Berlin : Der Südwesten bleibt gelassen

Im Südwesten Berlins und dem dortigen Umland war man wenig überrascht von der Flugroutenentscheidung. So äußerte sich auch der Bürgermeister von Steglitz-Zehlendorf, Norbert Kopp (CDU). Der Bezirk könne mit dieser Lösung leben. Laut Kopp muss nun in den ersten sechs Monaten des Flugbetriebs untersucht werden, welche Belastungen entstehen, und dann nachgebessert werden. Jetzt muss die Region mit rund 50 Überflügen pro Tag rechnen, die aber nicht auf einer geraden Strecke verlaufen, sondern sich fächerförmig über das gesamte Gebiet verteilen können. „Für den einzelnen bedeutet das eine geringere Belastung“, sagt Kopp. Sein Parteifreund, der Bundestagsabgeordnete Karl-Georg Wellmann, bezeichnete das Verfahren als beispielhaft für eine Bürgerbeteiligung – allerdings erst nach den ersten Veröffentlichungen. Danach seien die Sorgen und Ängste der Menschen aufgenommen worden.

Peter Kreilinger, Sprecher der Initiative Fluglärmfreie Havelseen, äußerte Kritik am Verfahren: „Dass wirtschaftliche Interessen vor die der Anwohner gestellt werden, zieht sich wie ein roter Faden durch die Planung des Flughafens.“ Die Flughafengesellschaft müsse jetzt vor allem den Schallschutz für die Anwohner verbessern: Besonders laute Maschinen dürften nicht zugelassen werden. Erschreckt zeigte sich hingegen Matthias Schubert von der Kleinmachnower Initiative darüber, dass an der Müggelseeroute festgehalten wird. Das lege nahe, dass eine dritte Startbahn bereits geplant ist. Einigermaßen zufrieden äußerte sich Sabine Bergmann-Pohl. Die ehemalige Präsidentin der DDR-Volkskammer war engagiert beim Protest im Südosten Berlins. Dass die Flugrouten so festgelegt worden seien, bedeute auch einen Erfolg der Arbeit der Fluglärmkommission, sagt die in Zeuthen lebende CDU-Politikerin. Es wäre illusorisch gewesen zu glauben, vom Fluglärm ganz verschont zu werden.

Die Fraktionschefin der Bündnisgrünen, Ramona Pop, forderte den Senat auf, sich für eine weitere Optimierung der Flugrouten einzusetzen. Es müsse geprüft werden, ob durch die Routenalternative über die Gosener Wiesen weniger Menschen belastet würden. Auch die Linksfraktion sieht hier erheblichen Korrekturbedarf. Oliver Friederici von der CDU verweist darauf, dass die Fluggesellschaften prüfen sollten, ob sie es sich betriebswirtschaftlich leisten können, die belasteten Gebiete zu umfliegen. sik/kt/alm

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