• Der Kreisel sollte das Lebenswerk der „schönen Sigi“ krönen Die Architektin des Hochhauses war einst so bekannt wie Soraya

Berlin : Der Kreisel sollte das Lebenswerk der „schönen Sigi“ krönen Die Architektin des Hochhauses war einst so bekannt wie Soraya

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Ohne die „schöne Sigi“ hätte es den Kreisel nie gegeben. Seine Geschichte ist nicht nur mit einer gigantischen Baupleite verbunden – der 130 Meter hohe Büro und Geschäftsbau sollte auch das Lebenswerk seiner Architektin und Bauherrin krönen. Von Sigrid Kressmann-Zschach sprach vor gut 30 Jahre die ganze West-Stadt, und ihr Name wurde zum Synonym für das „Sumpfklima“ in der verfilzten Baubranche.

Sigrid Kressmann-Zschach, im Kreis der Baulöwen und Baubeamten geachtet und gefürchtet, von Zeitschriften wie einst Soraya hofiert, galt mit ihrer Firma „Avalon“ zeitweise als erfolgreichste Bauunternehmerin Europas. Sie beschäftigte 300 Arbeitnehmer, und sie wusste mit Sonderabschreibungsmöglichkeiten der „Berlin-Hilfe“ des Bundes Geld und Kommanditisten zu gewinnen. Und sie setzte in der Männerbranche voll auf ihre weiblichen Reize. Sie sagte oft, dass sie mit den Waffen einer Frau kämpfe. 1951 im Alter von 21 Jahren aus Dresden gekommen, hatte sie es in Berlin schnell zum eigenen Architekturbüro gebracht. Ihr zweiter Ehemann hieß Willy Kressmann, „Texas-Willy“, war 23 Jahre älter und legendärer SPD-Bezirksbürgermeister von Kreuzberg. Die Ehe ging zwei Jahre gut. Die „schöne Sigi“ baute etliche Wohn- und Geschäftshäuser, der Kreisel sollte ihr Höhenflug sein. In ihr Privathaus an der Grunewalder Koenigsallee eingeladen zu werden, im großen Pool zu schwimmen, galt als gesellschaftlicher Aufstieg.

Ein Senatsdirektor, der über das Kreisel-Projekt verhandelte, stand mit ihr auf Du und Du. Mit dem Kreisel-Konkurs stürzte die Erfolgsfrau. Das Comeback kam nicht mehr. Sie starb, fast vergessen, 1990.C. v. L.

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