Berlin : Der letzte Gast kam aus der Mongolei - Leopold Bill von Bredow verabschiedet sich

Brigitte Grunert

Einmal muss geschieden sein. Mit einem Schluck Sekt wird sich Leopold Bill von Bredow heute von seinen Mitarbeitern im Roten Rathaus verabschieden. Leise, bloß kein Abschiedszeremoniell. So tritt der langjährige Protokollchef des Landes Berlin in den Ruhestand. Diesmal wirklich unwiderruflich. Mit seinen 67 Jahren war er lange darauf eingestellt: "Ich freue mich, und meine Frau freut sich ganz besonders". Er wollte Ende Januar gehen, dann Ende Februar. Aber Eberhard Diepgen war um einen Nachfolger verlegen. Da konnte Bredow nicht Nein sagen. Doch nun ist Schluss. Endgültig. Seine Frau macht nicht mehr mit. Und Marie-Eleonore von Bredow war bei offiziellen Anlässen immer mit im Dienst. Unauffällige, perfekte Arbeitsteilung nennt man das.

Die offizielle Verabschiedung wird sich der Regierende Bürgermeister sicher nicht nehmen lassen. Aber das hat Zeit bis zur Amtseinführung des Nachfolgers, und der ist noch nicht bekannt. Nur so viel steht fest, dass es wieder ein Berufsdiplomat aus dem Auswärtigen Amt sein soll. Seit Ende der siebziger Jahre waren alle Berliner Protokollchefs Berufsdiplomaten, und die Regierenden Bürgermeister sind gut mit ihnen gefahren. Bredow, der in Potsdam geborene Spross aus uraltem märkischen Adel, ein Urenkel Bismarcks, war stellvertretender Protokollchef der Bundesregierung, als ihn Richard von Weizsäcker 1983 nach Berlin holte. Da hatte er schon etliche Auslandsstationen hinter sich, so in Tel Aviv, Rom, Madrid, New York. 1988 endete seine erste Berliner Amtszeit. Er wurde Generalkonsul in New York, drei Jahre später Botschafter in Athen, schließlich Botschafter in Bukarest.

Als er 1998 mit 65 pensioniert wurde, fühlte er sich noch zu jung. Die Bredows zog es zurück in die nun geeinte Stadt, und im März stand er wieder in Diepgens Diensten. Diesmal wurde er der preiswerteste Protokollchef, den Berlin je hatte - für ein Honorar zuzüglich zur Pension. Er war "dankbar und froh, dass ich den Übergang zur Hauptstadt begleiten konnte. Das war für mich eine große Chance." Seine Kontakte zum Auswärtigen Amt konnte er dafür wunderbar nutzen. Der Protokollchef der Bundesregierung ist ein guter alter Bekannter.

Bredow, der Diplomat alter Schule und Kenner der Außenpolitik, hat Maßstäbe gesetzt. Allgemeine Anstands- und Etikettefragen könne man getrost den Tanzmeistern überlassen, sagte er einmal. Ein Protokollchef ist kein Zeremonienmeister und kein maitre de plaisier. Er hat schlicht dafür zu sorgen, dass jeder offizielle Gast seinem Rang, seiner Herkunft und dem Anlass gemäß umsorgt wird. Bredow hat sie alle "umsorgt", die Großen der Welt von amerikanischen Präsidenten und Königin Elizabeth bis zum Staatsoberhaupt von Zimbabwe. Der letzte für ihn war gestern der Staatsspräsident der Mongolei.

Bredow war wohl der souveränste Protokollchef, den Berlin je hatte. Nie hat man ihn nervös gesehen. Er war bei Empfängen immer der unnachahmlich liebenswürdige, kultivierte Plauderer, der doch mit unmerklichem Augenkontakt seine Leute dirigierte. Pannen gab es auch, natürlich. Er lächelt leise und schweigt diskret. Aber es gibt eine Protokollregel: Pannen, die andere nicht merken, sind keine! Darauf kommt es an. Stapelweise bewahrt er Erinnerungsgeschenke auf; die meisten haben ihm Fotos mit Widmung verehrt. Aber auch für größere Präsente hat er gern den amtlichen Schätzwert an die Landeskasse bezahlt, um sie behalten zu können.

Am Lietzensee wird er wohnen bleiben und auch auf der politischen Bühne zu sehen sein, nun als Gast bei Empfängen und Veranstaltungen. Eine ehrenamtliche Tätigkeit deutet er an. Welche, verrät er noch nicht. So viel Diskretion muss sein.

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