte Terroristen. Er starb mit 68 Jahren

Werner Schmidt

Manfred Kittlaus hat 40 Jahre deutscher Geschichte als Polizist und Ermittler miterlebt: Während des Terrors in den 70er Jahren war er beim Staatsschutz, und nach der Wende leitete er eine Abteilung, deren Name so kompliziert war wie ihr Zweck: die „Zentrale Ermittlungsstelle für Regierungs- und Vereinigungskriminalität“, die Zerv. Am Freitag ist Manfred Kittlaus an Herzversagen gestorben.

Es war ein plötzlicher Tod, Kittlaus war auf dem Weg zum Einkaufen. Man fand den 68-Jährigen in seinem Auto, das er in der Garage eines Einkaufszentrums am Kladower Damm in der Nähe seiner Wohnung abgestellt hatte. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos.

Zur Zerv kam Kittlaus 1991, gleich nach deren Gründung. Es ging dort um veruntreute Gelder und DDR-Regierungskriminalität, um Glücksritter und Geschäftsleute, die aus dem Zusammenbruch im Osten Kapital schlagen wollten. Kittlaus hat Milliarden für die Bundesrepublik gerettet. Und es wurde auch immer wieder hervorgehoben, dass die Zerv eine „nationale Aufgabe“ erfülle. Kittlaus beklagte allerdings nicht nur einmal, dass ihm Personal fehle, um der auch gerecht zu werden. Rund 200 Ermittler der Berliner Polizei gehörten zum Team, mehr als 500 Beamte von Bund und Ländern arbeiteten mit. Aber was stand ihnen gegenüber?

Unter Zeitdruck litten die Ermittler außerdem. Zwei Mal verlängerte die Bundesregierung Mitte der 90er Jahre die Verjährungsfristen für DDR-Unrecht und ermöglichte so, dass viele Straftaten noch aufgeklärt wurden.

Als die Zerv geschaffen wurde, war die Position von Kittlaus in der Berliner Polizei umstritten. Der hoch dotierte Beamte war ursprünglich als Landespolizeidirektor die Nummer drei in der Führungsriege am Platz der Luftbrücke – über ihm nur noch der Polizeipräsident und dessen Vize. Kittlaus verlor aber das Vertrauen und seine Autorität bei Kollegen und Vorgesetzten im Frühjahr 1991:

Hinter dem Rücken des damaligen Polizeichefs Georg Schertz arbeitete er ein Personalkonzept aus und legte es Innensenator Dieter Heckelmann (CDU) vor. Die Illoyalität hatte Folgen: Die höchsten Polizeiführer forderten von Schertz, dass er Kittlaus ablöse. Schertz tat dies. Danach wurde die Berliner Polizei völlig umstrukturiert. Es wurden fünf eigenständige Abteilungen geschaffen, darunter die Zerv.

Kittlaus klagte zwar erfolgreich gegen seine Versetzung, übernahm den Posten dann aber doch. Mehr als 20000 Ermittlungsverfahren wurden unter seiner Leitung bearbeitet, darunter fast 1000 zu Schüssen an der Mauer, 4000 zu Wirtschaftskriminalität. Bis Ende 1999 gab es 180 Anklagen und 128 Verurteilungen.

Im Jahr 2000 wurde die Zerv aufgelöst, da war Kittlaus bereits seit zwei Jahren pensioniert – und hatte damit eine Berliner Beamtenlaufbahn beendet, die 1955 als Verwaltungslehrling in Charlottenburg begonnen hatte.

Kittlaus hinterlässt eine Frau und zwei erwachsene Kinder.

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