Berlin : Der Manager vom Main

Vieles spricht für den früheren Fraport-Chef Bender als BER-Geschäftsführer. Doch will er überhaupt?

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Berlins Neuer? Wilhelm Bender, aufgenommen beim Spatenstich für die Nordwestbahn in Frankfurt am Main. Foto: dpa
Berlins Neuer? Wilhelm Bender, aufgenommen beim Spatenstich für die Nordwestbahn in Frankfurt am Main. Foto: dpaFoto: dpa

Offen will sich zu dieser Personalie noch niemand äußern. Zu groß ist die Angst, dass Wilhelm Bender doch noch absagt. Würde er den Vorsitz der Geschäftsführung beim BER übernehmen, wäre das sicher ein Gewinn für den Hauptstadtflughafen. Sagt er ab, stehen die Verantwortlichen mal wieder blamiert da. Zu viele haben bereits abgesagt, wenngleich unklar ist, ob sie überhaupt offiziell gefragt wurden. Jetzt ist das Angebot für Bender publik geworden. Bis zum Wochenende hat er sich Bedenkzeit erbeten. Einige, auch auf Bundesebene, die Bender lange kennen, haben ihm gut zugeredet und für das Projekt geworben.

Was das bringt, wird sich noch herausstellen. Aufsichtsratschef Matthias Platzeck (SPD) hat vor dem Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages am Mittwoch klar gemacht, dass er nicht irgendeinen Projektleiter haben wolle, sondern gerne einen ausgewiesenen Flughafenexperten. Und in diese Kategorie fällt Bender eindeutig. Er kennt den Markt und die Materie Flughafen wie kaum ein anderer in Deutschland. 17 Jahre lang war er Vorstandsvorsitzender der Fraport AG, Betreibergesellschaft des Rhein-Main-Flughafens. In seiner Zeit hat er wichtige Bauprojekte erfolgreich und im Zeit- und Kostenrahmen durchgeführt – so beispielsweise den Bau einer weiteren Landebahn und die Erweiterung der Terminals. Als er seinen Job bei der Fraport antrat, hieß die Gesellschaft nicht nur anders, sie arbeitete auch noch anders: verlustreicher und weniger zuverlässig. Bender führte das Unternehmen an die Börse und in die Gewinnzone. In seiner Fraport-Zeit hat Bender zudem eng und, wie es heißt, auch gut und weitestgehend konfliktfrei mit dem jetzigen BER-Technikchef Horst Amann zusammengearbeitet.

Bevor Bender Fraport-Chef wurde, war der promovierte Jurist zunächst bei der Deutschen Bundesbahn in verschiedenen Positionen tätig. Unter anderem war er Büroleiter des damaligen Vorstandschefs Rainer Gohlke. Von 1990 bis 1993 leitete er dann als Vorsitzender der Geschäftsführung die Großspedition Schenker. Bei den Gesellschaftern schätzt man aber nicht nur Benders fachliche Qualifikationen, sondern auch seine persönlichen Eigenschaften. Bender gilt als sozial und sehr kommunikativ. Ein Unternehmen auch nach außen darzustellen, ist für ihn kein Problem. Außerdem ist er politikaffin und politikerfahren. Bei einem Projekt, das zu hundert Prozent in der öffentlichen Hand liegt, ist das sicher keine schlechte Qualifikation. Dass Bender SPD-Mitglied ist, gilt selbst im CSU-geführten Bundesverkehrsministerium nicht als Problem.

Es spricht also einiges für den Hessen. Doch es gibt auch offene Fragen. Bender ist 68 Jahre alt, und es ist fraglich, ob er sich diese Mammutaufgabe noch einmal antun will. Allerdings hat sich Bender derzeit nicht zurückgezogen. Er begleitet diverse Aufsichtsratsposten als Vorsitzender – so auch beim Fußballbundesligisten Eintracht Frankfurt. Außerdem berät er die Private-Equity-Gesellschaft Advent International bei Geschäften mit Industrie- und Dienstleistungsunternehmen. Und er engagiert sich bei den Freunden und Förderern der Frankfurter Goethe- Universität.

Eine weitere offene Frage ist sicher das Geld. Es heißt, bei 750 000 Euro Jahresgehalt sei die Schmerzgrenze klar erreicht. Einige Kandidaten hätten wohl bereits drüber gelegen. Bender lag zu seinen Fraport-Zeiten drunter. Christian Tretbar

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