Berlin : Der Sonne entgegen

Mit dem gläsernen Aufzug geht es hinauf zum neuen Hochhaus-Club „Solar“ in Kreuzberg

Judith Jenner

Nachtschwärmer gelten als lichtscheue Spezies. Sie halten sich am liebsten in dunklen Kellern auf, wo sie auch morgens kein Sonnenstrahl blendet. Natürliches Licht gilt als Stimmungskiller. Das ist Vergangenheit. Seit einiger Zeit sind Hochhausclubs in Mode und mit ihnen große Fensterfronten. Für eine Party im „40 Seconds“ an der Potsdamer Straße steigt das Partyvolk in den Aufzug und lässt sich in 40 Sekunden in den achten Stock hieven. Oben lockt der Blick über die Daimler-City am Potsdamer Platz. Gar in der zwölften Etage bittet das „Weekend“ am Alexanderplatz zum Tanz – inklusive Panoramablick über die Stadt. Noch höher hinaus geht es ab dem 12. Dezember. Dann öffnet offiziell im 16. und 17. Stock im ehemaligen Saskatchewan- Hochhaus am Anhalter Bahnhof die Restaurant-Lounge „Solar“, in der Sonnenlicht zum Programm gehört.

Der verglaste Außenfahrstuhl saust vom unscheinbaren Hinterhof direkt in die 16. Etage. Sensible Menschen bekommen dabei Höhenangst. Unten am Potsdamer Platz schrumpfen die Autos auf Spielzeuggröße, der Fernsehturm scheint auf Augenhöhe zu stehen. An klaren Tagen reicht der Blick bis fast an die Stadtgrenze. Sieben Jahre standen die Räume leer, seit ein Restaurant ausgezogen war. In den Achtzigern tanzte hier die progressive Kunstszene im „Turn Tower“. Das Restaurant „Saskatchewan“ gab gleich dem ganzen Hochhaus seinen Namen.

Der 16. und 17. Stock sind mit einer Wendeltreppe verbunden. Von der Decke bis zum Boden sind die Wände verglast. Unten ist ein Restaurant mit 90 Plätzen. Der 21-jährige Koch Marcel Belay hat eine Karte mit Pasta zu Studentenpreisen bis hin zum teureren Filetsteak zusammengestellt. Lange hat Betreiber Rik Verweyen gegrübelt, wie man sich auch bei einem Abendessen mit vielen Leuten gut mit allen unterhalten kann. Die Lösung: eine x-förmige Tafel in der Mitte des Raumes. „Der Luxus besteht nicht aus teuersten Materialien, sondern aus außergewöhnlichen Ideen“, sagt Verweyen. Oben in der Lounge haben Designer aus Mailand und New York breite Sitzbetten, Schaukeln und Couches entworfen. Die Stoff-Collagen an der Wand kommen von der Künstlerin Andrea van Reimersdahl. „Mir war schon beim ersten Besuch klar, dass der Raum mit diesem grandiosen Ausblick zum Tanzen zu schade ist“, sagt der 32-jährige Verweyen. „Man soll entspannt sitzen und mit Freunden Sonnenauf- und untergänge beobachten können.“ Seit er 16 ist, organisiert Verweyen Partys und Vernissagen, heutzutage neben seinem Job bei der Platenfirma Universal. Auch wenn das „Solar“ kein Tanzclub ist, auf die Musik legen die Betreiber großen Wert. DJs sollen hier ihre Lieblingsplatten auflegen. Lichtkünstler haben dazu passende Visuals entwickelt. Bevor nun die ersten Gäste zu regulären Veranstaltungen kommen, wurde in den vergangenen Wochen bei „Friends Dinners“ mit Pizza und Champagner getestet. Die Toten Hosen schauten ebenso vorbei wie Moderatorin Sarah Kuttner.

Solar, Stresemannstraße 76, Kreuzberg, montags bis freitags ab 17 Uhr, Sonnabend und Sonntag ab 11 Uhr geöffnet, Informationen unter (0163) 7652700. Den Ausblick sieht man auf www.solarberlin.com

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